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Wegelin verkauft alles ausser US-Geschäft an Raiffeisen

Davos - Die Privatbank Wegelin & Co. zerfällt unter dem Druck der US-Steuerbehörden. Sie hat den Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisengruppe verkauft. Die Teilhaber der ältesten Schweizer Privatbank reagieren mit diesem Schritt auf eine drohende Klage aus den USA.

asu / Quelle: sda / Freitag, 27. Januar 2012 / 19:58 h

Die Ära der 1741 gegründeten St. Galler Privatbank Wegelin ist vorbei. Mit Ausnahme der US-Kunden werden sämtliche Geschäfte in die neu gegründete Notenstein Privatbank übertragen, wie die Wegelin Bank am Freitag mitteilte. Besitzerin des neuen Unternehmens ist die Raiffeisengruppe. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Die Vermögenswerte der bisherigen Wegelin-Kunden in der Höhe von 21 Milliarden Franken werden vollumfänglich in die Notenstein Privatbank integriert. Auch die 700 Wegelin-Mitarbeitenden wechseln unter das Dach des neuen Finanzinstituts.
Ruder herumreissen
Mit der Zerschlagung der Traditionsbank versuchen die acht Teilhaber der Wegelin Bank, im Steuerstreit mit den US-Behörden das Ruder noch herumzureisen. Die Bank war im Sog der Steueraffäre rund um die UBS auf den Radar der US-Steuerbehörden gekommen. Im Oktober 2010 wurde ein ehemaliger Direktor des Instituts wegen versuchter Geldwäscherei vom Geheimdienst FBI verhaftet.
Anfang Januar wurden dann drei Wegelin-Mitarbeiter in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. In der Anklageschrift gegen die drei erwähnen die Behörden auch einen Wegelin-Teilhaber und bezeichnen diesen als «Mitverschwörer» - allerdings ohne Namen. Am vergangenen Montag beurlaubte Wegelin den Teilhaber Christian Hafner.
Lebenswerk aufgegeben
Wenige Tage später sah sich die Traditionsbank zum radikalen Schnitt gezwungen. «Gewiss kann man sich vorstellen, wie schwer uns dieser Schritt fällt, geben wir doch unser Lebenswerk auf», schreibt der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler in einer Mitteilung. Doch die Auseinandersetzung mit den US-Behörden hätten die Bank in eine «ungeheuer schwierige und existenzbedrohende Lage» gebracht.
Die neu gegründete Notenstein Bank soll unter dem Dach der Raiffeisengruppe vor einer Anklage geschützt sein. «Wir kamen zum Schluss, es ist zu verantworten», sagte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz vor den Medien in Zürich. Die Übernahme der Privatbank sei auch für Raiffeisen «eine gute Lösung».
Die genossenschaftlich organisierte Raiffeisengruppe hat bereits seit Längerem mit der Übernahme einer Schweizer Privatbank geliebäugelt. Raiffeisen bleibe aber eine Gruppe von 330 selbständigen Banken, die auch in Zukunft schwergewichtig im Retailbanking aktiv seien, versicherte Vincenz.








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Kolumne
Die verdammte Thermodynamik

Patrik Etschmayer

Kennen Sie die Thermodynamik? Die Thermodynamik ist der Grund, warum die ganzen schönen Perpetuum Mobiles (oder Mobili?) nicht funktionieren, warum Sie Strom- und Tankrechnungen Zahlen müssen und sich ihr Handy nicht mit dem Licht vom Display selbst wieder aufladen kann. Nur Politiker und Banker kennen sie scheinbar nicht.
Nun mögen Sie sich fragen, was zum Henker Physik und Politik miteinander zu tun haben, ist doch allgemein bekannt, dass sich Politiker ausserhalb der Naturgesetze bewegen ... oder glauben die das nur?
Dazu hilft es, nochmals kurz anschauen, was die Thermodynamik denn überhaupt besagt. Es gibt dazu vier Hauptsätze:
0. Hauptsatz: Stehen zwei Systeme jeweils mit einem dritten im thermodynamischen Gleichgewicht, so stehen sie auch untereinander im Gleichgewicht.
1. Hauptsatz: Die Energie eines abgeschlossenen Systems ist konstant.
2. Hauptsatz: Thermische Energie ist nicht in beliebigem Masse in andere Energiearten umwandelbar.
3. Hauptsatz: Der absolute Nullpunkt der Temperatur ist unerreichbar.
Wenn Sie sich fragen, warum der nullte nicht der erste Hauptsatz ist: der wurde erst nachträglich formuliert und man wollte die anderen nicht verschieben, aber er gehört vor den ersten.
Was in den Sätzen hier formuliert wird, gilt für alle Maschinen, für jedes Lebewesen, jede Handlung. Und bei genauer Betrachtung auch für die angeblich so abstrakte Finanzwelt.
Ersetzt man den Begriff «Energie» mit «Wert» im Sinne eines Vermögenswertes oder einer erarbeiteten Leistung, zeigt sich auf einmal ein interessantes Bild der globalen Ökonomie.
Der erste Hauptsatz erklärt zum Beispiel anschaulich, warum isolierte Länder wie Nordkorea oder Burma in völliger Stagnation verharrten oder immer noch verharren. Das System ist zu und nichts fliesst hinein oder hinaus.
Der zweite Hauptsatz macht klar, warum es im Handel zwischen Ländern meist Verlierer und Gewinner gibt: Reibungsverluste sind unvermeidlich und genau so wie ein Motor nicht die gesamte ihm zugeführte Energie in Leistung umwandeln kann, so geht auch im Handel immer etwas verloren, wodurch Ungleichgewichte entstehen (und die beteiligten diese noch vergrössern). Das Erhöhen der Geldmenge führt dem System dabei eben so wenig Energie zu wie die Kreation künstlicher Werte in Form von Spekulationsblasen. Nur zu behaupten, dass der Tank voll sei, lässt ein Auto keinen Meter weit fahren.
Nun wird jeder, der etwas über diese Behauptungen nachdenkt einwenden, dass dies nicht wahr sein könne, denn die Wirtschaft funktioniere ja ohne externe Energiezuführung. Doch dies ist der Moment, wo eben die Ökonomie an der Realität angekoppelt ist. Unsere gesamte Wirtschaft wird von echter Energie angetrieben. Seien es die Fabriken, die Millionen von Handys und Tabletts herstellen, seien es die Serverfarmen der Internet-Riesen oder die Computersysteme der Börsen der Welt, seien es die Bagger und Grubenlaster, welche die Rohstoffe aus der Erde buddeln: Sie all brauchen Energie. Dies ist die Schnittstelle, die scheinbar jedem «normalen» Menschen einleuchtet aber von vielen Ökonomen und Politikern nicht mehr als solche wahr genommen wird.
Was uns zurück zum ersten Hauptsatz bringt: Ist die Erde ein geschlossenes System? Objektiv gesehen: nein, aber sie wird von grossen Teilen der Wirtschaft so behandelt: Fossile und nukleare Energiequellen sind - auch wenn sie noch in hohem Masse vorhanden sind - Teil des «geschlossenen» Systems, das irgendwann (siehe Satz 2) in einen Zustand hoher Entropie überführt wird, so dass die Welt dann wie eine riesige Müllhalde aussehen würde.
Doch die Energiebilanz der Erde wird durch einen Faktor, nämlich die Sonneneinstrahlung, entscheidend verbessert und am Ende wird die Menschheit, so es sie noch gibt, auf diese Energiequelle angewiesen sein, von der praktisch das ganze Leben auf der Welt abhängt.
Doch vorerst scheint dies niemanden zu interessieren. Stattdessen schwirren die verrücktesten Summen durch die Landschaft, werden an Derivate- und Devisenmärkten Summen gehandelt, die angeblich das Vielfache dessen wert sind, was womöglich je auf der Erde gewonnen werden kann.
Ein Blick auf die Sätze der Thermodynamik zeigt allerdings erschütternd klar: Alles nur Illusion und Spiegelfechterei. Energie oder die Entsprechung davon (denn Geld sollte ja in solche oder Produkte daraus umgewandelt werden können), entstehen nicht, nur weil wir sie uns vorstellen, gerne hätten oder als existent erklären.
Es gibt viele Gründe für die momentane Krise. Einer davon, der kaum einmal erwähnt wird, ist eben der, dass wir uns zwar gern ausserhalb der Naturgesetze bewegen würden, die Realität uns aber immer wieder dabei einholen wird. Die verdammte Thermodynamik lässt sich einfach nicht überlisten. Aber vielleicht wird sie ja irgendwann mal verboten, wenn sie von der Politik bemerkt wird - die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
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