| Dienstag, 2. August 2011 02:22 Uhr |
| Devisenmarktinterventionen der SNB |
| mezzoprezzo aus Villars-le-Grand (1 Kommentar seit Di, 02.08.2011) |
| Offener Brief an Nick Hayek
Ich schätze Sie persönlich sehr doch ihre Forderung nach Devisenmarktinterventionen zur Abschwächung des CHF ist ebenso fantasie- und wirkungslos wie die Vorschläge :länger arbeiten, Verbot der Spekulation im CHF etc.. Sondersituationen verlangen nach Sondermassnahmen und diese heisst: Abschaffung der vollen Konvertibilität und möglichst rasche Einführung der Teilkonvertibilität des CHF. Im Klartext:Einstweilige Aufteilung unserer nationalen Währung in einen Handelsfranken und einen Finanzfranken. Der Finanzfranken ist weiterhin gegen alle Währungen frei umtauschbar (konvertierbar). Die Bildung seines Wechselkurs wird wie bisher den Marktkräften ohne Einschränkung überlassen. Der Wechselkurs des Handelsfranken gegenüber zB dem EUR und dem USD wird hingegen von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fixiert (zum Beispiel EUR /CHF 1.40, USD/CHF 1.--)
Der Bundesrat bestimmt, welche Sektoren der Wirtschaft dem geschützen Bereich des Handelsfrankens unterstellt werden( zum Beispiel sämtliche Importe und Exporte, Tourismus, Liste ist nicht abschliessend) Zahlungen und Vergütungen zu den fixierten Kursen erfolgen über die eingespielten Bankkanäle der Im- und Exporte, allerdings unter Kontrolle der Zoll- -resp. Exportdokumente und im Tourismus anhand der erfolgten Buchungen.
Auf diese Weise wäre es möglich, der Exportindustrie und der Inland-Touristikbranche die Arbeitsplätze zu erhalten, da sie mit Umrechnungskursen von EUR/CHF 1.40 resp USD/CHF 1.-- weiterhin gegenüber dem Ausland konkurrenzfähig bleiben.
Die Importindustrie würde gezwungen, ihre Importe zu den erwähnten fixierten Wechselkursen abzuwickeln, was zur Erhöhung der Benzin- und Heizölpreise und einer zunehmenden Teuerung führen würde, jedoch keinen negativen Einflüsse auf deren Arbeitsplätze hätte.
Da die Schweiz aus der Eurozone währungsmässig mehr importiert als exportiert, müsste die SNB aus ihren Währungsreserven den Banken per Saldo EUR zum Wechselkurs von 1.40 verkaufen. Dies hätte zur Folge, dass sie die heute wesentlich tiefer bilanzierten EUR-Währungsreserven wieder mit erheblichem Gewinn verkaufen könnte und so die Milliardenbuchverluste aus den Devisenmarktinterventionen wenigstens zum Teil wieder wettmachen würde.
Eine weitere positive Folge wäre die Abnahme der übermässigen Geldmenge (drohendes Inflationspotenzial) durch den Verkauf von EUR, was CHF im Markt absorbieren würde. Auf die gegenwärtige Zinssituation dürfte der Einfluss von nicht allzu grosser Bedeutung sein.
Natürlich braucht die Einführung der Teilkonvertibilität Kontrollmechanismen, um Missbräuchen vorzubeugen. Dies braucht zusätzliche Arbeitskräfte bei den Banken und ist nicht ohne Kosten zu bewerkstelligen. Finanzieren könnte man den zusätzlichen Aufwand in der Bankbranche mit einer garantierten Marge zwischen Geld- und Briefkurs im Handelsfranken. Die Grossbanken sprechen von anstehenden Massenentlassungen von Personal. Ein Teil dessen könnte für die notwendigen Kontrollaufgaben wieder eingesetzt werden.
Es stellt sich die Frage, ob die schweizerische Wirtschaft einen vergleichsweise kleinen Kontrollapparat zu finanzieren gewillt ist oder durch Nichtstun oder untaugliche Vorschläge Hunderttausende von Arbeitsplätzen auf's Spiel setzen will und anschliessend mit nicht vorhandenen CHF-Milliarden die Arbeitslosenkasse über Wasser halten muss.
Die Teilkonvertibilität ist ebenso durchführbar wie die Negativverzinsung von im Ausland domizilierten CHF-Kontoinhabern, aber sie ist um einiges erfolgreicher in der Auswirkung als Strafzinsen auf Guthaben.
Mein Vorschlag ist ein politisch heisses Eisen weil ein Rückschlag in's währungstechnische Mittelalter. Besser jedoch, wir befördern unsere Währung dorthin und nicht unsere Exportwirtschaft. Der Schaden ist unendlich viel kleiner.
Herr Hayek, lassen Sie bitte die SNB nicht an wirkungslosen Devisenmarktinterventionen verbluten. Sie hat schon genug an den unglücklichen Goldverkäufen in der jüngeren Vergangenheit zu leiden. |
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