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Kolumne


Die Schöne und das Blut

von Patrik Etschmayer / Freitag, 13. August 2010

Es gibt Menschen, die einfach nur schrecklich sind. Und Menschen, denen dies egal ist, solange sie von schrecklichen Menschen profitieren können und die es ganz unglaublich unpraktisch finden, wenn sie mit dem Horror, den ihre einstigen Bewunderer und Freunde angerichtet haben, konfrontiert werden.

Naomi Campbell ist so eine Person. Dass sie mit ihrem Auftritt vor dem Den Haager Kriegsverbrechertribunal dazu beitragen könnte, den Mörder Tausender hinter Gitter zu bringen, dass ihre Aussage von entscheidender Wichtigkeit wäre, den einstigen liberianischen Warlord und Präsidenten Charles Taylor für jene Gräueltaten zu bestrafen, die er bis zum Ende seiner Amtszeit begangen hat, ging ihr scheinbar an ihrem perfekt geformten Hintern vorbei. Sie bezeichnete ihre Vorladung vor den Gerichtshof – deren Missachtung 7 Jahre Haft hätte bringen können - als «Inconvenience» (dt.: Unannehmlichkeit).

Na hallo! Aber es war klar, dass sie ein gewisses Problem hatte, verleugnete sie doch erst, bei der fraglichen Festivität überhaupt je Diamanten bekommen zu haben. Als sie schliesslich die Aussage machte, behauptete sie, zwar einen Beutel voller ungeschliffener Edelsteine erhalten zu haben, aber nicht gewusst zu haben, von wem diese stammten.

Aber klar doch! Es ist völlig normal, nachts an der Hoteltüre von Unbekannten Diamanten gesteckt zu bekommen und keine Ahnung zu haben, von wem diese denn sein könnten. Sicher doch. Als ihren Aussagen danach widersprochen wurde, befand sie sich schon wieder auf einer Yacht im Mittelmeer, wo sie mit ihrer Model-Kollegin Bar Refaeli und Schauspieler Leonardo di Caprio eine Party feierte. Derweilen bezeichnete der Anwalt von Campbell die Aussage ihrer früheren Agentin White als einen «Haufen von Lügen», welche diese wegen einer laufenden Klage gegen Campbell verbreite. Warum aber auch Mia Farrow das Gleiche ausgesagt hatte wie White, blieb hingegen offen.

Betrachtet man Campbells Werdegang, fällt auf, dass sie bar jeglichen ethischen Verhaltens zu existieren scheint. Natürlich betreibt sie diverse wohltätige Organisationen (Prominente OHNE Charities unter ihrem Namen gibt es ja fast keine mehr), aber vor allem in den letzten Jahren schaffte sie es wiederholt wegen Tätlichkeiten in die Schlagzeilen und vor Gerichte. Ein Zeichen von Panik?

Das Medien-Geschöpf Campbell muss damit rechnen, dass ihre Zeit bald einmal abgelaufen sein wird, denn ihre einzige Währung ist ihr Aussehen. Von anderen Talenten ist bisher nichts bekannt geworden. Ihren Roman «Swan» hat eine Ghostwriterin verfasst, da sie selbst keine Zeit gehabt habe, sich hinzusetzen und zu schreiben und auch sind ihre wenigen Versuche zu singen, oder zu schauspielern erfolglos gewesen.

Campbell scheint nichts als eine wunderschöne Hülle zu sein, die mit Angst, Wut, Selbsthass und unglaublich viel Ego gefüllt ist. Ihre Gleichgültigkeit, ja ihr Widerwille, den Opfern Taylors Gerechtigkeit zukommen zu lassen und nur die eigene Haut schützen zu wollen, ist abstossend. Aber nicht verwunderlich.

Campbell ist ein neuer Archetyp, geschaffen von der unendlichen Bildergier der Medien. Eine Hülsenperson, der viele andere Hülsenpersonen nacheifern. Sie ist ein potemkinscher Mensch, fixiert auf sich selbst und sonst niemanden. Vielleicht log sie nicht einmal, sondern erinnerte sich wirklich nur an ihre Version der Geschichte, die sie für sich in den letzten Jahren, der Fassade wegen, neu erfunden haben könnte.

Mit ihrem Auftritt am Tribunal und ihrer offen zum Ausdruck gebrachten Abneigung dagegen hat sie der Öffentlichkeit einen kleinen Eindruck davon gegeben, was für Abgründe sich da hinter der tollen Fassade auftun.

Es gibt Menschen, die schrecklich sind...

 Hören Sie sich diese Kolumne auch als Audiodatei (mp3) an (gelesen vom Autor).




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