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Cybermobber haben an Schulen ausgemobbt

Los Angeles/Berlin - Im US-Bundesstaat Kalifornien ist seit kurzem eine heftige öffentliche Debatte über das Problem des sogenannten «Cyberbullying» losgebrochen.

tri / Quelle: pte / Mittwoch, 13. August 2008 / 07:32 h

Unter dem auch als «Cybermobbing» bekannten Phänomen wird die Nutzung moderner Medien- und Informationstechnologien mit dem bewussten Ziel verstanden, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Mögliche Varianten sind beispielsweise die Blossstellung eines Opfers im Web, permanente Belästigung per SMS oder das Verbreiten falscher Behauptungen. Wie Cnet berichtet, hat ein Abgeordneter des kalifornischen Senats in Anbetracht der bedenklich ansteigenden Zahl von Cybermobbing-Fällen eine eigene Gesetzesvorlage vorgelegt, die vom Gremium bereits angenommen worden ist. Demnach sollen künftig vor allem für öffentliche Schulen strenge Regelungen zur Anwendung kommen. Solche Schüler, die nachweislich einer Cyberbullying-Attacke überführt werden konnten, könnten dann per Gesetz der Lehranstalt verwiesen werden.

8 Prozent betroffen Dass «Cyberbullying» nicht nur in den USA, sondern auch in Europa zunehmend zu einem Problem wird, bestätigen ähnliche Fälle in Grossbritannien. Aber auch in Deutschland geben aktuelle Untersuchungen Grund zur Sorge. So bestätigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass bereits acht Prozent der Lehrkräfte an deutschen Schulen schon einmal direkt von Internet-Mobbing betroffen waren. Knapp 31 Prozent der Befragten gaben an, von ähnlichen Fällen aus dem Kollegen- oder Bekanntenkreis gehört zu haben. Neben den Angriffen auf Lehrer, stellt die Untersuchung zudem fest, dass in etwa einem Drittel der Fälle sich auch Schüler untereinander mobben. Kein Opferprofil erkennbar «Ein Opferprofil ist nicht zu erkennen. Jede Altersstufe, Männer und Frauen und jede Schulform sind ähnlich stark betroffen», erklärt Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule.



Es werden klare Regeln und Präventionsmassnahmen gegen Cybermobbing gefordert. /

Das Täterprofil hingegen sei eindeutig. «Jungen und junge Männer greifen häufiger zu Handy und PC als Mädchen und junge Frauen, um andere Schüler oder Lehrkräfte unter Druck zu setzen oder sich zu rächen», schildert Demmer. In drei Viertel der untersuchten Fälle seien die Täter Schüler, jeweils fünf Prozent seien Vorgesetzte und Eltern und knapp drei Prozent Kollegen. «Wir brauchen ein Bündel an Präventionsmassnahmen und klare Regeln für ein gutes Schulklima, damit Mobbing keinen Nährboden hat. Lehrkräfte, Schüler und Eltern sollten gemeinsam einen Verhaltenskodex erarbeiten und vereinbaren», fordert Demmer. Schulverweise per Gesetz würden allerdings in der Regel nie Sinn ergeben, da dadurch das ursprüngliche Problem nur weiter verlagert werde.

Mädchen beging Suizid Angeheizt wird die aktuelle Diskussion in Kalifornien dabei auch von einem bereits im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Fall eines 13-jährigen Mädchens, das sich nach einem Cybermobbing-Angriff über das Online-Netzwerk MySpace erhängt hatte. Der Teenager war davon überzeugt, auf dem Portal eine neue Liebe gefunden zu haben. Als aber nach einem Monat ausgiebiger Internetkommunikation der vermeintliche Freund den Kontakt einfach mit der Begründung abbrach, dass das Mobbing-Opfer sich unfair gegenüber ihren Freunden verhalte, löste das tiefe Depressionen bei der 13-Jährigen aus. Einen Tag später fanden ihre Eltern das Mädchen tot auf. Wie sich nach genauerer Überprüfung herausstellte, existierte ihr vermeintlicher Online-Flirt gar nicht. Vielmehr hatten Mitglieder der Nachbarsfamilie das Web dazu missbraucht, um psychischen Druck auf das Opfer auszuüben.


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