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«Katrina» setzt Giftcocktail frei

Washington - Neben den menschlichen Tragödien sind auch die von Hurrikan «Katrina» verursachten Umweltschäden unüberschaubar. «Cancer Alley» - Krebs-Gasse - heisst der hunderte Kilometer lange Katastrophenkorridor im Volksmund bereits.

Christiane Oelrich / Quelle: dpa / Montag, 5. September 2005 / 12:30 h

In New Orleans treibt eine aufgedunsene Leiche hinter einer völlig erschöpften Frau durch eine überflutete Strasse. Einige hundert Meter weiter liegen Tierkadaver in einer stinkenden Kloake, daneben stehen Kinder im knietiefen Wasser. Eine kilometerhohe Rauchwolke zeugt von einer Explosion im Chemielager am Eisenbahndepot. Aus der Luft ist auf dem Mississippi bei Venice ein Ölteppich zu sehen. Akut ist die Lage in New Orleans. Die Stadt liegt unter dem Meeresspiegel. Das Wasser abzupumpen, das dort teils meterhoch in den Strassen steht, wird Wochen dauern.

Allein die Säuberung kostet 100 Milliarden

«Wir reden hier von einem unglaublichen Umweltdesaster», sagt der stellvertretende Direktor des Hurrikan-Zentrums an der Universität von Louisiana, Ivor van Heerden. Auf über 100 Mrd. Dollar schätzt Hugh Kaufman von der staatlichen Umweltschutzagentur EPA allein die Kosten der Säuberung. «Wir haben es mit einem Giftcocktail zu tun, der nicht nur Bakterien und Viren aus den Abwässerkanälen, sondern auch Schwermetalle und giftige Chemikalien enthält», sagte er in einem Interview mit dem Radiosender NPR.

Hochgiftige Suppe

«Da ist Benzin aus Tankstellen drin, Altöl, Putz- und Haushaltsreiniger, Pflanzenschutzmittel, Chemikalien. In der Gegend gibt es jede Menge Tanks mit gefährliche Substanzen.» Südlich von New Orleans gab es mehrere Mülldeponien, die völlig aufgeschwemmt sein dürften. Die giftige Suppe könne nur in die Kanäle geleitet werden, und dann über den Mississippi in den Golf von Mexico, meint Kaufman, kontrolliert und in zeitlichen Abständen, um die Gewässer nicht auf einmal mit diesen riesigen Giftberg zu belasten.



Verwüstete Strasse in New Orleans. /

Die Folgen für Flora und Fauna sind unabsehbar. An Land müssten die kontaminierten Schichten abgetragen und entsorgt werden.

Öl- und Chemieindustrie

Entlang der Golfküste von Mississippi gibt es rund 140 Chemieanlagen, im Golf von Mexiko waren 1600 Ölplattformen verankert. Eine davon hängt jetzt halb zerstört im seichten Wasser vor Mobile (Alabama). Die Flutwelle von «Katrina» riss die haushohe Anlage aus der Verankerung und kilometerweit mit. Der Chemieverband ACC hat bei einem erstem Augenschein keine verheerenden Schäden entdeckt. «Nach bisherigen Informationen scheinen die Produktionsstätten unserer Mitglieder noch intakt zu sein», teilte der Verband mit. Wie Tanks und Leitungen den Sturm überstanden haben, ist aber nicht abzusehen. Die Zugangsstrassen liegen teilweise meterhoch unter Schutt, Gebäude sind so beschädigt, dass sich niemand bislang dort hineintraute.

Ölteppich nicht Sache des Staates

Der Ölteppich, der vor Venice südlich von New Orleans gesichtet wurde, dürfte aus zwei Tanklagern stammen, die tausende Barrel Öl enthalten. Für die Säuberung sind die Besitzer zuständig, sagt das Umweltamt von Louisiana. Als wichtigste Massnahme nach dem Desaster listet die Bundesbehörde EPA etwas anderes auf. Sie lockerte sofort die Reinheitsauflagen für Benzin und Diesel. Auch Sorten, die die Emissionswerte überschreiten, dürfen ausgeliefert werden, um Engpässe an Tankstellen zu vermeiden.

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