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Kolumne


Rick Ahmadinedschad

Patrik Etschmayer / Freitag, 2. März 2012

Jetzt gerade finden die Wahlen - obwohl «Pseudowahlen» wäre zutreffender als Beschreibung - des Parlaments in der «Islamischen Republik» Iran statt und am nächsten Dienstag ist der sogenannte Vorwahl-Super-Tuesday, in dem in zehn US-Staaten gleichzeitig über den republikanischen Hersausforderer von Präsident Obama abgestimmt werden kann. Zwei Wahlgänge mit verblüffenden Parallelen. Auch wenn der Iran von den USA nur als «grossem Satan» spricht und der Iran handkehrum von vielen Amerikanern immer noch als ein Reich des Bösen angesehen wird, so sind die Wähler bei diesen beiden Wahlen doch in erstaunlich ähnlichen Situationen: Die Auswahl der Kandidaten lässt grausam zu Wünschen übrig, die Kandidaten versuchen sich gegenseitig in Radikalität zu übertreffen und schrecken auch vor schmutzigsten Attacken nicht zurück.

Bei den Republikanern ist Mitt «meine Frau fährt zwei Cadillacs und 374'000 $ für eine Ansprache ist nicht viel Geld» Romney in einer Zwickmühle. Er hat sich zwar aus dem Tief, in dass ihn sein Gegner Santorum und seine eigene Flappsigkeit hinein getrieben haben, mit extrem viel Geld und einer Rhetorik, die sich an die Kernwähler seines Gegners wendet, heraus gemüht. Doch der Preis wurde nicht nur durch seine Wahlkampfkasse bezahlt, sondern auch mit seiner generellen Wählbarkeit. Und dies liegt an seinem Gegner, an den sich Romney nun angenähert hat.

Rick Santorum vereinigt das übelste, was Republikanertum und Katholizismus zusammen im Licht der Öffentlichkeit hervorbringen können, ohne gleich eine Verhaftung zu provozieren. Er geifert in bester katholischer Tradition gegen die Trennung von Kirche und Staat (diese bereite ihm «Übelkeit»: «it makes me sick!»), ist gegen Verhütung, Abtreibung sowieso, Liberale, Frauenrechte, Homosexuelle, Bildung und Menschenrechte für alle Menschen NACH der Geburt. Er tönt in der Regel so, als würde er liebend gern alle gesellschaftlichen Fortschritte seit dem 17. Jahrhundert wieder rückgängig machen.

Um nun also halbwegs bei den Troglodyten, die ihre Stimmen in den Trog von Santorum schmeissen würden, zu Punkten, gebiert sich auch Mitt Romney - der auch schon ganz vernünftige politische Entscheide traf, in seiner Karriere - wie ein mittelalterlicher Einpeitscher und macht sich immer unwählbarer für all jene, die daran glauben, dass es gut ist, dass auf den Marktplätzen keine Scheiterhaufen mehr stehen.

Der einzige Trost: Immerhin ist es möglich, am Ende, bei den echten Wahlen im November, weder Romney noch Santorum zu wählen, sondern Obama im Amt zu Bestätigen (oder, salopp gesagt, den grippalen Infekt vor Pest und Cholera auszusuchen). In diesem Sinne haben es die Iraner weniger gut. Ihnen bleiben wirklich nur Pest und Cholera, sprich, sie leben in der Welt, wie sie sich Rick Santorum wünscht. Einfach mit Halbmond statt Kreuz.

Der Kampf zwischen Präsident Ahmadinedschad und Revolutionsführer Khamenei hat grausame Formen angenommen. Dass sich dabei Ultrakonservative und Radikalkonservative bekämpfen, macht die Sache umso hässlicher, denn von den politischen Positionen sind sie sich nahe - so bleibt ihnen nichts übrig, als eine Schlammschlacht anzuzetteln. Damit ihnen dabei niemand dazwischen funkt, haben sie - auch im Gedenken an die brutal niedergeschlagenen Unruhen - alle Oppositionskandidaten oder gar -parteien verbieten lassen. So können sich die Gegner ganz und gar auf den Kampf miteinander Konzentrieren, sich Korruption und Verluderung vorwerfen und so tun, als wären alle Probleme Irans nur auf a) die USA und Israel und b) den politischen Gegner zurück zu führen.

In einem sind sich aber beide Seiten - ausser ihrem Hass auf die USA und ihrem Wunsch nach einer Atombombe - auch noch einig, nämlich darauf, dass Liberale, Homosexuelle, Frauen- und Menschenrechte und Verhütung wo und wann immer möglich bekämpft werden müssen. Denn Gottesstaaten und Gottespolitiker haben - zumindest wenn sie sich auf den bösen alten Jahwe und seine Inkarnationen berufen - immer ein paar Gemeinsamkeiten: Homophobie, Frauenhass und eine Abscheu für freies Denken.

Das schreckliche für die iranischen Wähler ist definitiv, dass dies die echten, endgültigen Wahlen zwischen den einzigen zwei Lagern sind, die ausgesucht werden können. Keine weitere Alternative, die am Schluss noch winken würde, wie dies in Amerika der Fall ist.

Womit wir zurück in den USA und beim Liebling aller Neu-Inquisitoren wären. Wenn Rick Santorum am Ende scheitert - und danach sieht es derzeit aus - dann sollte er es sich überlegen, allenfalls vom Katholizismus zum Schiitentum überzutreten, um im Iran in die Politik einzusteigen. Dort, wo Schwule gehängt und Liberale gefoltert werden, dürfte er sich sofort wie zu Hause fühlen und die Trennung von Religion und Staat, die ihm so viel Übelkeit bereitet, würde er so auch hinter sich lassen.


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