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Kolumne


Böse Mutter Erde und ihre Erforscher

von Patrik Etschmayer / Montag, 1. März 2010

. In der vergangenen Woche haben wieder einmal Naturgewalten aufgezeigt, wie klein der Mensch eigentlich ist und auf was für einem geologischen und meteorologischen Pulverfass wir sitzen.

Das Erdbeben in Chile und die Stürme im nördlichen Mitteleuropa haben an sich nichts miteinander zu tun, doch zeigen beide Ereignisse einerseits die Grenzen des technisch Machbaren auf, demonstrieren auf der anderen Seite, dass es durchaus einen Einfluss auf die Folgen hat, ob ein solches Ereignis in der «ersten» oder der «dritten» Welt stattfindet.

Das Erdbeben von Concepciòn in Chile forderte weit über 700 Todesopfer und deren Zahl wird ohne Zweifel noch ansteigen. Und doch: Bedenkt man, dass dieses Erdbeben zwischen 80 und 100 mal stärker war als jenes von Haiti im Januar, wird klar, dass es einen riesigen Unterschied ausmacht, ob man ein Erdbeben in einer Hütte oder einem stabil gebauten Haus erlebt - ein 8,8er Richter-Skalen-Erdbeben hätte Haiti vermutlich pulverisiert.

Die Stürme, die Europa heim suchten legten innert weniger Wochen schon zum zweiten Mal den Verkehr lahm, nachdem bereits Schneestürme Deutschland zum Stillstand gebracht hatten. Diesmal fiel dem Orkantief Xynthia nicht nur der Verkehr zum Opfer - die deutschen Züge standen praktisch still - sondern es verloren auch über 50 Menschen - vor allem in Frankreich - ihr Leben.

Doch auch hier zeigt sich wieder, dass es in der ersten Welt wesentlich glimpflicher abgeht, als bei einem entsprechenden Sturm in der Karibik. Hier wird über Zug- und Flugverspätungen geklagt, während an anderen Orten die ganze Infrastruktur weg geweht wird.

Nimmt man noch die ganzen Unwetter in Amerika von Süd bis Nord in die Rechnung - Dürren und Hitzewellen in Südamerika, Schneestürme an der US-Ostküste, Überschwemmungen in Mittelamerika - dann brachten die Naturgewalten in den letzten paar Monaten die Menschen an vielen Orten an den Rand dessen, was sie bewältigen können.

Dabei sind Erdbeben sowohl die unberechenbarsten, als auch unbeeinflussbarsten dieser Katastrophen, wo lediglich mit guter Bausubstanz vorgebeugt und mit schneller Hilfe und zeitigen Tsunami-Warnungen nach dem Unglück Leben gerettet werden kann.

Beim Wetter hingegen tun sich momentan wieder die Fronten auf: Climategate und die grosse Treibhausgasverschwörung beherrschen die Foren und Sendungen und sogar etablierte Medien melden Zweifel am von der UNO verbreiteten Konsens an, wobei die Erwärmungsskeptiker durch den kalten Winter auf der Nordhalbkugel starken Rückenwind erhalten haben.

Dabei gilt auch hier wieder, was auch bei einem heissen Sommer gültig ist: Einzelereignisse haben relativ wenig Aussagekraft, und ein kalter Winter macht noch keine Klimaverschwörung. Denn bereits in den ganzen Stürmen ist schon wieder ein Argument für die Erwärmungs-Freunde versteckt: Stürme sind Systeme, welche Energie-Differenzen ausgleichen und grosse Stürme bedingen grosse Differenzen und viel thermische Energie im System... .

Das grosse Problem in der ganzen Klimadiskussion ist wohl jenes, dass die Wissenschaft eine Hypothese prüfen sollte, ohne genügend Daten zu haben, die Politik aber klare Antworten forderte. Doch diese konnte und kann es nicht geben, weil das System «Weltklima» unglaublich komplex ist und einfach noch viele wichtige Daten fehlen.

Aber so eine Antwort ist nicht akzeptabel für Politiker. Politiker wollen handeln, sich profilieren und sie protegieren denn auch Wissenschaftler, deren Annahmen mit den eigenen übereinstimmen.

Wenn dann der Menschheit wieder mal von der Natur so richtig die Hucke voll gehauen wird, haben ihre Erforscher, die behaupteten, schon alle Antworten zu kennen, ein Problem, wenn die Ereignisse nicht ihren weit verbreiteten Hypothesen entsprechen. Und jene mit den - ebenfalls mangelhaften (denn auch diesen fehlten die Daten, die eben einfach nicht da sind) - Gegen-Hypothesen triumphieren, während die eigentlichen Fragen gar nicht beantwortet werden.

Wissenschaft ist dumm... muss dumm sein! Und zwar im besten Sinne. Die Wissenschaft weiss nämlich nie was, sie kann immer nur die besten Annahmen machen, bis eine bessere kommt. Diese Demut vor der Realität ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie auf einmal für die Politik endgültige Wahrheiten verkünden soll. Bei der Klimadebatte ist genau das passiert und es musste schief gehen.

Jetzt die Klimaforschung und -debatte einzustellen, wäre das denkbar dümmste. Genau so wenig wie Geologen aufhören dürfen, Erdbeben zu erforschen, um diese hoffentlich doch irgendwann voraussagen zu können, darf aufgehört werden, das Klima und unseren Einfluss darauf zu ergründen und die Ergebnisse offen zu diskutieren. Die Politik muss einfach aufhören, Antworten vorweg zu nehmen, die es noch gar nicht gibt.

Denn Mutter Erde ist nicht nett zu uns! Und je mehr wir über dieses böse Mädchen wissen, desto besser!

 Hören Sie sich diese Kolumne auch als Audiodatei (mp3) an (gelesen vom Autor).


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