von Patrik Etschmayer / Montag, 11. August 2008
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Und auf einmal knallt es wieder im Kaukasus. Georgien, Abchasien, Süd-Ossetien... diese Namen tönen für uns Europäer – auch nach Jahren derer Präsenz in den Medien – exotisch und noch immer hat man Mühe, diese Länder und Gebiete in ein geopolitisches Bild einzuordnen, gehörten sie doch so lange zu der Sowjetunion, dass sie fast aus dem Bewusstsein verschwunden sind.
Die Rückkehr in die globale Wahrnehmung geschah in kleineren und grösseren Schritten, oft begleitet von Misstönen wie Korruptionsskandalen und Wahlbetrug, die selbst einst angesehene Politiker wie den früheren sowjetischen Aussenminister Eduard Schewardnadse abstürzen liessen. Ein Erbe der neu erworbenen Unabhängigkeit und des damit einher gehenden Nationalismus, war auch die Diskriminierung der Minderheiten. Eine Krankheit, an der viele junge Nationen leiden.
Die vielfältigen Wehen, an denen das wieder geborenen Georgien litt, schadeten der Nation nicht allzu sehr, solange der mächtige Nachbar im Norden, der einstige Kolonialherrscher Russland, selbst darnieder lag und vor allem mit sich selbst beschäftigt war. Doch dies ist fundamental anders geworden, seit dort Putin an der Macht ist und die Rohstoffpreise in unglaubliche Höhen gestiegen sind.
Der einstige Russische Präsident und jetzige Ministerpräsident Russlands, der aber immer noch der starke Mann ist – auch wenn Dmitri Medwedew als Präsident angeblich über ihm steht – will vor allem eines: Russland wieder zur Weltmacht werden lassen. Und dies scheinbar primär durch aus Rohstoff-Dividenden finanzierter militärischer Macht – mit der dann auch einstige Kolonien destabilisiert und unter den eigenen Einfluss gebracht werden können.
Der Südossetienkonflikt geht selbst über 1500 Jahre zurück, als die Osseten südlich des Kaukasus zu siedeln begannen – seither gibt es immer wieder Konflikte mit den Georgiern, wobei die Osseten traditionell mit den Russen verbündet sind. Genau wie die Abchasier werden sie auch jetzt wieder von Russland beschützt und unterstützt, wobei es dabei natürlich nicht um die Osseten, sondern lediglich darum geht, Georgien wieder unter die eigene Kontrolle zu bringen.
Russlands vordringen nach Georgien und die Eröffnung einer zweiten Front in der abtrünnigen georgischen Provinz Abchasien sind ein Zeichen dafür. Und auch dafür, dass sich die Russen momentan für unverwundbar halten. Die Abhängigkeit des Westens von russischem Öl und Gas bindet Europa die Hände, wenn nicht riskiert werden soll, dass im Winter plötzlich die Heizungen erlöschen. Die Freiheit eines halb-vergessenen Volkes liegt den Politikern – und vermutlich auch der Bevölkerung – weniger am Herzen, als eine warme Stube.
Und dies ist nun etwas, dass die pro-westlichen Georgier plötzlich zu spüren bekommen. Während die Russen einfach einmarschieren, ringt der Westen seine Hände, redet viel, macht aber nichts, dass über diplomatisches Gewäsch hinaus geht. Und bestätigt damit Russland in seiner Gewissheit, dass man mit genug Rohstoffen, genug Waffen und dem Willen, diese Mittel auch schnell und skrupellos einzusetzen, in der heutigen Welt so ziemlich alles bekommt, was man will.
Es dürfte noch einige Zeit vergehen, bis im Kaukasus wieder die Waffen schweigen... und ob Georgien dann noch frei sein wird, kann zumindest hinterfragt werden.