von Patrik Etschmayer / Freitag, 30. Oktober 2009
.
In Zeiten der Wirtschaftskrise treten andere, scheinbar weniger akute Probleme, schnell einmal in den Hintergrund. Die Klimaproblematik ist eines davon. Aber die Erwärmung des Klimas ist mittlerweile unter Klimatologen ein akzeptiertes Phänomen und auch der Einfluss des Menschen darauf wird fast nur noch von spezifischen Interessengruppen bestritten.
Trotz mancher superheisser Sommer war der Klimawandel für die meisten Schweizer bis anhin ein Thema von eher akademischer Natur. Die Effekte auf das Alltagsleben schienen klein zu sein und spielten keine grosse Rolle. Doch die Auswirkungen kommen immer näher an uns heran und sind teilweise schon auf den Äckern angekommen, an denen wir auf den Autobahnen unseres Landes vorbeibrausen oder auf die wir von den Zugfenstern aus blicken, wenn wir zwischen Heim und Arbeit pendeln.
Die Gemüseernte so mancher Bauern fiel wegen der vom August bis in den Oktober hinein anhaltenden Trockenheit aus und musste, auch wenn vor drei Wochen endlich wieder verbreitet Regen fiel, untergepflügt oder billig verwertet werden. Engpässe in den Regalen der Grossverteiler sind zwar nicht zu erwarten, aber die Existenz der Gemüsebauern ist auf mittlere Frist gefährdet, wenn sich der Trend fortsetzt.
Es ist leider nicht anzunehmen, dass in den nächsten Jahren die grosse Wende beim globalen Ausstoss von CO2 und Methan geschafft wird. Und selbst wenn dies gelänge: Es kann Jahrzehnte dauern, bis sich ein verringerter Ausstoss auch auf den Gehalt dieser Gase in der Atmosphäre positiv auswirkt.
Es ist daher auch kaum blinder Alarmismus, wenn die Landwirtschaftsforschungsanstalt Agroscope prophezeit, dass auch Gegenden der Schweiz, wo man sich bisher eher auf der feuchten Seite wähnte, immer trockener werden. Vor allem in der traditionell verregneten Ostschweiz ist der Trend eindeutig: Während der letzten dreissig Jahre wurden die Trockenheitsperioden immer länger. Ob dies nun im Rheintal, in der Lindtebene oder im Thurgau ist: Die landwirtschaftlichen Flächen bekommen immer weniger Regen und vor allem vergeht mehr Zeit zwischen den Niederschlägen.
Drei Monate mit heissem Wetter ohne einen Tropfen Regen, wie im Sommer 2003, könnten durchaus die Regel werden. Was für Sonnenanbeter wie ein Wunschtraum tönt, ist für Gemüsebauern ein Albtraum.
Die einzige Lösung wäre eine weitreichende Bewässerung der Landwirtschaftsflächen: Statt der 50'000 Hektaren, die heute schon künstlich mit dem kostbaren Nass versorgt werden, wären es in Zukunft 275'000 Hektaren oder noch mehr. Dies alles gekoppelt mit den damit einhergehenden Problemen wie sinkenden Grundwasserspiegeln und Nährstoffauswaschung aus den Böden.
Es ist jetzt an der Politik, Ziele zu setzen und Massnahmen zu ergreifen. So müsste überlegt werden, auf andere, weniger viel Wasser benötigende Produkte auszuweichen und ja, auch die Gentechnik könnte da segensreich sein, ob einem das passt oder nicht.
Doch es muss auch darangegangen werden, die Niederschläge, die wir noch haben (werden), vernünftiger zu bewirtschaften. So erleben wir im Rahmen des wandelnden Klimas viel mehr Starkregenereignisse: Es kommt zwar viel Wasser runter, doch dies vermag gar nicht in den Boden einzudringen, sondern fliesst ab und führt zu Überflutungen, starker Erosion und Hangrutschen. Für solche Fälle müssten Speicherbecken angelegt werden, die einerseits Überschwemmungen verringern und andererseits Wasser für die Bewässerung in der Landwirtschaft zurückhielten.
Das Klima verändert sich. Soviel ist klar. Wir müssen uns daran anpassen, ob es uns gefällt oder nicht. Sonst gibt es dereinst statt der Ribel- nur noch eine Rheintaler Staubsuppe.