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Debatte über Grass hält an

Hamburg - Der deutsche Schriftsteller Günter Grass hat die Reaktionen auf seine späte Enthüllung, als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, als persönlich verletzend kritisiert.

bert / Quelle: sda / Montag, 14. August 2006 / 18:42 h

«Sicher ist es auch der Versuch von einigen, mich zur Unperson zu machen», sagte der 78-jährige Literatur-Nobelpreisträger. «Deshalb bin ich dankbar, dass es differenzierende Gegenstimmen gibt. Ich kann nur hoffen, dass einige Kommentatoren jetzt mein Buch genau lesen.» Grass hatte in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» überraschend enthüllt, dass er als Jugendlicher 1945 ein paar Monate lang der Waffen-SS angehört habe. In seiner am 1. September erscheinenden Kindheits- und Jugend-Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» (Steidl Verlag) berichtet Grass erstmals über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Auf die Frage, warum er so lange geschwiegen habe, sagte Grass: «Erst, als ich mich entschlossen habe, über meine jungen Jahre zu schreiben, was mir als jungem Mann widerfahren ist, fand ich diese literarische Form.



Grass hatte in einem Interview überraschend enthüllt, dass er der Waffen-SS angehört habe. /

Sie ermöglichte es mir, endlich auch über die Mitgliedschaft in der Waffen-SS zu schreiben und zu sprechen.»

Verlag von Debatte überrascht

Der Steidl Verlag wies Vermutungen zurück, Grass habe mit dem Eingeständnis den Verkauf seiner Autobiografie anheizen wollen. Dass Grass dieses Thema ansprechen würde, sei zwar klar gewesen, sagte eine Verlagssprecherin. «Aber dass es diese Wendung kriegt, hat uns überrascht. Das war in keiner Weise von uns lanciert.» Die Enthüllung des Autors rief bei Politikern und Intellektuellen Entrüstung und Schweigen, aber auch Solidarität hervor. Der CDU-Kulturexperte Wolfgang Börnsen forderte in der «Bild»-Zeitung, Grass solle seinen Nobelpreis zurückgeben. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich in die Debatte um den Schriftsteller nicht einmischen. Der Bundesregierung stehe es nicht an, «jetzt öffentlich zu urteilen und den moralischen Stab zu brechen», hiess es.

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