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Vater der jurassischen Kantonsverfassung tot

Bern - Der Schweizer Jurist Joseph Voyame ist am Sonntag im Alter von 87 Jahren gestorben. Er gilt als «Vater» der jurassischen Kantonsverfassung, war Direktor des Bundesamtes für Justiz und wirkte als Menschenrechtsexperte für die UNO und den Europarat.

tri / Quelle: sda / Montag, 8. Februar 2010 / 10:34 h

Die jurassische Regierung bestätigte eine entsprechende Meldung des Radio Fréquence Jura. Voyame sei nach längerer Krankheit verstorben. Er hatte eine bemerkenswerte nationale und internationale Karriere durchlaufen. Der am 3. Februar 1923 in Courfaivre (heute JU) geborene Voyame studierte Rechtswissenschaften in Bern und arbeitete als Gerichtsschreiber am bernischen Obergericht sowie am Bundesgericht.

1962 bis 1996 leitete er das Amt für geistiges Eigentum, danach war er fünf Jahre Vizedirektor der UNO-Organisation für geistiges Eigentum, 1973 bis 1988 Direktor des Bundesamtes für Justiz. Voyame trat stets für einen unabhängigen Kanton Jura ein.



Voyame gilt als «Vater» der jurassischen Kantonsverfassung. (Symbolbild) /

Mitte der siebziger Jahre arbeitete er die Verfassung des jungen Kantons aus - innerhalb von sechs Tagen, unter einem Baum seines Hauses in St-Brais in den Freibergen sitzend, wie er berichtete.

Mitglied der Bergier-Kommission

1994 bis 1999 amtete er als Vizepräsident in der Interjurassischen Versammlung. Unter Bundesrat Kurt Furgler arbeitete Voyame 1977 am ersten Entwurf der revidierten Bundesverfassung mit. 1990 beauftragte ihn Bundesrat Kaspar Villiger mit administrativen und disziplinarischen Untersuchungen der Fichen-Affäre im damaligen Militärdepartement. 1996 bis 2000 war er Mitglied der Bergier-Kommission, die das Verhalten der Schweiz gegenüber Nazi-Deutschland untersuchte.

Ausserdem hatte er Professuren an den Universitäten Bern und Lausanne sowie an der Verwaltungshochschule IDHEAP inne. Bei der UNO präsidierte Voyame 1987 bis 1993 das Komitee zur Überwachung der Anti-Folter Konvention. Als Mitglied der UNO-Menschenrechtskommission untersuchte er 1989 bis 1992 die Menschenrechtslage in Rumänien. Beim Europarat war er Vizepräsident der Kommission gegen Rassismus und Intoleranz. In dieser Eigenschaft untersuchte er Menschenrechtsfragen in Österreich.


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