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Lebst du schon oder lernst du noch?

Sonnenschein, Wärme... alles könnte so schön sein. Doch während die Arbeitswelt sich gemütlich Richtung Sommerloch und Ferien schiebt, beginnt für die Studenten die schlimmste Zeit des Jahres - Der tägliche Kampf um die Poleposition in der Lernhierarchie. Anne Merholz hat eine kleine Zoologie von «Lern»-Typen in den Bibliotheken aufgestellt.

Von Anne Merholz / Mittwoch, 27. Juni 2007 / 20:49 h

Morgens um halb acht - grössere Menschentrauben mit bunten Aktenordnern bewegen sich Richtung Universität. Das besondere daran? Es ist Sonntag, ein Tag an dem man sonst sehr selten die Chance hat, die Spezies Student auch nur in der Nähe der Uni zu treffen. Die Prüfungen stehen vor der Tür und somit die Studenten vor den Bibliothekseingängen.

«Lern-Zoologie»

Wohl dem, der im Kampf um einen der raren Plätze seine «Reservierungstaktik» erfolgreich optimiert hat. Aber nur Stöpsel in die Ohren und die Nase tief in die Bücher zu stecken - das wäre doch zu schade. Ein ausgiebiger Seitenblick lohnt immer. Auch wenn man nicht Soziologie studiert, kann man spannende Beobachtungen anstellen. Denn egal wo man lernt, man trifft immer auf dieselben Typen von «Lernern».

Auch Bücher können leiden

Als erstes wäre da «der Finstere»: Er tritt mit forschem Schritt auf und wirft sehr düstere Blicke in die Runde. Bei ihm versammelt sich alles Lern-Leid der Welt. Am meisten zu spüren bekommen das aber die Seiten seines Skriptes oder Buches. Ja, man kann Mitleid mit Papierseiten haben, wenn sie so misshandelt werden.

Käffchen, Päuschen und «ach ja», Lernen

Als Gegenpol zum finsteren Gesellen ist «der Beliebte» in den stillen Hallen der Bibliotheken anzutreffen. Einfach zu erkennen ist er am gut trainierten Lauf zu den Türen mit dem Handy am Ohr. Wenn sein hippes Telefon mal nicht klingelt, warten sicher Heerscharen von Besuchern an seinem Platz um ihren «Star» auf einen Kaffee abzuholen. Pause mit ein wenig Lernen ist hier das Motto.



«Der Finstere» hat nur Augen für seine Bücher. /



In der Bibliothek gibt es nicht nur Bücher zu sehen... /



Ob schlecht gelaunt oder top-gestylt - in der Bibliothek trifft man jeden Lern-Typ. /



Ohne Pausen wäre das Lernen halb so schön. /



Das «Model» verpasst keine Gelegenheit für einen gelungenen Auftritt. /



Verliebte Pärchen können ganz schön nerven. /



«Der Sorglose» lässt sich mit dem Lernen Zeit. /

Ein bisschen neidisch könnte man bei soviel Ablenkung werden. Viel Zeit, um sehnsüchtig auf sein eigenes totes Handy zu starren bleibt jedoch nicht. Denn «das Model» betritt die Szene.

Voller Einsatz, die Frisur sitzt!

«Das Model» gibt dem Leben zwischen Lernen und Prüfungen einen neuen Sinn. Sämtliche Köpfe schnellen nach oben, nur um danach in einer abgewinkelten 90-Grad-Position zu verharren. Bewundernde Blicke der Männer, Neid bei den Frauen «Das Model» spaltet die Gemüter. Die Bibliothek ist ihr Laufsteg, Bruce Darnell hätte seine helle Freude an soviel Einsatz. Stets elegant lässig stolzierend, mit Sonnenbrille auf der Nase und im neusten Outfit soll jeder sehen: «Ja, ich habe mehr als 2 Stunden vor dem Spiegel verbracht, und Du?» Etwas schuldbewusst fährt man sich durch die Haare, nur um fast die Ankunft einer besonders nervigen Spezies zu verpassen: «Das Pärchen».

Lernen mit dem Liebling

Besteht «das Pärchen» eigentlich aus zwei Individuen, gibt es sie hier jedoch nur im Doppelpack. An den Händen verklebt, wird erstaunlich virtuos jeweils mit der freien Hand im Skript geblättert und geschrieben. Zu soviel Koordinationstalent kann man nur gratulieren. Ab und zu werden die Lernbemühungen dieser siamesischen Zwillinge durch Kuschelpausen ersetzt. Bei soviel kitschigem Glück steigt dem unbeteiligten Beobachter schon mal das ein oder andere Tränchen ins Auge.

Nur kein Stress

Der aufregende Lerntag neigt sich dem Ende, und es bleibt die Erkenntnis, dass man seine Nase mehr in das Leben der Mitlernenden als in seine Bücher gesteckt hat. Aufkommende Panik und Gewissensbisse werden schnell unterdrückt, man hat ja noch Zeit bis zu den Prüfungen. «Der Sorglose» hat bewiesen: Auch in der Bibliothek lernen wir fürs Leben.



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