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Kolumne


Pit Bulls als Modeopfer

Patrik Etschmayer / Freitag, 17. März 2006

. Nun ist der Ball wieder beim Bundesrat. Ein Gesetz gegen gefährliche Hunde soll es also geben und ganz speziell im Fadenkreuz sind die Pittbulls. Nun muss ganz klar gesagt werden, dass diese Hunderasse nicht erst nach dem Drama von Oberglatt im letzten Dezember einen sehr schlechten Ruf geniesst. Und es sieht ja auch so aus, als wäre was dran.

Fast immer, wenn eine Hundeattacke es in die Schlagzeilen schafft, dann kommen die Worte «Kampfhund» und «Pittbull» vor. Diese Hunde scheinen also geborenen Killer zu sein. Es handelt sich dabei um eine ganze Gruppe von Terriern, die vom Englischen Staffordshire Bull Terrier abstammen. Doch wenn man sich etwas mehr mit der Geschichte und den Eigenschaften dieser Rasse beschäftigt, zeigt sich erstaunliches.

Die Rasse gilt als sehr wenig aggressiv gegenüber Menschen, wurden doch selbst Kampfhunde dieser Rasse spezifisch gezüchtet, um nur gegenüber anderen Hunden aggressiv zu sein. In der Regel waren die Bull-Terrier aber «Arbeitshunde». Hofhunde also, die diesen Bewachen und als Haustier mit den Bauernkindern spielen sollten.

Der American Pitt Bull Terrier (APBT) war also bis in die 40er-Jahre hinein ein Familienhund. Ja, auch der erste Hundestar «Pete the Pub» aus den «Kleinen Strolchen»-Filmen der 20er und 30er Jahre (der weisse Hund mit dem Schwarzen Fleck über dem Auge), war ein Pitt Bull.

Doch dann ging irgendetwas schief. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in den USA andere Rassen immer populärer und der APBT wurde fast nur noch auf Farmen als Haustier gehalten. In den Städten hingegen erwärmte sich die Unterwelt am Potenzial dieser starken Hunderasse.

Langsam verkam der Pitt Bull zum Zuhälter- und Gangster-Hund. Dies ging noch einigermassen, solange dieser Lifestyle von der Allgemeinheit verachtet wurde. Doch der Todesstoss für den APBT dürfte wohl der Gangsta-Rap gewesen sein.

Hier wurde der riskante, rücksichtslose Lifestyle der Amerikanischen Innenstadt-Slums glorifiziert und in einem Mass popularisiert, das man nicht für möglich gehalten hätte. Schwere Goldketten, überweite Hosen (die ideal waren, um Waffen zu verstecken), die ganze «Bling»-Kultur mit aufgemotzten Hummers und einer Verachtung gegenüber allen, die nicht rücksichtslos ihren Vorteil verfolgen, wurde zu einer Pop-Bewegung mit unglaublichem Erfolg. Der Accessoire-Hund der Gangsta-Rapper war und ist der Pitt Bull.

Der APBT ist stark, furchtlos und, wenn er von verantwortungslosen Züchtern und Haltern aufgezogen wird, brandgefährlich. Genauso wie ein Kind, dem man nur Hass und Gewalt beibringt wird auch ein Welpe, der nie eine Sozialisierung erfährt, zum psychopathischen Geschöpf, zur Gefahr für die Umwelt.

Genau wie eine Schusswaffe verleiht ein solcher Hund dem Besitzer Machtgefühle. Ein unterentwickeltes Ego wird durch den durchgeknallten Hund an der verchromten Kette aufgeplustert. Der Hund wird zum zweifachen Opfer. Zum einen kann er kein gutes Hundeleben führen, denn er befindet sich in einer ununterbrochenen Spirale aus Angst und Aggression. Zum anderen verliert er sein elendes Leben, wenn er sich mal losreisst und dem folgt, zu dem er erzogen wurde – einen solchen Hund einzuschläfern ist die einzig logische Konsequenz.

So wird der Pitt Bull vermutlich Modeopfer werden. Nach einem Verbot werden viele Hunde dieser Rasse eingeschläfert, davon vermutlich die meisten friedliche, gut erzogene und loyale Tiere. Ein Drama für die Besitzer und auch für die Hunde... immerhin verlieren sie unschuldig ihr Leben.

Jedenfalls wird dann das «Pittbull-Problem» (zurück zur Schweizer Schreibweise) gelöst sein. Niemand muss sich mehr um diese Hunde Sorgen machen. Doch sollte man eines bedenken: Auch andere Hunde können zu gefährlichen Monstern werden, wenn man sie falsch aufzieht, sie mit dem Ziel züchtet, als Ego-Krücken für irgendwelche Dödel zu dienen. Es wird spannend sein, zu sehen, welches die nächsten Modeopfer sein werden.




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