Philippe Bestenheider ist ein aufsteigender Stern am
Designerhimmel. Für de Sede hat er einen Sessel sowie
ein Beistelltischchen gestaltet, die erstmals in Köln
präsentiert wurden. Damit wagt der Schweizer Hersteller
den Schritt in eine neue Richtung.
zel / Quelle: Wohnrevue / Dienstag, 2. März 2010 / 09:59 h
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit de Sede ergeben?
Ich wurde von der Firma de Sede kontaktiert. Das Briefing war
sehr offen formuliert. Sowohl für de Sede als auch für mich ist es
sehr wichtig, dass man eine Beziehung aufbaut. Wenn man sich
gut kennt, kann man viel besser miteinander arbeiten.
Gegenseitiges Vertrauen ist dabei essenziell. Für die Möbelmesse
in Mailand sind bereits weitere Neuheiten vorgesehen.
Sie leben seit Jahren in Mailand, wo Sie seit 2006 auch Ihr
eigenes Studio leiten. Ist die Zusammenarbeit mit de Sede auch
wieder ein Fussfassen in der Schweiz?
Es ist tatsächlich die erste Schweizer Firma, für die ich einen
konkreten Auftrag habe. Mit de Sede bin ich gross geworden. Der
Klassiker «DS-76» stand schon in den 1970er-Jahren bei meiner
Familie im Wohnzimmer.
Mit Ihnen wagt das traditionelle Schweizer Unternehmen einen
Schritt in eine neue Richtung. Sie prägen mit Ihrer geometrischen
Formensprache de Sede neu.
Bei diesen Entwürfen war mir vor allem wichtig, die sinnlichen
Qualitäten vom Material elegant zum Ausdruck zu bringen sowie
die hervorragenden Verarbeitungsfähigkeiten von de Sede
einfliessen zu lassen. Ich interessiere mich sehr für Geometrie
und Physik.
Mit dem geometrischen Sessel «DS-315» sowie dem Beistelltischchen
«DS-9045» von Designer Philippe Bestenheider beschreitet der Schweizer
Möbelhersteller de Sede neue Wege. /

Designer Philippe Bestenheider /

Beistelltischchen «DS-9045» /


Die Regeln, die dem Raum und der Materie
zugrunde liegen, faszinieren mich. Beim Entwerfen komme ich
gerne auf diese Grundregeln und damit auf Urformen zurück.
Wie gehen Sie beim Entwerfen vor?
Sehr oft setze ich meine Ideen in ein Modell um und tüftle direkt
daran weiter – manchmal bevor ich einen Entwurf überhaupt
gezeichnet habe. Dieses Beistelltischchen ist das beste Beispiel
dafür. Eine solche Form kann gar nicht nur im Kopf entstehen.
Hier habe ich mit Kartonmodellen gearbeitet. Allerdings schätze
ich auch 2-D-Zeichnungen, genauso wie das 3-D-Modellieren am
Computer. Ich springe innerhalb eines Entwurfs immer wieder
von der einen Darstellungsweise zur anderen. Dieses Vorgehen
habe ich mir während meines Architekturstudiums angeeignet.
Sie haben von 2001–2006 bei Patricia Urquiola gearbeitet, eine
der zurzeit erfolgreichsten Designerinnen. Wie stark hat Sie die
Zusammenarbeit geprägt?
Na ja, ich hatte zu ihr gefunden, weil ich mich sehr angesprochen
fühlte von ihrer Formensprache. Wir haben eine ähnliche Art,
die Dinge zu sehen. Sie hat mir beigebracht, dass man sich auf sich
verlassen muss und aufs Bauchgefühl hören sollte.
Redaktion und Interview: Nina Huber