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Lehrermörder Ded Gecaj in der Schweiz hinter Gittern

St. Gallen - Der St. Galler Lehrermörder Ded Gecaj ist am Donnerstag von der Republik Kosovo an die Schweiz ausgeliefert worden. Er wurde am Nachmittag der St. Galler Staatsanwaltschaft zugeführt, wie das Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilte.

ht / Quelle: sda / Donnerstag, 2. September 2010 / 14:23 h

Gecaj wurde am 17. Mai in Kosovo verhaftet und in Auslieferungshaft gesetzt. Die Schweizer Behörden signalisierten unmittelbar nach der Verhaftung, dass sie nach wie vor um die Auslieferung von Ded Gecaj ersuche. Aus formellen Gründen musste nochmals ein Gesuch gestellt werden. Das neue Gesuch wurde den Behörden in Kosovo übergeben.
Der heute 52-jährige Gecaj hatte 1999 den Lehrer seiner Tochter im Schulhaus Engelwies in St. Gallen erschossen. Nach der Tat floh er in seine Heimat. Dort wurde er festgenommen. Er gestand die Tat und wurde 2000 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt - wegen Totschlags. Gecaj kam nach rund zwei Jahren frei und tauchte dann unter.
Schnell vor Gericht
Die St. Galler Staatsanwaltschaft will Gecaj nun «so schnell wie möglich» vor Gericht bringen. Dies sagte die zuständige Staatsanwältin Ursula Brasey. Bis zum Prozess dürften aber noch Monate vergehen.
Brasey geht davon aus, dass der 52-jährige Gecaj wegen Mordes angeklagt wird. Die Anklageschrift liegt noch nicht vor. Gecaj wird sich vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten müssen.
Vorerst werden die St. Galler Behörden Gecaj befragen. Der Ausgelieferte wird einen Verteidiger erhalten. Dieser kann Beweisanträge stellen. In welchem Gefängnis Gecaj untergebracht wird, gibt die Staatsanwaltschaft nicht bekannt.

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Kolumne
Verkaufs-DNA für Erregungsdemokraten

von Regula Stämfpli

Thilo Sarrazin hat mit seinem neuen Buch «Deutschland schafft sich ab» die Verkaufs-DNA unter Erregungsdemokraten entdeckt. Es gibt gar nicht soviele TV-Kanäle und Printspalten, wie Sarrazin Medienaufmerksamkeitssynapsen auf sich und seine banal-populären Thesen konzentrieren kann.
Der mediale Metabolismus erzeugt so unglaubliche Blähungen in der deutschen Demokratie. Und selbstverständlich auch in der schweizerischen, die ja polithormonell mit der deutschen Befindlichkeit eng verknüpft ist.
So.
Falls Sie bis hierhin ganz vergnüglich oder missmutig oder gelangweilt gelesen haben, ohne zumindest erstaunt Ihre Augenbrauen zu heben, ist mein Experiment geglückt. Die ersten Sätze dieser Kolumne bedienen sich einer bio-logischen Bildersprache, die in Sarrazins Buch und Thesen sowie in den Berichten mittlerweile selbstverständlich sind. Die so selbstverständlich sind, dass sie den Boden für politisch völlig irrelevante Thesen wie Sarrazins «jüdisches» und «muslimisches» Gen bereiten. Sarrazin sortiert das Menschenmaterial nach kollektiven Merkmalen in einer bio-logischen Sprache, die mittlerweile alle sprechen. Nicht nur das. Sarrazin verwandelt, wie der kluge Thomas Steinfeld in der Süddeutschen dies richtig schreibt, «das deutsche Volk in eine Human Resource.» Sarrazin ist je nicht einfach ein hohler Dummkopf wie die meisten rechtspopulistischen Schwätzer und ihre linkskulturell verblödeten Gegner. Als Vorstand der deutschen Bundesbank denkt Sarrazin volkswirtschaftlich, unternehmerisch und liebt die rationalen Naturwissenschaften.
Nützlichkeit, Brauchbarkeit, Produktivität der Wirtschaft verknüpfen sich bei Sarrazin mit der Polit-Bildersprache aus den Naturwissenschaften. Und alle nicken oder schreien empört auf. Dabei sind nicht die antimuslimischen Tendenzen Sarrazins der eigentliche Stein des Anstosses, sondern die Selbstverständlichkeit eines Gedankengebäudes, das jeden, der nicht zu Gewinn und Vorteil der Volksgemeinschaft beiträgt, zu den Überflüssigen zählt, der ab- oder ausgeschafft werden sollte.
Der schon fast monströse Erfolg, den Sarrazin mit seiner Bio-Warensprache erzeugt, belegt wie biopolitisch und demokratiefeindlich die wichtigsten Diskurse und politischen Rezepte in unseren westlichen Gesellschaften geworden sind. Dabei ist etwas klar: Sarrazins Kopftuchmädchen sind keine Frage von Biologie oder volkswirtschaftlicher Fehlinvestition, sondern Ausdruck verfehlter Politik. Globalisierung und Islamisierung sind die zwei Seiten derselben Medaille, die dank Sprache, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft als postmodernes Programm zur «Entmündigung des Menschen» geformt ist. Wer das nicht erkennt, wird entweder zum Rassisten oder zum staatfeindlichen, naiven Toleranzprediger: Die Wahlerfolge der Rechtspopulisten und der Grünen in diversen europäischen Ländern sprechen genau diese Sprache. Denn Natur ist für die Demokratie ein ebenso schlechter Ratgeber wie die Religion.
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