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Das «rote Wunder»

Die Formel 1 erlebt derzeit ihr «rotes Wunder». Fernando Alonsos Spitzenposition in der WM-Gesamtwertung mit dem Ferrari ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

bg / Quelle: Si / Freitag, 5. Oktober 2012 / 11:10 h

Alonso wundert sich über sich selber. 29 Punkte Vorsprung weist er als Leader auf seinen ersten Verfolger, Titelverteidiger Sebastian Vettel, auf - obwohl der Ferrari im Vergleich zu den Autos von Red Bull oder McLaren nach wie vor Defizite aufweist. «Die WM-Führung ist für mich ein Rätsel. Den Ferrari können wir nicht mit den Autos der direkten Konkurrenz vergleichen.» Ganz so dramatisch ist die Situation für Alonso in Sachen Leistungsfähigkeit selbstredend nicht mehr. Sie ist auf jeden Fall markant besser als im ersten Drittel der Saison. In jener Phase hat der Spanier bei den Rundenzeiten mitunter um bis zu anderthalb Sekunden hinter den Besten zurückgelegen. Als «unfahrbar» und «nicht konkurrenzfähig» hatte Alonso den F2012 nach den ersten Ausfahrten im Vorfeld der Saison eingestuft - und damit in die vernichtende Kritik eingestimmt, die zu Beginn des Jahres von allen erdenklichen Seiten über der Scuderia niedergegangen war.

Wende in Europa

Der Sieg im zweiten Grand Prix des Jahres in Malaysia war als Produkt der besonderen Umstände abgetan worden; das Rennen in Sepang hatte zwischenzeitlich wegen heftiger Regenfälle unterbrochen werden müssen. Die Ränge 9 bezeihungsweise 7 bei den folgenden Auftritten in China und Bahrain schienen schon eher dem Leistungsvermögen des aktuellen Ferrari-Modells zu entsprechen. Doch mit dem Einzug der Formel 1 in Europa sollte alles anders kommen. Alonso vermochte das zeitliche Minus auf fast wundersame Weise zu reduzieren.



Fernando Alonso ist obenauf. /

Fortan mischte er auch im Kampf um die besten Startplätze mit wenigen Ausnahmen wieder vorne mit. In Maranello hatten sie offenbar die richtigen Schlüsse gezogen, um das Auto doch noch auf Kurs zu bringen. Eitel Sonnenschein herrscht zwar nach wie vor nicht, doch die ganz grossen, schwarzen Wolken über den «Roten» haben sich längst verzogen.

«Der beste Fernando Alonso»

Alonso lobt nicht nur die Arbeit im Werk, sondern auch an der Strecke in den höchsten Tönen. «Betreffend Setup und Strategie haben wir bisher immer das Maximum herausgeholt.» Dass er selber grossen Anteil an der Wende zum Guten hat, stellt der Spanier in den Hintergrund. «Als Fahrer verbessert man sich jedes Jahr und lernt aus Fehlern.» Gravierende Misstritte sind Alonso in den bisherigen 14 Grands Prix in diesem Jahr keine unterlaufen. Seine immense Erfahrung kommt ihm dabei zupass. Alonso hat die Mischung aus Aggressivät und taktisch geprägter Zurückhaltung perfekt ins Lot gebracht. Die Meinung vieler Experten, die Formel 1 erlebe in diesem Jahr den «besten Fernando Alonso aller Zeiten», hat durchaus seine Berechtigung. Zu den Höchstleistungen von Team und Fahrer fügt sich die Konstanz des Autos als letztes Teil nahtlos ins Erfolgspuzzle ein. Der F2012 hat Alonso im bisherigen Saisonverlauf noch nie im Stich gelassen. So lässt sich selbst mangelhafter Speed kompensieren - und vom WM-Titel träumen.

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