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Zeitungen lagern Regionalberichterstattung aus

Wien - Auf der Suche nach immer neuen Wegen die Kosten senken und Inserate akquirieren zu können, lagern in den USA viele Medienunternehmen die Lokalberichterstattung aus. Die Arbeit wird an externe Gesellschaften vergeben, die billigere Arbeitskräfte beschäftigen können, oder ganz ins Ausland verlagert, wie gigaom.com berichtet.

knob / Quelle: pte / Mittwoch, 11. Juli 2012 / 10:06 h

Das Start-up Journatic aus Chicago produziert für US-Zeitungen Lokalberichterstattung auf den Philippinen und in anderen Billiglohnländern. In Deutschland ist eine Zentralisierung der Lokalberichterstattung nicht zu beobachten, die Auslagerung der Berichterstattung an externe Gesellschaften, die niedrigere Löhne zahlen, ist aber ein allgemeines Problem.

Tod für Regionalzeitungen

Journatic bietet Zeitungsverlagen an, die Regional- und Lokalberichterstattung zu übernehmen. Das Unternehmen beschäftigt dazu Freelancer in Billiglohnländern und einige Content-Manager in den USA. Die Angestellten sammeln sich die Nachrichten via Internet zusammen, eventuelle Interviews werden per E-Mail oder Telefon geführt. So ersparen sich die Medienhäuser die höheren Gehälter für ortsansässige Journalisten und erhalten gleichzeitig Zugang zu lokalen Anzeigenmärkten. Für die Regionalzeitungen und Lokalteile grösserer Publikationen in den USA, die eigene Redakteure beschäftigen, ist die Billig-Konkurrenz wohl der Anfang vom Ende. Einige Zeitungen versuchen das Modell von Journatic im eigenen Haus zu kopieren. Die Nachrichtenagentur Reuters betreibt schon seit Jahren ein Büro in Bangalore, in dem 1600 Journalisten beschäftigt sind. Ein Teil der Berichterstattung über den US-Finanzmarkt entsteht in Indien. «In Deutschland ist keine Zentralisierung der Regionalberichterstattung zu beobachten», sagt Erik Staschöfsky, Redakteur beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. Das liegt auch an der anders strukturierten Medienlandschaft. «Eine Auslagerung der Regionalberichterstattung in andere Länder ist in Deutschland undenkbar. Der Zeitungsmarkt hierzulande ist nicht mit den USA vergleichbar. In Deutschland gibt es 1509 Lokalausgaben, Regionaljournalismus ist hier ein USP.



Der Zeitungsmarkt in Deutschland ist nicht mit dem in der USA vergleichbar. /

In den USA spielt die regionale Berichterstattung eine eher untergeordnete Rolle. Guter Lokaljournalismus muss aus der Region kommen und braucht die Verankerung in der lokalen Gemeinschaft. Via Telefon und Internet ist das so nicht zu erreichen», so Staschöfsky.

Kostenersparnis im Fokus

Einzelne Tageszeitungsverlage lagern redaktionelle Tätigkeiten aber auch in Deutschland an externe Gesellschaften aus, um Kosten zu sparen. Das Problem betrifft allerdings nicht nur die Regionalberichterstattung. «Es gibt Unternehmen, die Redakteure in outgesourcte GmbHs überführen. Dort sind die Gehälter niedriger, es werden meist junge Journlalisten und Volontäre beschäftigt, die noch keine Erfahrungen mit Kollektivverträgen gesammelt haben», sagt Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband. Die Kostenersparnis für die Verlage liege bei rund zehn bis 20 Prozent. In der deutschen Regionalberichterstattung sind ausgelagerte Gesellschaften aber nicht häufiger als etwa im Sport oder in der Politik. «Die Lokalberichterstattung wird bei den Zeitungen sehr unterschiedlich organisiert. Meist sind die Lokalredaktionen Abteilungen des Mutterhauses, nur selten wurden eigenständige Gesellschaften gegründet. Und eine solche Auslagerung muss nicht zwingend mit einer Kostenersparnis einhergehen», sagt Staschöfsky. Eine Verschlechterung der Situation durch wirtschaftlichen Druck auf die Verlage ist momentan nicht zu erwarten. «Die deutschen Zeitungen sind wirtschaftlich deutlich besser aufgestellt als die amerikanischen. Auch wenn es gelegentlich zu einer Zusammenlegung von einzelnen Lokalredaktionen kommt, so kann hierzulande auf keinen Fall von einem Rückzug aus der Lokalberichterstattung gesprochen werden. Denn die Redaktionen und ihre Mitarbeiter sind nachwievor fester Bestandteil des lokalen Lebens», erklärt Staschöfsky.

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