von Patrik Etschmayer / Montag, 20. Oktober 2008
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Zuerst kam das Ignorieren, dann der Schock nun sind wir bei der Wut angelangt... Als die Finanzkrise losbrach, wollten die meisten gar nicht daran glauben, dass diese Krise sie nun betrifft. Dann wurden wir von dem Schock getroffen, dass die Sache vielleicht doch grösser ist... und zwar so gross, dass die Volkswirtschaft ganzer Länder untergehen kann und Industrien – und nicht nur jene der Banken – mit dem Rücken zur Wand stehen.
Und so sind wir bei der Wut angelangt und bei den Konsequenzen die vom wütenden Volk und Populisten – wie zum Beispiel dem Deutschen Linkspolitiker Oskar Lafontaine – gefordert werden. «Schmeisst die Banker in den Knast!», und ja, warum auch nicht, mag sich so mancher Fragen. Denn es war zweifelsfrei unmoralisch und ungebührlich, wie sich da Banken und auch viele Banker verhalten haben.
Oder machen es sich die Populisten – wie eigentlich immer – zu einfach? Wer momentan nicht das Teeren, Federn und Einkerkern von Bankern fordert, setzt sich ja dem Sofort-Verdacht aus, auf der Gehaltsliste des «Grosskapitals» zu stehen. Aber es ist nun mal so, dass die Banker alleine nie diese Krise hätten auslösen können. Viele Staaten waren dabei willige Erfüllungsgehilfen.
Das Verrückte daran ist die Rolle, die wiederum der 11. September 2001 in der ganzen Sache spielt. Nach den Terroranschlägen dieses schicksalhaften Spätsommertages vor acht Jahren, drohte ja schon einmal die ganze US-Wirtschaft in eine Rezession zu rutschen. Aber verschiedene geldpolitische Interventionen verhinderten, dass die bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so gesunde US-Wirtschaft und vor allem das Konsumverhalten in ein Loch fielen. Stattdessen wurde so der Immobilien-Markt angekurbelt und damit die Basis der heutigen Krise gelegt.
Ebenso stellte dieses Datum den Startpunkt des bis jetzt – nach Berechnungen des Ökonomen Joseph Stiglitz – 3 Billionen Dollar teuren Krieges im Irak dar. Und es war der Moment, von dem an es in Ordnung war, rein emotional und ohne Gedanken an Konsequenzen, die etwas weiter als die eigene Nase entfernt waren, zu handeln. Selbst wenn es um die globale Wirtschaft und Sicherheit ging. Wunschdenken ersetzte dabei die Realität – sowohl in der Politik als alsbald auch in der Ökonomie.
Die US-Banken profitierten dabei von Deregulierungen, nachlässigen Kontrollen und immer neuen Methoden, Geld aus dem Nichts zu generieren, während der amerikanische Staat immer grössere Summen in den nicht enden wollenden Krieg am Zweistromland pumpte. Die freie Hand, welche die Banken dabei hatten und das durch den Immobilien- und Aktienboom generierte Pseudogeld halfen dabei, sowohl den Krieg als auch die Wirtschaft am Laufen zu halten.
Aber sie zwangen auch andere Banken auf der Welt ihre Geschäftspraktiken den offenbar über-erfolgreichen US-Vorbildern anzupassen. Diese Erfolgsgier wurde von der Politik mit Deregulierungen nach Kräften gefördert, schien dies doch die beste Methode zu sein, Geld in die eigene Wirtschaft zu holen. Es war ein Reigen des Wahnsinns, der durch scheinbar unlimitierte Renditen befeuert wurde und schliesslich zu dem jetzigen Mega-Crash mit all seinen noch unabsehbaren Folgen führte. Vermutlich hätte sich Osama Bin-Laden niemals träumen lassen, dass er am Ende so erfolgreich wäre und es tatsächlich schaffen würde, mit dem World-Trade-Center zusammen auch die Weltwirtschaft einstürzen zu lassen.
Die Linkspopulisten sind momentan im Aufwind, was irgendwie erstaunlich ist, wenn man sich die Geschichte des Ostblocks und die dort während Jahrzehnten praktizierte ökonomische und ökologische Katastrophe – die am Ende nur noch mit Krediten aus dem Westen aufrecht erhalten wurde – vor Augen führt. Von jener Seite Lösungen zu erwarten, ist genau so aussichtslos wie zu denken, dass die Banken sich selbst reformieren werden.
Untätigkeit wäre falsch – eine Überreaktion aber ebenso. Wer jetzt das Kind mit dem Bad ausschütten will, nur weil er wütend ist, wird den Schaden – zum Erlangen einer hohlen, kurzfristigen Befriedigung - einfach noch vergrössern. Die Strafforderungen sind emotional nachvollziehbar und jeder, der betrügerisch gehandelt hat, soll auch vor Gericht kommen und bestraft werden. Aber jetzt braucht es vor allem eine gute Analyse der Krise und einen scharfen Blick dafür, wo genau die verhängnisvollen Weichen gestellt wurden, die in diesen Abgrund führten, so dass genau dort die Begrenzungen aufgestellt werden können, um künftig solche Katastrophen zu verhindern.