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Google & Co.: Blutsauger der klassischen Printmedien?

Zürich/Wien - Das Suchmaschinen-Trio Google, Yahoo und Microsoft - kurz GYM - ist ein Blutsauger der klassischen Printmedienhäuser. Dieser Eindruck entsteht, wenn man den Schilderungen von Michael Hack, Manager für die Region Zentraleuropa des norwegischen Softwareunternehmens Fast, glaubt.

fest / Quelle: pte / Samstag, 12. Mai 2007 / 16:29 h

«Es ist eigentlich pervers, denn Google produziert nichts Eigenes, sondern profitiert von der Arbeit anderer und lebt davon mehr als gut», sagt Hack im Interview mit pressetext. Während Google exponentiell wachse, gingen die Umsätze vieler klassischer Medienhäuser weltweit zurück, unterstreicht Hack weiter das Ungleichgewicht am Online-Medienmarkt. Fast, das bis 2001 mit alltheweb.com selbst eine Internet-Suchmaschine betrieben hat, macht im Rahmen einer Marketingoffensive eine Tour durch Europa (Amsterdam, Zürich, Berlin), um neben anderen Produkten seine Softwarelösung Fastmedia über den norwegischen und US-Markt hinaus bekannt zu machen.

Mit eigenen Suchmaschinen unabhängig machen

Internationale Verlags- und Medienhäuser nutzen bereits Fast-Technologien, darunter der Financial Times Verlag, Hearst und Reed Elsevier. Das Vorzeigebeispiel ist jedoch der norwegische Verlag Schibsted, dessen Portal sesam.no Fasts Suchlösungen nutzt und sich damit von Google und seinem Werbeprogramm AdSense unabhängig gemacht hat. Die grossen Suchmaschinen hätten die Beziehung zwischen Medienhäusern und Werbekunden unterbrochen, unterstreicht Fast-Manager Perry Salomon. «Wir wollen den klassischen Medienhäusern helfen eine Antwort auf GYM zu geben, die immer mehr Marktanteile nehmen, den Grossteil der Onlineeinnahmen für sich beanspruchen und überdurchschnittlich wachsen», stellt Hack die Position Fasts dar. Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen den klassischen Printmedien und den Suchmaschinen ambivalent. «Einerseits profitieren die Onlineseiten der Zeitungen von Google, das den Verkehr auf deren Webseiten lenkt und zusätzliche Werbeeinnahmen einbringt», so Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), im pressetext-Gespräch. Auf der anderen Seite bediene sich Google der Inhalte ohne Autorisierung und ohne dies entsprechend zu honorieren, beklagt Pasquay.

Klage

Jüngstes Beispiel für das ambivalente Verhältnis, ist der Rechtsstreit zwischen belgischen Medien und Google. Der belgische Zeitungsverband Copiepresse wehrte sich dagegen, dass Google auf seiner News-Suche ohne Erlaubnis auf die entsprechenden Medien verlinkte. Vor wenigen Tagen einigten sich die beiden Parteien und Google darf wieder auf Artikel der belgischen Zeitungen verlinken. Eine Archivierung ist jedoch weiterhin nicht gestattet. Google bezeichnet sein Verhältnis zu den Zeitungen wenig überraschend als partnerschaftlich und Gewinn bringend für seine Medienpartner. «Mit unserem Partner-Programm AdSense verhelfen wir unseren Partnern zu Mehrumsätzen in Milliardenhöhe. Von unserem Gesamtumsatz 2006 in Höhe von rund 10 Mrd. Dollar sind 3,3 Mrd.



Internationale Verlags- und Medienhäuser nutzen bereits Technologien der Fast Suchmaschine. /

Dollar an unsere Partner, darunter Tausende von Seitenbetreibern und Verlegern, geflossen», hält Kay Oberbeck, Google Sprecher für Nordeuropa, den Behauptungen von Fast entgegen.

Missverhältnis

Vielmehr sieht Oberbeck ein eklatantes Missverhältnis zwischen der Internetnutzung und den Einnahmen aus Onlinewerbung. «Mediennutzer verbringen 20 Prozent ihrer Zeit im Internet. Bei der Verteilung der Werbegelder auf die Medien hat das Internet aber nur einen kleinen Anteil - in Österreich etwa nur 2,5 Prozent im Vergleich zu TV oder Print», betont Oberbeck. «Fast ist eine gute Suchtechnologie, hat aber auch ihren Preis», sagt ein Branchenkenner, der nicht genannt werden möchte, gegenüber pressetext. Schibsted sei ein positives Beispiel eines Medienhauses, das Google etwas entgegensetzt und dabei qualitativ mithalten kann. «Aber ansonsten kommt man um Google nicht herum». Ein Bereich, in dem sich Zeitungen und Suchmaschinen in die Quere kommen, sei der lokale Suchmarkt. «Regionale Zeitungen sind in diesem Bereich sehr stark. Entsprechende Online-Angebote werden hier geschaffen und treten zu den Suchmaschinen, die auch in diesen Bereich drängen, in Konkurrenz».

Kleine Verlage sollen Kräfte bündeln

Fasts Angebot kommt auf Grund des Preises wohl eher für grössere Verlagshäuser in Frage. Für kleinere Verlage ist es schwierig, ein eigenes Suchangebot zu schaffen, so wie es Schibsted mit sesam.no vorgezeigt hat. Hack rät kleineren Verlagen daher die Kräfte in diesem Bereich zu bündeln. Er betont, dass Fasts Lösungen sowohl lokal als national ausgerichtet sind. «Es stellt sich die Frage, wer denn eigentlich die Konkurrenz im Online-Business ist. Ein anderes Medienhaus, das eine andere Region abdeckt, oder Google? Eine weitere Frage ist, mit wem es mehr Sinn macht zu kooperieren», so Hack, der das ISA-Netz als Beispiel für eine solche Bündelung der Kräfte nennt, anstatt diesen Bereich Online-Marktplätzen wie Froogle zu überlassen. Das 2003 gegründete ISA-Netz ist ein Zusammenschluss der drei Verlage Holtzbrinck, Ippen Gruppe und der WAZ, um die Online-Aktivitäten besser zu bündeln. Das ISA-Netz betreibt unter anderem die Portale immowelt.de, stellenanzeigen.de, markt.de und trauer.de und nutzt seit kurzem auch Fast.

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