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Rang 11 für Röthlin in London: «Bin mit der Zeit alles andere als glücklich»

Europameister Viktor Röthlin ist es beim Marathon in London nicht wunschgemäss gelaufen. Der 36-jährige Obwaldner belegte in 2:12:44 Stunden den 11. Rang.

fest / Quelle: Si / Sonntag, 17. April 2011 / 14:28 h

Röthlins Optimismus vor dem Rennen war gross gewesen. Er fühlte sich in Form, die Werte stimmten. Deshalb setzte er sich in seinem 21. Marathon eine persönliche Top-3-Zeit zum Ziel, also eine Zeit unter 2:09:56. Daraus wurde nichts: Er musste sich mit seiner zwölftbesten Leistung über 42,195 km begnügen. Als Folge davon wurde sein Startgeld, das 125 000 Dollar betragen haben soll, um die Hälfte gekürzt. Um den kompletten Betrag zu erhalten, hätte er 2:11:00 laufen müssen. «Ich bin mit der Zeit alles andere als glücklich und nicht stolz darauf», sagte Röthlin. Aber es sei kein Weltuntergang. Die Zeit sei erklärbar. Bei Kilometer 20 fühlte sich der Olympia-Sechste von 2008 noch «sehr gut». Die Durchgangszeit bei Rennhälfte war mit 1:03:50 nur um elf Sekunden langsamer als bei seinem 2008 in Tokio erzielten Schweizer Rekord von 2:07:23 - die ersten zehn Kilometer hatte er sogar schneller wie in Japan zurückgelegt. Doch geplant war eine Durchgangszeit von 1:03:15 bis 1:03:30. Gemäss Röthlin habe Pacemaker Stanley Biwott deshalb wohl um sein Geld gefürchtet und brutal angefangen zu drücken, worauf der Läufer des STV Alpnach «sicher 500 m zu lange» versuchte mitzulaufen. Danach habe es ihn «vertätscht», erklärte Röthlin. «Das einzig Positive war, dass ich ins Ziel gekommen bin». Es sei eine reine Kopfsache gewesen, erklärte der Schweizer. Aufgeben war für ihn keine Option.

Die 5-km-Abschnittszeiten zeigen deutlich auf, wie stark Röthlin eingebrochen ist. Die letzten drei betrugen 16:11 Minuten, 16:43 und 16:37; zuvor war er 14:44, 15:05, 15:15, 15:22 und 15:33 gelaufen. Auf den letzten gut 17 km war Röthlin um 36 Sekunden langsamer als Mary Keitany, die kenianische Siegerin bei den Frauen. Immerhin habe er sich für die Olympischen Spiele 2012 (Limite: 2:14:00) qualifiziert. Damit habe er ein Problem weniger, erklärte der WM-Dritte von 2007 ironisch. Das Highlight des nächsten Jahres findet ebenfalls in London statt, allerdings auf einer anderen Strecke.

Dopingkontrolle zur unpassenden Zeit

Röthlin ist allerdings zu Gute zu halten, dass er nicht mit optimalen Voraussetzungen in den Wettkampf gestartet war. Denn am Vorabend erschienen um kurz nach 21 Uhr Kontrolleure von Antidoping Schweiz. Röthlin musste sowohl eine Urin- als auch eine Blutprobe abgeben. Das ganze Prozedere war eine Tortur und dauerte bis um 23 Uhr. «Es ging 25 Minuten bis sie (die Kontrolleurin) zwei Ampullen gefüllt hatte, und dann versuchte sie noch bei der anderen Vene, die anderen zwei Ampullen zu füllen», sagte Röthlin. Er habe schon viele Blutkontrollen in seinem Leben gehabt, aber noch keine wie diese. Wenn es schon sein müsse, dann sollten sie ihm wenigstens jemanden bringen, der das könne.

Kein Verständnis hatte Röthlin für den Zeitpunkt: Er habe keine Probleme mit Dopingkontrollen, aber er könne es nicht verstehen, dass sie so spät gekommen seien, denn man habe gewusst, dass er um fünf Uhr aufstehe. «Ich finde das nicht fair. Sie hätten den ganzen Tag kommen können.» Wie gross der Einfluss war, den diese Kontrolle auf seine Leistung im Rennen hatte, sei, sehr, sehr schwierig zu sagen. «Es war sicher ein Eingriff in meine unmittelbare Wettkampfvorbereitung. Und ich hatte vom Start an das Gefühl, dass meine Unterarme prall sind.»

«Emotional starker Eingriff»

Die Kontrolle wurde gemäss Matthias Kamber, dem Direktor von Antidoping Schweiz, gezielt auf diesen Zeitpunkt angesetzt. Sie seien in einem Zwiespalt zwischen möglichst effizienter Kontrolle und den Athleten möglichst nicht in seiner Leistung zu beeinträchtigen, so Kamber. Peter Haas, der Leistungssportchef von Swiss Athletics, sprach von einem «emotional starken Eingriff.» Es sei nicht unproblematisch, zu einem solchen Zeitpunkt Blut geben zu müssen. Haas war noch am Samstagabend über das Ganze ins Bild gesetzt worden.

Den Sieg in London sicherte sich bei den Männern der Kenianer Emmanuel Mutai (2:04:40) vor seinen zeitgleichen Landsleuten Martin Lel und Patrick Makau (je 2:05:45). Schneller als Mutai waren im Marathon erst der Äthiopier Haile Gebrselassie (2:03:59) sowie die Kenianer Duncan Kibet Kirong und James Kipsang Kwambai (je 2:04:27) gewesen - in London noch keiner. Diese Zeit ist umso erstaunlicher, als Röthlin sein Urteil inzwischen revidiert hat, dass die Strecke in der britischen Hauptstadt schnell sei. «Sie ist kurvig und wellig.»

Besser zurecht als Röthlin kamen im Rollstuhl-Rennen die Schweizer Heinz Frei und Sandra Graf. Sie belegten die Ränge 2 und 3.

 

 

 


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