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Wieder auf Feld Eins?

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von Patrik Etschmayer / Quelle: news.ch / Freitag, 1. September 2006 / 18:18 h

Die Frist ist abgelaufen, die Resolution könnte in Kraft treten und der Iran reichert sein Uran trotz aller Angebote und Drohungen des Westens an. Und irgendwie steht die UNO ziemlich blöde da. Denn Ahmadinedschad weiss genau, dass in nächster Zeit genau nichts passieren wird. Dazu sind die Europäer, Amerikaner, Russen und Chinesen zu uneinig in ihrer Einschätzung der Gefahr eines atomaren Iran. Für die Amerikaner ist der Iran das rote Tuch schlechthin und wenn es nach den Hardlinern in der US-Regierung ginge, würde man schon besser heute als erst morgen mit den Bombardierungen beginnen. In deren Augen ist nämlich mal wieder bewiesen, dass diplomatische Verhandlungen mit einem Regime wie dem im Teheran völlig sinnlos sind. Allerdings bindet die verfahrene Situation im Irak viele militärische Kräfte. Zudem könnte ein durch einen solchen Angriff in astronomische Höhen gepushter Ölpreis die US- und die Weltwirtschaft in ernsthafte Probleme stürzen. Die Europäer unterdessen sind enttäuscht. Nun haben sie es endlich geschafft, mit harter, akribischer Detailarbeit, eine geschlossene diplomatische Front gegen den Iran zu bilden, um diesen mit friedlichen Mitteln zur Raison zu bringen. Und was ist der Lohn für all die Mühe? Eine lange Nase aus Teheran. Die scharfen Töne aus Paris und Berlin sind da zwar verständlich, aber kaum eindrucksvoll. Denn dafür sehen China und Russland die iranische Gefahr viel zu entspannt. Natürlich wollen weder die Russen noch die Chinesen einen Iran mit der Bombe. Aber dieser Tag scheint für beide noch weit weg zu sein. Und vor allem für die Chinesen ist der Iran als Öllieferant viel zu nützlich, als dass sie ihn mit schnellen Boykotten oder gar militärischen Bedrohungen traktieren würden. Im Gegenteil, von dieser Seite ist nicht mehr als weiterer sanfter Druck und höchstens ein sanfter Schlag auf die Finger Ahmadinedschads zu erwarten. Gegen darüber hinaus gehende Massnahmen oder gar gewaltsame Aktionen würden die beiden vermutlich nicht nur nein sagen. Man muss sogar annehmen, dass China einiges machen würde, um seine Interessen am persischen Golf zu wahren. Die Mullahs wissen das natürlich. Der Libanon-Krieg hat soeben gezeigt, dass sie gegen Fernschläge aus der Luft auf ihre Anlagen vermutlich ziemlich gut gewappnet sind. Zu gut, um die Spielkarte abzugeben, mit der sie die ganze Welt in Atem halten. Doch welches Spiel will der Iran spielen? Die eine Theorie besagt, dass alles auf ein spirituell motiviertes Armageddon hinaus läuft – sollte dies der Fall sein, wären alle diplomatischen Bemühungen ohnehin überflüssig. Doch wenn die Iraner weltliche Absichten verfolgen, sieht alles ganz anders aus. Denn dort ist die Zielsetzung ganz klar: Bestimmende Macht in der Golfregion zu werden. De facto ist der Iran bereits jetzt die stärkste Nation in dieser Region. Sowohl finanziell durch die Öl- und Gasvorkommen, wie auch bevölkerungsmässig stark, leiden die Ambitionen der iranischen Führung an den diplomatischen Hindernissen, die ihnen von der ganzen Welt in den Weg gelegt werden, weil man dem Regime mit grossem Misstrauen gegenübersteht. Die Möglichkeit der Bombe hingegen verleiht den Mullahs ein mächtiges Pfand in den Verhandlungen mit dem Rest der Welt. Als Maximum wurden ihnen bisher wirtschaftliche Vorteile angeboten. Doch die Iraner wollen mehr. Sie sehen sich als Macht, die aus einer historischen Perspektive heraus bestimmend in dieser Gegend der Welt waren. Kombiniert mit dem momentanen religiösen Sendungsbewusstsein ergibt dies eine Anspruchshaltung, die mit der jetztigen Situation ganz und gar nicht befriedigt werden kann. Die Anerkennung, dass der Iran die neue bestimmende Macht am Golf wäre, könnte eventuell das Mullah-Regime zum Verzicht auf die nukleare Rüstung bewegen. Doch der Weg zu einer solchen Einigung könnte nur mit weitreichenden Garantien des Iran, der USA und sehr viel Pragmatismus erreicht werden. Die Europäer könnten genau dieses Element in die momentan so explosive Mischung einbringen. Denn ein Krieg würde keines der Probleme auf Dauer lösen. Der Irak ist dafür Beispiel genug.

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