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Bündner Braunbär in den Süden abgewandert

Chur - Der im Sommer in Graubünden eingewanderte und zuletzt Ende September gesichtete Braunbär dürfte Richtung Süden abgewandert sein.

smw / Quelle: sda / Donnerstag, 10. November 2005 / 07:47 h

Zu diesem Schluss kommt der Bärenforscher und Biologe Hans U. Roth aus St. Gallen. Letztmals gesichtet wurde der zweijährige Bär im Unterengadin, wo es auf einer Alp bei Ramosch etwa zwei Dutzend Schafe tötete und den Zorn der Kleinviehhalter auf sich zog. Ein Teil der Schafe starb nicht durch Prankenhiebe, sondern stürzte über Felsbänder in den Tod. Für Roth kommt das Verschwinden des Jungbären nicht überraschend. Braunbären wechselten ihr Verhalten im Laufe der Jahreszeiten stark, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Vor dem Winterschlaf seien die Grossraubtiere nicht mehr auf die Proteine im Fleisch aus.



Der Bündner Bär ist wahrscheinlich in Italien auf Nahrungssuche. (Archivbild) /

Die Schafrisse im Unterengadin seien bereits relativ spät erfolgt, sagte Roth, der während Jahren Bären in Italien und Kroatien erforschte.

Jetzt braucht er Fett und Zucker

Um sich tüchtig zu mästen, bevorzugten Braunbären im Herbst Fett und Zucker. Nüsse und Früchte seien die bevorzugte Speisen, und die seien im Engadin nicht in ausreichender Menge vorhanden. Der Kanton Tessin wäre für den Bären im Herbst der bessere Aufenthaltsort. Roth vermutet deshalb, dass sich das aus dem italienischen Trentino zugewanderte Jungtier auf der Rückwanderung in den Süden befindet, wo es Nahrung für den Winterschlaf gibt. Roth schliesst zwar nicht aus, dass dem Bündner Bären etwas zugestossen und das Tier eingegangen sein könnte. Doch das sei Spekulation. In Italien hätten selbst mit Sendern ausgestattete Tiere zweitweise nicht mehr geortet werden können, weil sie sich tief in eine Höhle verkrochen hätten und die Signale verstummt seien.

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