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Kolumne


Doping und Olympia

von Barnaby Skinner / Mittwoch, 18. August 2004

. Die Olympia-Losung heisst: "Hauptsache ich bin dabei!" Schaut man sich spektakulären Dopingfälle an den Spielen an, ist diese aber nur oft Staffage. Die Geschichte der Olympischen Spiele ist auch eine des Betrugs. Für den bedeutendsten Doping-Fall sorgte der Kanadier Ben Johnson 1988 in Seoul. Auch Athen hat erste Doping-Sünder: Der erste Dopingfall in Athen betrifft die Gewichtheberin Aye Khine Nan aus Myanmar, Vierte der 48-kg-Klasse.

Die schwarze Liste reicht vom Marathonsieger von 1904, Thomas Hicks (USA), der Strychnin und Brandy zu sich nahm, über den mit Amphetaminen vollgepumpten und 1960 nach dem olympischen Strassenrennen gestorbenen Dänen Knut Jenson bis zum Skandal um Griechenlands Sporthelden Kostas Kenteris in Athen.

Vor Athen wurden bei Sommerspielen seit dem Beginn der Kontrollen 1968 in Mexico-City insgesamt 58 Sportler des Dopings überführt. Dazu kommt eine weitaus grössere Zahl derjenigen, die entweder vor Olympia positiv getestet wurden oder aus Angst vor Kontrollen auf einen Start verzichteten - wie 27 chinesische Athleten vor den Spielen 2000 in Sydney.

Am meisten Aufsehen erregte der Anabolika-Skandal um Ben Johnson, der 1988 nach seinem 100-m-Sieg in der Weltrekord-Zeit von 9,79 Sekunden positiv getestet wurde. Der heute 42-Jährige musste seine Goldmedaille an den Amerikaner Carl Lewis abgeben und lebt seitdem mit dem Ruf als grösster Betrüger der olympischen Geschichte. Zugleich rückte er das Thema in einer bis dahin nicht gekannten Dimension in das öffentliche Bewusstsein.

Erst vor zwei Jahren in Salt Lake City musste der Langläufer Johann Mühlegg (wie auch Larissa Lasutina und Olga Danilowa) seine Medaillen zurückgeben. Der für Spanien startende Deutsche gewann 2002 in Salt Lake City drei Mal Gold, wurde jedoch des Blutdopings überführt.

Als erster Sportler bei Olympischen Spielen überhaupt wurde der Schwede Hans Gunnar Liljenwall 1968 in Mexico City bestraft. Der Fünfkämpfer wurde disqualifiziert, weil er Alkohol im Blut hatte. Sein Team kostete der Verstoss die Bronzemedaille.

Mit weitaus wirksameren Mitteln versuchten die Athleten in der Folgezeit, Einfluss auf Leistung und Medaillenspiegel zu nehmen. Doch auch die Doping-Kontrolleure verfeinerten und erweiterten ihre Methoden.

In Sydney erlebten Tests auf das Blutdopingmittel EPO ihre Premiere. In Athen werden wohl erstmals Wachstumshormon-Tests eingeführt. Bestätigt hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) dies nicht, um sich das "Überraschungsmoment" zu erhalten.

Die Spiele von Sydney gelten bislang als die am besten kontrollierten. Insgesamt wurden 1946 Wettkampf- und 404 Trainingskontrollen sowie 313 EPO-Tests vorgenommen.

Resultat waren zehn positive Fälle, sechs betrafen Medaillengewinner. Am umstrittensten war der Fall der erst 16 Jahre alten Andrea Raducan. Die rumänische Turnerin gewann den Vierkampf, wurde aber wegen eines vom Teamarzt verabreichten Erkältungsmittels disqualifiziert.

Weitere Fälle wurden erst später bekannt. So wurde dem 400-m-Läufer Jerome Young nachträglich ein Vergehen aus dem Jahr 1999 nachgewiesen, woraufhin dem Amerikaner die Staffel-Goldmedaille von Sydney aberkannt wurde. Das IOC muss nun noch darüber befinden, ob auch Youngs Teamkollegen, unter ihnen Superstar Michael Johnson, ihre Auszeichnungen verlieren.

Unter Dopingverdacht steht auch Youngs Landsfrau Marion Jones, die in Sydney drei Mal Gold sowie zwei Bronzemedaillen holte. Drei Wochen vor Beginn der Spiele von Athen wurde Jones von ihrem früheren Ehemann, dem Kugelstosser C.J. Hunter, beschuldigt, in Sydney gedopt gewesen zu sein.

Hunter war vor den Spielen 2000 selbst vier Mal positiv getestet und in Sydney ausgeschlossen worden. Jones soll in Athen im Weitsprung sowie in der Staffel antreten.




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