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Das Schlussbouquet von Federer

Roger Federer gewann zum fünften Mal die Swiss Indoors in Basel. Im Final setzte sich der Einheimische problemlos gegen den überraschenden Japaner Kei Nishikori (ATP 32) 6:1, 6:3 durch.

fest / Quelle: Si / Sonntag, 6. November 2011 / 16:59 h

Nach der 71-minütigen Demonstration auf dem Center Court der St. Jakobshalle flossen die Tränen bei Federer. Es sei halt immer noch sehr speziell, daheim zu gewinnen. Der Baselbieter lieferte vor eigenem Anhang das Schlussbouquet der Woche ab. Einzig mit Spannung konnte er dem Publikum nicht dienen. Diese kam am Sonntag bei seinem 98. Final auf der ATP-Tour nie auf.

Dabei hatte für Nishikori das Endspiel gut begonnen. Nach wenigen Sekunden führte er bei eigenem Aufschlag 40:0. Etwas später kassierte er aber schon das erste Break und die Partie nahm ihren einseitigen Verlauf. Während dem 21-jährigen Asiaten die Anspannung anzumerken war, spielte Federer gross auf. Der 16-fache Grand-Slam-Sieger variierte stark, machte Punkte mit allen möglichen Schlägen und verhindert so, dass sich der Gegner bei seinem bislang grössten Auftritt auf der Tennisbühne zu irgendeinem Zeitpunkt zurechtfand.

"Keine Zeit zum Denken"

"Ich war ein bisschen nervös", gestand der Weltranglisten-32., desse Aufschlag überhaupt nicht wie erwünscht funktionierte. "Hier im Final zu stehen und dann noch gegen Federer, war schon sehr speziell. Es war ein Traum, der für mich in Erfüllung ging, obwohl ich mit meiner Leistung unzufrieden bin." Er habe keine taktische Lösung gefunden, nie das Gefühl gehabt, er könne gewinnen. "Federer gab mir keine Zeit zum Denken."

Bis zum letzten Game der Partie, als Nishikori sich noch eine Breakmöglichkeit erspielte, hatte Federer bei eigenem Aufschlag lediglich drei Punkte abgegeben. Der 68. Titel seiner Karriere, der erste seit Doha im Januar war nie in Gefahr. Den über 9000 Zuschauern war es nur recht, obwohl sie mit 16 ausgespielten Games den einseitigsten Final der Geschichte der Swiss Indoors erlebten. Nishikori war an diesem Tag schlichtwegs nicht gut genug, um Federer erntshaft zu fordern.

Djokovic' Schulter, Wawrinkas Frust

Nishikori hatte am Samstag sein Bravourstück in Basel vollbracht, als er den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic mit 2:6, 7:6 (7:4), 6:0 abfertigte.



Roger Federer glücklich mit Pokal. / Foto: EQ Images

Für den mit Schulterproblemen kämpfenden Serben war es erste die vierte Niederlage in dieser Saison und erst die zweite, die nicht nach verletzungesbedingter Aufgabe erfolgte, nach derjenigen gegen Federer im Halbfinal der French Open.

Federer musste auf dem Weg zum Turniersieg keinen Top-10-Spieler schlagen. Im Halbfinal setzte er sich im Schweizer Duell gegen Stanislas Wawrinka 7:6 (7:5), 6:2 durch. Zum zehnten Mal in elf Begegnungen triumphierte damit der 16-fache Grand-Slam-Sieger gegen seinen Landsmann und Olympiapartner von 2008. Die Frustration bei Wawrinka war zumindest zwischenzeitlich gross: Zu Beginn des zweiten Satzes zerschmetterte er sein Racket. Insgesamt kann der Waadtländer aber mit seiner Rückkehr nach Basel nach der letztjährigen Absenz zufrieden sein.

Ausserordentliche Bilanz in Basel

Nicht nur für Wawrinka führt in Basel kein Weg an Federer vorbei. Der Weltranglisten-Vierte stand zum achten Mal in Final, bei keinem anderen Turnier stand er öfters im Endspiel. Seine Bilanz auf heimischem Boden ist ausserordentlich. Bei seinen letzten sechs Teilnahmen holte er fünfmal den Titel und gewann 29 seiner 30 Partien. Einzig im Final von 2009 musste er sich Djokovic geschlagen geben. Daran, dass er in der St. Jakobshalle auch schon bittere Niederlagen bezogen hatte, erinnerte ihn Tim Henman. Der Brite, der ihn 1999 im Viertelfinal und 2001 im Final geschlagen hatte, schrieb ihm via SMS: "Gratuliere, aber vergiss nicht, dass ich weiterhin der Einzige bin, der dich in Basel zweimal schlagen konnte."

Federer erzählte die Anekdote zwei Stunden nach dem Finalsieg mit einem breiten Lachen im Gesicht. Der erste Turniersieg nach zehnmonatiger Durststrecke könnte für den Schweizer der Startschuss zu einem starken Abschluss einer eher enttäuschenden Saison sein. Er ist von den vier Topspielern, derjenige, der physisch am besten drauf ist. Djokovic, Rafael Nadal und Andy Murray schlagen sich mit Blessuren herum. Nächste Woche startet Federer in Paris-Bercy, wo er im Jahr zuvor nach fünf vergebenen Matchbällen im Halbfinal gescheitert war. Nach einwöchiger Ruhepause folgt dann der ATP-Final in London, den er zuletzt gewann. "Basel war der Beginn zum Schlusseffort in dieser Saison. Ich bin fit und hungrig", freute sich Federer bereits gestern Abend auf die kommenden Aufgaben.  


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