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Athletissima Lausanne mit Usain BoltDie Athletissima in Lausanne wartet morgen Abend mit einer Topbesetzung auf. Neun Olympiasieger von 2008 und zwölf Weltmeister von 2009 figurieren in den Startlisten.Sascha Frey / Quelle: Si / Mittwoch, 7. Juli 2010 / 00:00 h
Die grösste Attraktion des Abends ist Sprint-Star Usain Bolt, der nach einer ausgeheilten Entzündung der Achillessehne wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen wird. Letztmals war der 23-jährige Jamaikaner Ende Mai in Ostrava über 300 m angetreten.
Der je dreifache Olympiasieger und Weltmeister (100, 200, 4x100 m) hat seine Pläne für die Athletissima jedoch kurzfristig geändert. Bolt wird nicht wie bei seinen bisherigen Teilnahmen über 200 m starten, sondern über 100 m. Damit will er weitere Verletzungen verhindern. Bisher ist er in diesem Jahr einmal über 100 m gelaufen. In Daegu (SKor) errreichte er 9,86 Sekunden. Die Jahreswelbestzeit hält Landsmann Asafa Powell mit 9,82 inne.
Ein «A-Feld» für Bolt Das 100-m-Rennen ist in Lausanne keine Diamond-League-Disziplin; ursprünglich war lediglich ein B-Wettkampf geplant. Wegen Bolts Umdisposition wurde eiligst noch ein «A-Feld» auf die Beine gestellt und der Zeitplan des Meetings angepasst. Dass die Veranstalter alles Mögliche für den grossen Fussball- und Basketball-Fan -- an der WM in Südafrika hatte er Argentinien die Daumen gedrückt -- machen, ist nichts als logisch. Denn Lausanne gehört zu den Lieblings-Meetings des Weltleichtathleten der vergangenen beiden Jahre, weshalb er bereits im letzten September die Zusage gab. Zwar soll der am Montag angereiste Bolt die Buchhaltung etwas mehr belasten als im Vorjahr, doch Athletissima-Patron Jacky Delapierre sagte: «Er kostet mich kein Geld, er bringt Geld.» Man müsse nur Ideen haben. Beispielsweise legt der Weltrekordhalter über 100 und 200 m heute Abend von 18.45 bis 19.45 Uhr auf der Place de la Navigation in Ouchy als DJ auf, wie er das im vergangenen Jahr schon im Zürcher Hauptbahnhof machte.Weiterer Exploit von Rudisha? Im Langhürden-Rennen der Männer werden die Zuschauer sämtliche Medaillengewinner der Olympischen Spiele in Peking und der letztjährigen Weltmeisterschaften in Berlin zu sehen bekommen. Im Speerwerfen der Männer treten die ersten drei von Peking an, im Stabsprung der Männer sind die ersten drei von Berlin angekündigt. Zudem läuft bei den Frauen über 3000 m das komplette WM-Podest des 5000-m-Rennens. Neben Bolt sind mit dem kubanischen Kurzhürdler Dayron Robles und dem für Katar startenden Steeple-Läufer Saif Saaeed Shaheen zwei weitere Weltrekordhalter vorgesehen. Sehr gespannt sein darf man auf den Auftritt von David Rudisha über 800 m. Dem erst 21-jährigen Kenianer wird das Potenzial attestiert, die 1997 vom Dänen Wilson Kipketer aufgestellte Weltbestmarke von 1:41,11 unterbieten zu können. Anfang Juni realisierte er beim Diamond-League-Meeting in Oslo mit 1:42,04 die achtbeste je gelaufene Zeit über diese Distanz. Im September 2009 war Rudisha in Rieti gar noch um drei Hundertstel schneller gewesen. Zum Vergleich: Die Bestleistung des zurückgetretenen André Bucher beträgt 1:42,55.Jubelt Usain Bolt auch in Lausanne? / Foto: EQ Images
Rudisha wird in Lausanne unter anderen von Weltmeister Mbulaeni Mulaudzi (SA) und vom WM-Zweiten Alfred Kirwa Yego (Ken) gefordert. Schweizer nur Randprogramm Die Schweizer spielen -- wie gewohnt an einem Meeting dieser Grössenordnung -- nur eine marginale Rolle. Einzig der bereits für die EM in Barcelona (27. Juli bis 1. August) qualifizierte Marc Schneeberger (200 m) sowie Clélia Reuse (Weit) fanden im Hauptprogramm Unterschlupf. Reuse bietet sich eine ideale Gelegenheit, das EM-Ticket zu lösen. Dafür muss sie ihre Saisonbestmarke von 6,35 m um 20 Zentimeter steigern. Dazu kommt noch ein Schweizer, der voraussichtlich im 100-m-Rennen der Männer (A-Serie mit Bolt) starten darf.Gutes Beziehungsnetz Gemäss Jacky Delapierre war es ein grosser Kampf, dass Lausanne in der neu geschaffenen Diamond League aufgenommen wurde. Dadurch steigen die Einnahmen, beispielsweise bei den Fernsehgeldern. Allerdings erhalten nicht alle 14 Meetings gleich viel aus dem Pot. Die Ausgaben sind jedoch ebenfalls höher, das Budget stieg von 3 auf 3,8 Millionen Franken. Dazu kommen noch Sachleistungen in der Höhe von etwa einer Million Franken. Delapierre bezeichnete dieses Jahr als finanziell «nicht so attraktiv.» Unter dem Strich stünden ihm netto 100'000 bis 150'000 Franken mehr zur Verfügung. Danach werde es lukrativer. Dass die Athletissima eine dermassen starke Besetzung aufweist, verdankt sie in erster Linie dem guten Beziehungsnetz von Delapierre, der auch noch sechs Generalagenturen der Vaudoise Versicherungen leitet. Der 58-Jährige unternahm wegen der Leichtathletik viele Reisen und konnte wichtige Kontakte mit Athletinnen und Athleten knüpfen. Da er nicht mehr ewig Patron des Meetings sein will, bereitet er seine Nachfolge vor. So wurde neu der ehemalige Mittelstrecken-Läufer Olivier Gloor eingestellt; dieser soll allerdings zunächst einmal in die ganze Materie eingeführt werden, ehe er operationell tätig wird. «Er muss lernen», betonte Delapierre. Finanziell ist die Athletissima bis 2014 gesichert. Ab 2015 soll der Event in einem neuen Stadion ausgetragen werden. «Dieses wird gebaut, das ist sicher», so Delapierre. Baubeginn ist Mitte 2013, wenn alles gut läuft.
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