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Kolumne


Volksheld

Peter Achten / Dienstag, 23. Oktober 2012

Von seinem Volk hochverehrt ist Norodom Sihanouk im Alter von 90 Jahren in Peking gestorben. Im Westen, dem er nolens volens durch Frankreich sein Leben lang eng verbunden war, wird er als schillernde Figur wahrgenommen. Gewiss, schillernd in manigfaltigen Tönen, das war Sihanouk auch, nicht zuletzt weil das kleine Königreich Kambodscha zwischen den Interessen der Grossmächte fast zerrieben und zerstört wurde. Das politisch Chamäleonhafte an der politischen Figur Sihanouk hat das aber erfolgreich verhindert.  

Die Verdienste Sihanouks um Kambodscha lassen sich an drei Jahreszahlen festmachen: 1953, 1975 und 1993. Während gut fünf Jahrzehnten  also blieb Sihanouk eine, nein die bestimmende Kraft in der Geschichte seines Landes. Als 1941 von den französischen Kolonialherren eingesetzter König führte er Kambodscha 1953 in die Unabhängigkeit. Ohne Blutvergiessen. Das war in der damaligen Zeit nicht selbstverständlich, sondern ungewöhnlich. 1955 dankte er, 32 Jahre alt, als König ab, blieb aber politisch aktiv bis1970, zuerst als Premierminister, danach als Staatspräsident. Der von den USA unterstützte General Lon Nol putschte sich an die Macht. Sihanouk, der auf einer Auslandreise war, ging ins Exil nach Peking. Die Khmer Rouges - bis zum Eingreifen der USA 1970 während des Vietnam-Krieges und der Einsetzung ihrer Marionette General Lon Nol - waren relativ schwach, gewannen dann aber schnell an Unterstützung im Volk. Auch die «Intellektuellen» - Lehrer, Büro-Angestellte, Regierungsbeamte, kurz alle jene, die mit dem Kopf und nicht mit Händen arbeiteten - unterstützen die Guerilla-Kämpfer. Kaum an der Macht wurden die «Intellektuellen» als Klasse von den Roten Khmers physisch vernichtet.

Nach dem Sieg der Roten Khmer kehrte Nordom Sihanouk voller Hoffnung nach Pnom Penh zurück. Die Steinzeit-Kommunisten, die unter ihrem in Frankreich als Primarlehrer ausgebildeten Führer Pol Pot einen utopischen Agrarstaat mit einem «neuen Menschen» schaffen wollten, ernannten ihn zum formellen Staatspräsidenten. Nach einem Jahr aber wurde er im Königspalast unter Hausarrest gestellt. Fünf seiner Kinder wurden von den Roten Khmers ermordet. Als das Schreckensregime 1979 zu Ende ging, war das kambodschanische Volk traumatisiert. Zwichen ein und zwei Millionen Kambodschaner und Kambodschanerinnen, rund ein Viertel der Bevölkerung, kamen ums Leben.

Weil die Vietnamesen wegen Grenzkonflikten Kambodscha angriffen und die Khmer Rouges verjagten, unterstützte Washington auf dem internationalen diplomatischen Parkett, der UNO vor allem, den Feind seines früheren Feindes Vietnam, die Khmer Rouges. Zusammen mit den neuen Freunden in Peking weigerten sich die USA, die von Vietnam eingesetzte Regierung unter dem noch heute herrschenden Hun Sen anzuerkennen. Die Khmer Rouges blieben in der UNO die Vertreter Kambodschas.

Nach dem Pariser Friedensschluss 1991 und der Demokratisierung Kambodschas 1993 wurde Sihanouk noch einmal König, diesmal einer konstitutionellen Monarchie. Dank seinem Charisma und seiner Beliebtheit beim Volk gelang es ihm, das schwer geprüfte kambodschanische Volk zu einigen. Mit seiner moralischen Autorität wurde er zum Symbol der nationalen Aussöhnung und Einheit. Das war, neben der Unabhängigkeit, Sihanouks wohl wichtigstes Vermächtnis an sein geliebtes Volk. 2004 dankte der König ab, zugunsten seines Sohnes Sihamoni. Als König ist es Sihamoni seither gelungen, die Monarchie im Volk zu verankern.

Jenseits aller Politik war König Norodom Sihanouk privat auch eine charmante, liebenswerte Persönlichkeit. Er liebte das Leben, die Frauen, das gute Essen und war ein Freund der schönen Künste. Kambodscha, Frankreich und die Welt werden Sihanouk vermissen.


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