von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 17. Dezember 2009
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Wer heutzutage bei Dämmerung und Dunkelheit auf den hiesigen Strassen unterwegs ist, sieht wie schlimm es um die Wirtschaftskraft der Schweiz bestellt ist: Offensichtlich können sich viele Leute keine Glühbirnen für die Scheinwerfer ihrer Autos mehr leisten. Bei relativ willkürlich auf dem Arbeitsweg gemachten Zählungen, waren bis zu 30% der Autos mit nur einem funktionierenden Scheinwerfer unterwegs, ja teilweise nur mit dem Standlicht. Ob bei diesen sogar beide Scheinwerferbirnen defekt sind? Muss wohl so sein...
Diese Scheinwerfer-Verwahrlosung trifft allerdings bei Weitem nicht nur ältere Modelle. Nein, selbst neue SUV, die vermutlich noch nicht einmal fertig abgezahlt sind, rauschen im Tarnmodus durch die vorweihnachtliche Dämmer-Schweiz. Ob sich hier jemand aus aktuellem Klimagipfel-Anlass schämt und nicht gesehen werden will? Oder ist es wirklich so: Es langt einfach nicht für das Birnchen – die Rücklage für die gestiegenen Krankenkassenprämien haben das Auto-Beleuchtungs-Budget vollständig vertilgt. So munkelt man bis zu Frühjahr eben durchs Dunkle und hofft danach auf die Mitternachtssonne.
Doch nicht nur die Autofahrer leiden an der Beleuchtungs-Verelendung. Auch Radfahrer gehören zu den winterlichen Stromsparern und zwar sowohl aktiv als auch passiv.
Um nicht unnötig aufzufallen, hüllen sich nämlich viele der unverdrossenen Radler in möglichst dunkle Kleidung: Schwarze Wolljacken, kombiniert mit dunkelgrauen Mützen und schwarzen Handschuhen sorgen dafür, dass sie sogar direkt unter einer Strassenlaterne fast unsichtbar bleiben. Soviel zum Passiv-Teil. Doch wirklich effizient wird diese Tarnbekleidung erst in Kombination mit einer defekten oder gar nicht vorhandenen Radbeleuchtung. Man hört ja seit Neustem so viel von «Lichtverschmutzung» und da will wohl der ökologisch bewusste Zweiradler sein Scherflein zum dunkleren Himmel über Europa beitragen.
Doch natürlich kann es auch einfach daran liegen, dass es schlicht nicht möglich ist, die 30 Franken für ein LED-Beleuchtungs-Set und die laufenden Batteriekosten aufzubringen. Denn auch die Radfahrer unter uns leiden grausam unter den steigenden Lebenshaltungskosten und der Wirtschaftskrise. Da ist es durchaus vernünftig an solch wenig substanziellen Dingen wie Licht (von dem ja immer noch nicht klar ist, ob es nun aus Teilchen oder Wellen besteht – man weiss also nicht mal, wofür man da bezahlen würde) zu sparen.
Dass auch Fussgänger etwas zur Verdunklung der Strassen beitragen können, ist fast nicht bekannt und in Agglomerationen auch recht schwierig. Doch in ländlichen Gebieten ist es durchaus möglich, seinen Beitrag zu leisten – sei es auch nur aus Solidarität mit den einäugigen auto- und lichtlosen Radfahrern.
Kleiden Sie sich möglichst dunkel: Lodenmäntel, Filzhüte und schwarze Lederschuhe sind da perfekt, um nicht unangenehm aufzufallen, wenn man nach Einbruch der Dunkelheit einen Spaziergang der Landstrasse entlang macht. Auf irgendwelche Kleidung mit Reflektorstreifen ist tunlichst zu verzichten! Gehen sie dabei unbedingt auf der rechten Strassenseite! Denn links gehend wird Ihr Gesicht womöglich noch von einem Scheinwerfer eines entgegenkommenden Autos erfasst und sichtbar! Nur mit dem Rücken zum Verkehr ist eine vollständige Verdunklung möglich! So einfach ist das, wenn man nur will!
Jetzt sind noch die Gemeinden gefordert, dem Beispiel der Verkehrsteilnehmer nachzufolgen und die kostspieligen Strassenbudgets zu entlasten, indem auf den Unterhalt der Strassenbeleuchtungen verzichtet wird! Denn seien wir ehrlich: Licht im Strassenverkehr ist ein Luxus, bei dem offensichtlich ohne Reue gespart werden kann!