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«Deutscher Filz» an Schweizer Universitäten?

In den letzten Wochen hat die SVP der Stadt Zürich eine Inserat-Kampagne gegen den «deutschen Filz» an Schweizer Hochschulen gestartet. Der Präsident der SVP Stadt Zürich, Roger Liebi, sowie ETH-Professor Michael Hampe, nehmen gegenüber news.ch Stellung.

tri / Quelle: news.ch / Freitag, 8. Januar 2010 / 12:03 h

Pro: Roger Liebi, Präsident SVP Stadt Zürich Es ist klar, dass die Personenfreizügigkeit die vermehrte Anstellung v.a. deutscher Professoren bzw. deren Landsleute für Assistenzjobs erleichtert - völlig legal.



Roger Liebi: Wir kritisieren nur systemische Sachverhalte. /



Michael Hampe: Soll der deutsche Professor seine Doktoranden und Habilitanden im Regen stehen lassen? /

Gerade an Unis braucht es aber ein differenziert internationales Personal, heisst also, dass wir wirklich das System kritisieren.
Wäre das gleiche unter Schweizern der Fall, würden also linke Professoren nur linke Assistenten einstellen so wäre dies genauso als Filz - ein anderer Begriff für Vetternwirtschaft - zu bezeichnen. Übrigens wäre dies eine genauso spannende Frage, die im gestrigen Communique der SVP Kanton Zürich anlässlich einer Nominierung in den Universitätsrat klar angesprochen wurde. Ich kann gerade als Schweizer mit deutscher Mutter nichts diskriminierendes oder gar rassistisches feststellen, wenn systemische Sachverhalte kritisiert werden.

Contra: Michael Hampe, Professor für Philosophie an der ETH Zürich

Was bedeutet Internationalisierung von Hochschulen? Es ist seitens der SVP behauptet worden, dass der hohe Anteil an Deutschen an Zürcher Universitäten keine Internationalisierung, sondern eine Germanisierung darstelle. Wenn Internationalisierung meine, dass man die Besten aus dem Ausland hole, könne man nicht an deutschen Hochschulen, die im internationalen Ranking schlechter als Zürcher Universitäten abschneiden, nach Personal fischen. Es entspricht der Unlogik der SVP, zu unterstellen, Einzelne, die aus schlecht gerankten Institutionen kommen, seien auch als Einzelne deshalb wissenschaftlich schlecht zu beurteilen, so als seien sie nichts als Vertreter ihrer Institutionen. Sofern neu berufene Akademiker bereits Professorinnen und Professoren in Deutschland sind, haben sie auch schon Mitarbeiter an ihren deutschen «Ursprungshochschulen» in Form von Doktoranden und Habilitanden. Wie soll eine Professorin oder ein Professor mit diesen Leuten verfahren, wenn sie oder er die Universität wechselt? Soll er sich höflich von seinen Doktoranden und Habilitanden verabschieden und sie im Regen stehen lassen? Oder soll er versuchen, sie an die neue Arbeitsstätte mitzunehmen, damit sie dort ihre Ausbildung abschliessen?

Daraus entsteht kein welscher Filz in Zürich, kein Schweizer Filz in Berlin, denn anders lassen sich begonnene Ausbildungs- und Forschungszusammenhänge gar nicht aufrechterhalten und zu Ende führen.


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