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Alle wollen Prozesse managen

Basel - Für grosse Unternehmen gibt es keine Alternative zum geschäftsprozessorientierten Management (Business Process Management/BPM). Entsprechend wollen die Unternehmen in Zukunft ihre Prozesse definieren, optimieren und messen können, über eine prozessorientierte IT-Unterstützung und leistungsfähige Steuerungs- und Auswertungsmöglichkeiten verfügen.

bk / Quelle: KMU Magazin / Mittwoch, 24. Februar 2010 / 09:23 h

Jedoch steckt die Beschreibung der eigenen Abläufe – grundlegend für ein professionelles BPM – bei einem Grossteil der Unternehmen immer noch in den Kinderschuhen. Das zeigt der aktuelle BPM Trend Report 2010 von Ramco Systems, der in Zusammenarbeit mit der Hamburger Unternehmensberatung SoftSelect erstellt wurde. Befragt wurden dazu bis Ende 2009 insgesamt 100 Konzerne und grosse Mittelständler in der gesamten DACH-Region.

Grössere Lücken

Der Report zeigt auf, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit in Sachen BPM noch grössere Lücken klaffen. Bisher haben fast alle Befragten prinzipiell schon BPM-Grundlagen geschaffen, indem sie Prozessverantwortliche und Prozessteams bestimmt haben. Ursache war aber wohl öfters nur eine ISO-Zertifizierung im Rahmen des Qualitätsmanagements, denn etwa jedes fünfte Unternehmen hat seine Abläufe bisher nur einmal definiert und visualisiert. Zum professionellen BPM gehört aber die regelmässige automatisierte Gestaltung und notfalls Anpassung bzw. Änderung der Geschäftsprozesse, abhängig von der Gesetzes- oder Marktlage oder der eigenen Strategie. Das machen aber erst gut zwei Drittel der Unternehmen, die überhaupt Prozesse beschrieben haben.

Zukunft prozessorientiert

38 Prozent haben ihre Abläufe allerdings bisher noch gar nicht dargestellt. Damit befinden sich die meisten Umfrageteilnehmer hinsichtlich Management, Verfahren, Strategie und Prozessänderung noch auf den unteren der fünf Ebenen des Business Process Maturity Models, dem internationalen Standard zur BPM Reifegrad-Messung. Dennoch sehen die Unternehmen sich in Zukunft prozessorientiert. Langfristig wollen fast alle Befragten vor allem die Prozesseffizienz steigern (90%). Fast gleich oft wird jeweils gewünscht, Abläufe modellieren und optimieren sowie professionell steuern zu können. Im Zusammenhang mit Prozessoptimierung wird insbesondere das Projektmanagement als wichtigstes Werkzeug angesehen. Eher schlecht sind die Aussichten für Anbieter von Business Process Outsourcing in der DACH-Region: Nur für elf Prozent der Befragten kommt später auch ein Auslagern von Geschäftsprozessen in Frage.

ERP-Ablösung nicht auf der Tagesordnung

Übergreifend Prozesse gestalten wollen künftig gut drei Viertel der Unternehmen.



Übersicht schaffen: Der Bedarf nach ganzheitlichen BPM-Konzepten und integrierten Plattformen steigt weiter. / Foto: Shutterstock KMU-Magazin

Für ebenso viele ist eine konsequent prozessgeleitete Ausrichtung der gesamten IT ein wichtiges Fernziel. Das ERP-System abzulösen und auf moderner Basis grundlegend neu aufzubauen steht für den Grossteil der Befragten aktuell allerdings nicht auf der Tagesordnung: Nur acht Prozent der Befragten geben ihrem derzeitigen ERP-System insgesamt die Schulnoten «ausreichend» oder «mangelhaft». Weitere 16 Prozent bezeichnen ihr System als «befriedigend», so dass in Summe immerhin knapp ein Viertel aller Unternehmen Verbesserungsbedarf sehen.

Anpassungsfähigkeit

Ein grösserer Schwachpunkt ist offenbar die Anpassungsfähigkeit der Systeme, die von einem guten Drittel für nur zufriedenstellend bis suboptimal gehalten wird. Erst 41 Prozent der Teilnehmer verfügen bisher über Service-basierte Unternehmenssoftware. 60 Prozent nutzen Webdienste zur partiellen Überbrückung starrer IT-Systeme. Von künftigen Systemen erwarten die Unternehmen vor allem, dass sie die Prozesseffizienz verbessern (96%), deutlich weniger Wartungs- und Pflegekosten verursachen (94%), flexible Anpassungen erlauben (93%) und weitere Geschäftsanwendungen integrieren können (91%). Auch die Unterstützung von Web-Services, integrierte Prozessoptimierungswerkzeuge, Skalierbarkeit, Webzugriff auf die Anwendungen und Plattformunabhängigkeit finden etwa zwei Drittel zukunftswichtig.

BPM vor der Einführung

Konkret planen 40 Prozent der Befragten, in den nächsten Monaten ein BPM-Management einzuführen und in SOA zu investieren (36%). Auch in «Planung und Steuerung» wollen 42 Prozent der Befragten demnächst investieren. Für 50 Prozent ist allerdings «Business Intelligence» (BI) die wichtigste Baustelle, also die Etablierung bzw. der Ausbau von übergreifenden Analyse-, Auswertungs- und Reportingsystemen. Nahezu flächendeckend wird noch Excel genutzt, während professionelle Tools wie Crystal Reports oder Business Objects erst bei knapp der Hälfte im Einsatz sind.

BPM-Bedarf steigt weiter

Insgesamt betrachtet liessen sich die Bedarfe gut über integrierte BPM-Plattformen bzw. sogenannte BPM Suites (inklusive SOA-ERP) abdecken. Mit solchen Systemen können Prozesse integriert geplant, entworfen, geändert und über integrierte BI-Instrumente ausgewertet sowie mit SOA-Software unterlegt werden. Doch BPM-Komplettpakete sind aktuell erst bei 10 Prozent im Einsatz. Sie werden allerdings von immer mehr Herstellern angeboten und zunehmend auch von internationalen Analysten wie Gartner fokussiert. Lars Frutig, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb von Ramco Systems in der Schweiz, resümiert: «Der BPM Trend Report 2010 zeigt, dass der Bedarf nach ganzheitlichen BPM-Konzepten und integrierten Plattformen weiter steigt.»



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