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Zu wichtig für Billig-RhetorikJa, wir haben in diesem Winter hier alle gefroren. Und wie. In den Foren – auch in jenem von news.ch – gab es in der Folge recht heisse Köpfe. Der Klimawandel finde – dies sei nun ja wohl klar – nicht statt. Der Mensch könne das Klima nicht beeinflussen, es handle sich dabei um eine Verschwörung der Wissenschaftler, der Industrie und von weiss dem Henker wem.von Patrik Etschmayer / Quelle: news.ch / Mittwoch, 17. März 2010 / 11:10 h
Dies vor allem, nachdem beim sogenannten Climate-Gate-Skandal aus mehreren Megabyte von gestohlenen E-Mail-Daten einige Aussagen herausgepickt wurden, um die führenden im IPCC involvierten Klimaforscher zu diskreditieren. Dies gelang auch in den Augen der Öffentlichkeit, obwohl nach einer Überprüfung durch eine unabhängige Kommission festgestellt wurde, dass von den beschuldigten Forschern keine Daten verfälscht oder vorenthalten wurden.
Doch zum Teil schlampig redigierte Veröffentlichungen (z. B. Himalaya-Gletscher schmelzen bis 2035), in UNO-Berichten diskreditierten die ganze Klima-Wissenschaft und spalteten die Lager in Climate-Changers und Change-Deniers auf, wobei sich letztere gerne auch als Klima-Skeptiker bezeichnen.
Das momentan Gebotene ist ziemlich bedenklich, wobei vor allem die Climate-Gate-Sache zu tiefst verstörend ist: In privaten E-Mails unter Kollegen legt man die Worte nicht auf die Goldwaage und man geht nicht davon aus, dass diese von Kriminellen gestohlen und veröffentlicht werden (Datendiebstahl ist eine Straftat). Wer mit diesen Mails argumentiert (wie verschiedene Verleger und Journalisten), sollte also bitte auch seinen gesamten eigenen E-Mail-Verkehr öffentlich machen, oder künftig auf diese Zitate verzichten.
Bedenkt man, dass es sich womöglich um eines der wichtigsten Themen in der Geschichte der Menschheit handelt, die Sache aber auf dem Niveau einer Pausenhofkeilerei behandelt wird, könnte man Angst kriegen. Ist es überhaupt möglich, die Diskussion wieder auf ein sachliches Niveau zu bringen?
Judith Curry, die Leiterin der Georgia School of Earth and Atmospheric Sciences ist vermutlich eine gute Person, wenn es darum geht, etwas objektivierten Input zu bekommen. Weshalb? Sie ist sowohl bei denen, die den Klima-Wandel propagieren als auch bei den Skeptikern nicht sonderlich beliebt.
In einem kürzlich im amerikanischen Magazin «Discover» gegebenen Interview teilt sie denn auch entsprechend aus. Auf die Frage, ob denn die Politik der Wissenschaft im Weg steht, meinte sie sehr pointiert: «Nein. Es ist Schlamperei. Die statistischen Methoden in unserem Feld sind schlampig. Wir haben Trends, für die wir nicht einmal einen Konfidenzintervall geben können. Die IPCC folgerte, dass der grösste Teil der Erwärmung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr wahrscheinlich durch den Menschen verursacht gewesen sei. Soviel ich weiss, war diese Folgerung ein Verhandlungsresultat wobei zwischen «wahrscheinlich» und «sehr wahrscheinlich» entschieden wurde. Und was bedeutet «der grösste Teil»? Von welchem Prozentsatz reden wir? Mehr als 50%?»
Doch selbst sie kommt zum Schluss, dass es eine vom Menschen gemachte Klima-Erwärmung gibt und auf die Frage, ob es die Sache wert sei, selbst gegen eine kleine Chance einer Katastrophe etwas zu unternehmen, kennt sie nur eine Antwort: «Oh, absolut!»
Die Angstmacherei eines Al Gore und die Amplifikation der Panik durch die Medien, die vor allem die Worst-Case-Szenarien ausbreiteten, hat der ganzen Debatte geschadet. Aber genauso wie das geschmolzene Grönland des Ex-Vizepräsidenten ist auch die «Klima-Lüge» eine Lüge... oder zumindest eine Version der Wahrheit, die in der Realität keine Basis findet.
Leider sieht es momentan nicht danach aus, als würde die gegenwärtig verbreitete Billig-Rhetorik schon bald mit Sachlichkeit ersetzt.
Und was den kalten Winter angeht... eine gute Freundin des Autors in Seattle meinte, dass der dortige Winter seinen Namen nicht verdient habe – was durch die Statistik auch bewiesen wird: Es war in dieser US-Westküstenstadt der achtwärmste Winter der Geschichte. Und das eine warme Woche vor dem Ende der Messperiode.
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