von Patrik Etschmayer / Montag, 13. April 2009
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Wenn der berüchtigte, ultra-konservative deutsche Bischof Mixa spricht, dann weiss man Bescheid: An seiner Osterpredigt folgerte er haarscharf, dass die Grauen des Dritten Reiches und des Gulags nur möglich waren, weil damals die 'Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus' herrschte. Und wenn heutzutage schlimme Dinge passierten, dann immer wegen gottloser Verhaltensweisen. Ob es nun Prostitution oder wirtschaftliche Ausbeutung oder der Tod durch Verhungern ist, wenn die Menschen zu leiden haben, sind immer die Atheisten schuld!
Mixas Quatschpredigt zeichnete sich dabei genau durch jene Finten aus, welche auch von Rednern der Nazis und Kommunisten gerne benutzt werden: Unbequeme Wahrheiten werden verschwiegen, Dinge die gelegen kommen, überbewertet und Tatsachen weggelassen oder gar verdreht, wo es einem von Nutzen ist.
So erwähnte er mit keinem Wort, dass jene Christen, die Widerstand leisteten, dies mitnichten mit der Rückendeckung der Amtskirchen machten – diese zeichneten sich meist durch stillschweigendes Billigen oder Gleichgültigkeit den Nazis gegenüber aus.
Beim damaligen Bürgerkrieg in Spanien und der Franco-Diktatur war kein Protest des Vatikans zu vernehmen. Im Gegenteil: Faschismus und Katholizismus gingen da eine innige Partnerschaft ein, waren doch viele Grundwerte der Nazis, Faschisten und des Vatikans verblüffend Deckungsgleich – auch wurde nicht die katholische Kirche verfolgt, sondern Juden und im Speziellen auch bekennende Atheisten, die weder in der NSDAP noch der SS erwünscht waren.
Wer die damals noch praktizierte und tief verwurzelte Ideologie des Katholizismus anschaut, fände fast alles, was auch die Augen der Nazis zum Leuchten brachte: Antisemitismus, Hass auf Demokratie, Schwulenhass, Verachtung der Menschenrechte und ein Rassismus, der auf Jahrhunderte religiösen Dünkels zurückblicken konnte. Daran ändert auch die sehr dezent vorgetragene Kritik durch den Vatikan an den Nazis nicht viel – predigten gegen die Euthanasie, wie die des Bischofs Clemens August Graf von Galen, sind eine der löblichen Ausnahmen – was von dessen sonstigen Einstellungen zu Themen wie Nationalismus, Kriegsverbrechern und demokratischen Volksrechten - nicht behauptet werden kann.
Weder Sklaverei, Todesstrafe, Folter, die Unterdrückung der Frau, Feudalherrscher und deren Kampf gegen die Einführung der Demokratie wurde von den Kirchen opponiert. Im Gegenteil: Hierarchien und die Unterdrückung der Massen, die auf ein Leben nach dem Tod vertröstet wurden, waren so kirchlich wie Weihrauch und Kruzifix.
Auch erwähnt Mixa mit keinem Wort, dass die meisten Monster des Nazismus und Kommunismus keinen humanistisch-atheistischen Hintergrund hatten sondern – wie zum Beispiel Joseph Stalin oder Heinrich Himmler – aus einem christlich-konservativen Milieu stammten und in den von ihnen gewählten Ideologien Ersatzreligionen fanden, die – genau wie schon das Christentum – mit dem schwarz-weissen Dualismus von Gut und Böse und dem Versprechen auf ein Paradies (nun allerdings auf Erden) operierten.
Natürlich: Die Kirche hat niemals solche Massenmorde veranlasst wie dies Nazis und Kommunisten taten. Aber nicht, weil sie dies nicht hätte tun wollen, als sie noch die Macht dazu hatte. Es standen vor allem die industriellen und organisatorischen Mittel für kontinentale Massenmorde noch nicht zur Verfügung.
Mixa zitierte Dostojewski: «Ohne Gott ist alles erlaubt», als ob Religiosität Gräueltaten verhinderte. Die unter dem Zeichen und mit dem Segen des Kreuzes geführten Eroberungszüge und Kriege, lassen einen eher zur Folgerung kommen, dass erst DURCH Gott alles erlaubt sei.
Dass Gegeifere dieses Rambo-Bischofs von seiner Kanzel gegen die humanistischen Atheisten ist ungeheuerlich und beleidigend. Doch scheinbar sind diese Menschen, die vor allem für die Menschenrechte und -würde für alle kämpfen, für den Bischof bedrohlicher als muslimische Fundamentalisten. Aber vermutlich beneidet er diese einfach, denn die dürfen in ihren Ländern jene, die dem Glauben den Rücken kehren, noch töten oder zumindest ins Gefängnis werfen. Das wäre etwas, das Mixa vermutlich richtig begeistern würde.