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Federers Ausrufezeichen vor dem US Open

Roger Federer hat sich für das US Open (ab 27. August) in die klare Favoritenrolle gebracht. Der Baselbieter festigte durch das 6:0, 7:6 (9:7) gegen Novak Djokovic auch die Führung in der Weltrangliste.

fest / Quelle: Si / Sonntag, 19. August 2012 / 21:25 h

Die Rechnung ist relativ einfach: Wenn man im ganzen Turnierverlauf sein Aufschlagsspiel nie abgeben muss, gewinnt man das Turnier, ausser, man verliert in der gleichen Partie zwei Tiebreaks. Federer behielt während der fünf Partien von Cincinnati in 47 Servicegames (bei nur drei Breakbällen gegen sich) eine makellose Weste und weil er auch die finale Kurzentscheidung gewann, holte er sich den dritten Titel ohne Aufschlagverlust. Früher war ihm dies schon bei den kleineren Turnieren von Doha (2005) und Halle (2008) gelungen.

Beinahe hätte er sich aber seinen insgesamt 76. Turniersieg in einem Entscheidungssatz erkämpfen müssen. Im Tiebreak kam Djokovic nach anfänglichem 0:3-Rückstand plötzlich zu zwei Chancen, die er mit dem Selbstvertrauen des letzten Jahres nie vergeben hätte. Das Minibreak zum 4:3 gab er mit einem enorm unerzwungenen Vorhandfehler im Gegenzug wieder preis und beim Satzball bei 7:6 konnte er je einen machbaren Passierball und Lob nicht zum Satzgleichstand verwerten. Zwei Punkte später konnte Federer seinen insgesamt 21. Masters-1000-Titel bejubeln, womit er zu Rekordhalter Rafael Nadal aufgeschlossen hat.

Die Partie hatte viel Brisanz versprochen, standen sich doch die Nummern 1 und 2 gegenüber, welche im Turnierverlauf zudem beide noch nie gebreakt worden waren. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt, was aber nicht an Federer lag. Der Baselbieter trat von Beginn an hoch konzentriert und stark auf und gewann zum Beispiel sein zweites Servicegame in nur 61 Sekunden (3 Asse, 1 Servicewinner). Umgekehrt fragten sich aber einige Zuschauer, ob Djokovic wohl Valium geschluckt habe, derart uninspiriert trat er auf. Logische Folge war das Teilresultat von 6:0, der erste "Bagel" im 28. Vergleich der beiden derzeit besten Spieler der Welt. Für Djokovic war es die zweite Höchststrafe im 49.



Roger Federer. /

Endspiel (nach 2007 in Estoril gegen Richard Gasquet).

Federer baute mit seinem fünften Titel in Cincinnati - er ist nun alleiniger Rekordhalter vor Mats Wilander - seinen Vorsprung in der Weltrangliste massiv aus (von 75 Punkten vor Wochenfrist bis 895 heute Montag). Zudem kann er, was die Klassierung angeht, beruhigt nach New York reisen. Seit dem gestrigen Erfolg steht fest, dass Federer, der heute in seine 292. Woche als Nummer 1 steigt, das Ranking auch nach dem US Open noch anführen wird. Das ist aber nur ein angenehmes Nebenprodukt der derzeitigen Form: Nach seinem neunten Titel seit Oktober 2011 ist Federer ohnehin klarer Favorit für das letzte Grand-Slam-Rendezvous des Jahres. "Ich freue mich sehr auf New York, aber jetzt will ich erst einmal diesen Titel geniessen", so Federer bei der Siegerehrung.

11:1 gegen Wawrinka

Federer hat in knapp 36 Stunden drei Partien erfolgreich hinter sich gebracht. Dem 6:3, 7:6 in der "night session" am Freitag liess er am Samstag ein 7:6, 6:3 gegen Stanislas Wawrinka folgen, was ihm auch die Nummer 1 bis zum US Open garantierte. Der elfte Sieg im zwölften Vergleich mit seinem Kumpel wurde Federer dabei nicht einfach gemacht, auch, weil er nicht am absoluten Limit spielte, vor allem weniger gut als gewohnt servierte. Da Wawrinka seinerseits sehr aggressiv spielte und Federer vor dem Tiebreak fünf Satzbälle ungenutzt liess, kam es zur Kurzentscheidung. Dort blieb die Hierarchie gewahrt und Federer gewann auch das fünfte Tiebreak.

Obwohl Wawrinka zumindest am Teilerfolg schnupperte, konnte er den letzten Schritt wie so oft gegen einen absoluten Topcrack nicht machen. Im zweiten Satz war die Partie nach dem Break Federers im siebten Game gelaufen. Gerade gegen Federer tut sich der Romand nach wie vor enorm schwer und hat nun 21 der letzten 22 Sätze verloren. Partien gegen aktuelle Nummern 1 sind für Wawrinka bisher wie verhext - seine Satzbilanz lautet 0:21.

Trotz der Niederlage gegen Federer darf Wawrinka mit dem Turnier zufrieden sein. Angereist ohne grosses Selbstvertrauen nach enttäuschenden letzten zwei Monaten, fand er im Bundesstaat Ohio zu alter Stärke zurück und bewies nach vorherigem Sieg gegen David Ferrer gerade im Viertelfinal gegen Milos Raonic "Stehaufmännchen-Qualitäten". Dank der gewonnenen 360 Punkte könnte Wawrinka erstmals seit der ersten Kalenderwoche des Jahres unter die Top 20 zurückkehren.

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