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Vier Rücktritte aus dem Verwaltungsrat der UBS

Zürich - Der neue UBS-Präsident Peter Kurer räumt auf. Er beseitigt die von seinem Vorgänger Marcel Ospel aufgebaute Führungsstruktur. Aufgaben und Kompetenzen werden klarer geregelt. Vier Verwaltungsräte der angeschlagenen Grossbank treten ab.

fest / Quelle: sda / Dienstag, 1. Juli 2008 / 15:30 h

Der vollamtliche UBS-Vizepräsident Stephan Haeringer räumt seinen Sessel ebenso wie der frühere Ciba-Chef Rolf Meyer, Stadler-Rail-Inhaber Peter Spuhler und Lawrence Weinbach, Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Yankee Hill Capital Management. Damit geht ein Drittel des zwölfköpfigen Gremiums von Bord.

Noch eine Generalversammlung

Wer sie ersetzen wird, ist noch offen. Die UBS gab am Dienstag erst den Termin der bereits dritten Generalversammlung in diesem Jahr bekannt: Sie findet am 2. Oktober statt. Die Namen der Kandidaten sollen rechtzeitig vorher veröffentlicht werden. Auf einen vollamtlichen Vizepräsidenten wird wohl verzichtet. Mit der Umgestaltung des Verwaltungsrats reagiert Kurer auf Vorwürfe, wonach das Aufsichtsgremium zu wenig Fachkompetenz im internationalen Finanzwesen habe. Die Neuen sollen «über namhafte Erfahrung in Banking, Finanzen und Risikomanagement verfügen», wie es in der UBS-Mitteilung ausdrücklich heisst. Die Anlagestiftung Ethos begrüsst den angekündigten Umbau der Führungsstruktur grundsätzlich. Die Einberufung der bereits dritten Aktionärsversammlung in diesem Jahr wurde als gute Nachricht aufgenommen. Ethos vermisst aber konkrete Aussagen zur Strategie der Grossbank.

Strategie auf dem Prüfstand

An der ausserordentlichen Generalversammlung wollen der Verwaltungsrat und der Strategieausschuss die Aktionäre auch über die Resultate ihrer «Überprüfung der Strategie der Bank und ihrer Geschäftsfelder» orientieren.



UBS-Präsident Peter Kurer ändert die Strukturen seines Vorgängers Ospel. /



Die Namen der Nachfolger sollen «rechtzeitig» bekannt gegeben werden. /



Auch SVP-Mann Peter Spuhler tritt zurück. /

Konkretere Angaben machte die UBS nicht. Seit einigen Tagen kursieren am Markt Gerüchte, die UBS könnte ihr US-Vermögensverwaltungsgeschäft PaineWebber verkaufen. Zudem gibt es Aktionäre, die den Verkauf des Investment Banking fordern. Diese Sparte ist schuld an den Milliarden-Abschreibern, weil sich Händler mit US-Ramschhypotheken verspekuliert haben.

Aktie bleibt im Sinkflug

Die UBS machte auch keine Angaben zum Verlauf des soeben zu Ende gegangenen zweiten Quartals. Analysten befürchten als Folge der Subprime-Krise weitere Abschreiber in Milliardenhöhe und den nunmehr vierten Quartalsverlust in Folge. Wegen dieser Unsicherheiten geht es mit der UBS-Aktie kontinuierlich abwärts. Am Dienstagmorgen eröffnete das Papier an der Schweizer Börse um 0,8 Prozent im Minus bei 21.26 Franken. Am Montag war der Kurs der UBS-Aktie zeitweise auf den tiefsten Stand seit 1998 gefallen.

Chairman's Office abgeschafft

Der Kurszerfall der Aktie illustriert auch den Vertrauensverlust in die UBS. Dem versucht Verwaltungsratspräsident Kurer mit einer neuen Organisation entgegenzutreten. Konkret sollen die Rollen und Verwantwortlichkeiten von Verwaltungsrat und operativem Management voneinander klar abgegrenzt werden. Wie bereits kurz nach seiner Wahl angekündigt, schafft Kurer mit sofortiger Wirkung das Chairman's Office ab. In der Ära von Marcel Ospel war dieses dreiköpfige Gremium, das zwischen Verwaltungsrat und Konzernleitung angesiedelt war, die eigentliche Machtzentrale der Bank.

Mehr Macht für Marchionne

Mit der Abschaffung des Chairman's Office sei die UBS einen wichtigen Schritt vorangekommen, heisst es in der Mitteilung. Die Aufgaben dieses Gremiums wurden einer erweiterten Zahl von Ausschüssen des Verwaltungsrats übertragen, einschliesslich eines Risiko- und Strategieausschusses. Mehr Macht erhält der unabhängige Vizepräsident Sergio Marchionne. Der Fiat-Chef übernimmt die Rolle eines Senior Independent Directors, also eines unabhängigen Vertreters der nicht im Unternehmen angestellten Verwaltungsräte. Marchionne war im Februar dem damaligen Präsidenten Ospel zur Seite gestellt worden. Bei der Überarbeitung ihrer Regeln für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) wurde die UBS von den unabhängigen Beratern Rothschild und von der Anwaltskanzlei Bär & Karrer unterstützt.

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