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Irak: US-Truppen ziehen ab, doch die Gewalt wird nicht enden

US-Präsident Barack Obama konnte diese Woche im amerikanischen Krieg gegen den Irak einen Meilenstein verkünden.

Kolumne von Jonathan Mann / Quelle: CNN-News / Freitag, 3. September 2010 / 14:08 h

Dabei befand er sich allerdings als Oberbefehlshaber in der misslichen Lage, Bilanz aus einem Krieg ziehen zu müssen, den er abgelehnt hatte, dessen Strategie er kritisiert hatte, und der heute ein Ergebnis aufweist, welches er sich so wohl auch kaum gewünscht hatte. «Die amerikanische Kampfeinsatz geht zu Ende», erklärte er in einer Ansprache, die aus dem Oval Office, seinem Amtszimmer, übertragen wurde. «Das irakische Volk trägt jetzt die Hauptverantwortung für die Sicherheit seines Landes.»

Ein «dummer Krieg»

Vor siebeneinhalb Jahren ordnete George W. Bush den Einmarsch in den Irak an, um dort Massenvernichtungswaffen zu finden - ein Unterfangen, welches bekanntlich scheiterte. Obama, der damals ein kaum bekannter Senator des Bundesstaates Illinois war, bezeichnete ihn damals als einen «dummen Krieg».

Als der Krieg im Jahr 2007 scheinbar in eine Sackgasse geraten war, erhöhte Bush die US-Truppenstärke auf 166’000 Mann, was Obama damals ebenfalls kritisierte.

Heute wird die Truppenaufstockung von den meisten als der entscheidende Wendepunkt bezeichnet, der der Bush-Regierung die Gelegenheit bot, mit den Verantwortlichen im Irak übereinzukommen, dass die USA ihre Truppen 2011 abziehen würden. Die Ankündigung Obamas war diese Woche ein Schritt in jene Richtung, welche teilweise durch die Pläne seines Vorgängers möglich gemacht worden waren.

«Natürlich wird die Gewalt nicht mit unserer Kampfeinsatz enden», sagte Obama. «Nur die Iraker selbst können innerhalb der Grenzen ihres Landes eine Demokratie aufbauen. Was Amerika tun kann und tun wird, ist, das irakische Volk sowohl als Freund als auch als Partner zu unterstützen.»

Der Irak ist nach wie vor von den Wunden des Krieges gezeichnet

50’000 US-Soldaten bleiben demnach im Irak stationiert, um die irakischen Streitkräfte zu «beraten und zu unterstützen».



Nach dem Abzug der letzten amerikanischen Kampftruppen bleiben noch knapp 50'000 amerikanische Soldaten im Irak stationiert. /

Sie werden zwar nicht mehr selbst Krieg gegen die Aufständischen führen, aber doch oft in ihn involviert sein oder die Iraker dabei unterstützen. «Wir sind noch nicht am Ende», sagte David Frum, ein ehemaliger Berater von Bush. «Dieser Krieg nahm einen Lauf, den so keiner erwartet und gewollt hatte.» Mehr als 4400 Amerikaner kamen ums Leben und selbst vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass auch Zehntausende Iraker gestorben sind. Der Irak ist nach wie vor von den Wunden des Krieges gezeichnet, von der täglichen Gewalt durch Extremisten und der Unerfahrenheit, eine Demokratie aufzubauen. Sechs Monate nach der letzten Wahl ist immer noch keine neue Regierung im Amt. Die amerikanische Regierung hatte sicherlich gehofft, dass sich der Staat in einem anderen Zustand befindet, wenn man die Truppen schliesslich abzieht.

Aber die USA verlassen das Land ja noch gar nicht. Man verringert nur deutlich das Engagement, noch lange bevor man einen wirklichen Erfolg hätte vorweisen können.

Jonathan Mann - POLITICAL MANN
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «Political Mann» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.


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