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Wall Street Journal plant Micropayment-Modell

New York - Das Wall Street Journal (WSJ) wird noch in diesem Jahr damit beginnen, Gebühren für einen Teil des Angebots der eigenen Webseite einzuheben.

fest / Quelle: pte / Mittwoch, 13. Mai 2009 / 07:23 h

Wie Robert Thomson, Managing Editor der US-Finanztageszeitung, gegenüber der Financial Times erklärt, soll im Herbst 2009 ein «ausgeklügeltes Micropayment-System» eingeführt werden, das den Nutzern gegen einen kleinen Geldbetrag Zugang zu einzelnen Artikeln verschaffen soll. «Es steht noch nicht genau fest, wie diese Preise für einzelne Beiträge aussehen werden», erklärt Thomson. Ihre Höhe werde aber «angemessen und gerecht» sein.

Erste grössere Tageszeitung mit diesem Modell

Die aktuelle Ankündigung ist ein wichtiger Schritt für die angeschlagene US-Nachrichtenbranche. Setzt das Wall Street Journal seine Pläne in die Tat um, ist sie die erste grössere Tageszeitung in den Vereinigten Staaten, die auf ein derartiges Bezahlmodell für Online-Inhalte setzt. Hintergrund der aktuell bekannt gewordenen Pläne ist vor allem die dramatische wirtschaftliche Situation der US-amerikanischen Zeitungslandschaft. Nachdem die Kombination aus Finanzkrise und dem deutlich schwächelnden Werbegeschäft zahlreiche renommierte US-Nachrichtenmedien an den Rand des Ruins gebracht hat, hofft die Branche nun vor allem auf das zunehmend interessanter werdende Online-Geschäft, um das eigene Überleben zu sichern.

Unabhängighkeit von Werbeeinnahmen

Mit kostenpflichtigem Content will das WSJ dabei in erster Linie mehr Unabhängigkeit vom schwächelnden Werbegeschäft erlangen. «Für Zeitungen ist im Web bislang noch recht wenig Geld zu verdienen.



Schon jetzt sind die Inhalte vom Wall Street Journal im Internet fast komplett kostenpflichtig. /

Die Nutzer sind nicht bereit, Geld für Online-Inhalte zu bezahlen. Hinzu kommt das Problem, dass im Internet eingesetzte Werbeanzeigen den Unternehmen noch bei weitem nicht so viel Umsätze einbringen wie ihre Print-Pendants», gibt sich Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in dieser Hinsicht eher skeptisch. Der Anteil des Online-Bereichs in Deutschland habe 2007 gerade einmal 3,3 Prozent des gesamten Werbekuchens betragen. Das WSJ gehört zu den wenigen Zeitungstiteln der USA, die ihre Inhalte im Internet schon heute fast ausschliesslich kostenpflichtig verbreitet. Laut WSJ-Managing-Editor Thomson stelle das geplante Micropayment-Modell dabei eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Abonnement-System der Tageszeitung dar.

Für Gelegenheitsleser

«Die Micropayments sind vor allem für Gelegenheitsleser gedacht, die nicht bereit sind, mehr als 100 Dollar für ein Jahres-Abonnement auszugeben», erläutert der WSJ-Managing-Editor. Für Rupert Murdoch, Mehrheitseigentümer des Medienkonzerns News Corporation, der das Finanzblatt im August 2007 übernommen hat, ist Bezahl-Content der einzige Weg, um die Nachrichtenbranche aus der gegenwärtigen Misere zu lotsen. «Die Konsumenten werden Nachrichten in Zukunft nicht mehr kostenlos abrufen können», hatte Murdoch Anfang April auf der diesjährigen Cable Show in Washington D. C. erklärt.

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