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Kolumne


Einmal Lüge, immer Lüge

Regula Stämpfli / Mittwoch, 2. Dezember 2015

Menschen glauben Lügen selbst nachdem ihnen erklärt wurde, an der Nase herumgeführt worden sein. Doch diesmal wird alles anders, oder? 2010 publizierten Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, seines Zeichens ehemaliger Chefökonom des IWF, eine Studie über Schulden und Wachstum. Was heisst hier eine Studie? Es sollte die Bibel für Schäubles schwarze Null und für den Irrsinn staatlicher Sparpolitik weltweit werden. Rogoff und Reinhart hatten «bewiesen», dass Wachstum bei einer Schuldenlast von über 90 Prozent des BIP, unmöglich sei. Also redeten alle nach der Finanzkrise von Sparen. Die «Rettungsprogramme» für die durch die Bankenrettung in die Bredouille geratenen Staaten wie beispielsweise Griechenland sahen entsprechend aus.

Reinhart und Rogoff lieferten mit ihrer Studie die Expertengrundlage für eine völlig verfehlte Politik. Wie sich im Nachhinein zeigt, nicht nur für die Menschen völlig verfehlt und verheerend, sondern auch für die Ökonometrie.

Reinhart und Rogoff rechneten Daten hoch. Der erste, grobe Anfängerfehler war: «Zeile 51 in Reihe L der Tabelle» übersah fünf Zeilen. Für die Berechnung des Durchschnitts aller Länder wurden die Werte für Australien, Belgien, Dänemark, Kanada und Österreich einfach weggelassen. Es gab noch einen anderen Fehler. Die Datensätze von Neuseeland, Australien und Kanada wurden für die Nachkriegszeit «vergessen». Ausgerechnet die drei Ländern, deren Volkswirtschaften trotz hoher Staatsverschuldung gewachsen war.

Dann machten Reinhart und Rogoff das, was die meisten Studien in dieser Unkultur von Bolognazählerei, Publish or Perish, diesem Filzdenken ohne Inhalt, tun: Sie gewichteten willkürlich, ohne Argumente die Kennzahlen, die ihre These unterstützten. Und zwar nicht nur ein bisschen, nein. Sie setzten den britischen Aufschwung von 19 Jahren mit einem Jahr Abschwung in Neuseeland gleich. 19 Jahre Aufschwung mit 1 Jahr Abschwung gleichsetzen? Hallo? Dies ist selbst für ideologisch völlig behämmerte Ökonomen äusserst kreativ. Die Studie hat von ihrer Anlage her also nichts mit Wahrheit, sondern mit Ideologie zu tun. Darüber hinaus ist sie voller Fehler. Reinhart und Rogoff wollten beweisen, dass Staatsverschuldung Wirtschaftswachstum killt. Basta. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Doch das Gegenteil würde den Bankern, den korrupten Politikern und ihren Wissenschaftlern weniger Millionen auf ihr Konto spülen.

Die von Thomas Herndon (Student) und seinen ProfessorInnen Pollin und Ash überarbeitete Studie von Reinhart und Rogoff wurde am 15. April 2013 online veröffentlicht. Es gab einen Medienrummel sondergleichen, der linke Kolumnist Paul Krugman nahm die Unglaublichkeit gerne in der New York Times auf. Traurig daran war, dass nur der Flüchtigkeitsfehler in der Excel-Tabelle Thema wurde statt der klaren ideologischen Gewichtung und Falschpositionierung von Zahlen nur, um eine vorgefasste Meinung «wissenschaftlich» zu «beweisen.»

Brandeins - das Wirtschaftsmagazin erster Güte - hat in seiner Ausgabe 11/2015 zum Jahresende die Geschichte zu Rogoff und Reinhart nochmals nacherzählt. Wir tun dies hier ebenso in der Hoffnung, dass sich endlich an den Wirtschaftsfakultäten etwas ändert. Denn die Koryphäen Reinhart und Rogoff haben weder die Studie noch ihren Bestseller jemals korrigiert. Der geniale Student Thomas Herndon, der mittlerweile an seiner Dissertation sitzt, bringt aber die politische Brisanz der nur vordergründigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung auf den Punkt (Zitat aus Brandeins):

«Die Sparprogramme betreffen den Alltag vieler Menschen in erheblichen Masse - doch unser Beitrag zur öffentlichen Debatte hat kein grosses Echo in Europa gefunden. Was die EU mit Griechenland macht, ist besorgniserregend. Ich weiss nicht, wie sie die Zielvorgaben jemals erreichen können, und derweil wird ihre Volkswirtschaft abgewürgt.»

Menschen glauben Lügen, selbst wenn die Lügen als Lügen entlarvt wurden. Wenn zudem die Priester der Gegenwart sich selber für unfehlbar erklären und die Politik sie selbstverständlich weiter stützt, dann werden die Lügen nicht nur Wahrheit, sondern sie füllen die Lehrbücher von morgen.

Deshalb hier ganz laut und deutlich: Die Welt ist eine Scheibe und Ökonometrie ist eine Wissenschaft.

Die Lüge, dass bei Staatsschulden über 90 Prozent des Brutto-Inlands-Produkts jedes Wachstum verunmöglichen, ist, was sie ist: Eine Lüge. Ein wissenschaftlicher Fehler. Ein Irrtum. Und sie hat seit ihrer Veröffentlichung 2010 wichtige Länder, Menschen und Volkswirtschaften ins Verderben gestürzt.


Links zum Artikel:

Die Kritik an Reinhart und Rogoff PDF der Arbeit von Thomas Herndon, in der Reinhart und Rogoff korrigiert werden.


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