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Abdankungsfeier für Lieberherr: «Bleibendes Vorbild»

Zürich - Im Zürcher Grossmünster haben am Mittwochnachmittag Hunderte an einer Trauerfeier von der Politikerin Emilie Lieberherr Abschied genommen. Gewürdigt wurde ihr Wirken von Stadtpräsidentin Corine Mauch sowie den alt Stadträten Monika Weber und Hans Frick.

ht / Quelle: sda / Mittwoch, 12. Januar 2011 / 16:14 h

Den Weg ins Grossmünster hatten auffallend viele ältere Frauen und Männer gefunden. Aber auch der Zürcher Stadtrat erwies Lieberherr vollzählig die Ehre. Ebenso fanden sich die ehemaligen Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber und Josef Estermann sowie politische Weggefährten ein. Einer von ihnen, alt Stadtrat Hans Frick, kannte Lieberherr seit 1970 und war ihr und ihrer Lebensgefährtin Minnie Rutishauser seither freundschaftlich verbunden. Der ehemalige Polizeivorsteher fand in seiner Ansprache deshalb auch sehr persönliche Worte. Es sei ihm bewusst, dass Lieberherr während ihrem Spitalaufenthalt den Wunsch nach einer möglichst kleinen Trauerfeier geäussert habe, sagte Frick. Aber er hoffe auf ihr Verständnis. Frick zeichnete ein Bild von Lieberherr, das sie als gute Kollegin im Stadtrat zeigte, als begeisterte Gärtnerin im Garten ihres Hauses in Wil, als Frau, die stolz war auf ihre Heimat, ihre Herkunft und was sie aus ihrem Leben gemacht hatte.

«Kämpferin mit Humor»

Eine sichtlich gerührte Monika Weber, von 1982-1987 Nationalrätin, 1987-1998 Ständerätin und 1998-2006 Stadträtin von Zürich, würdigte Lieberherr für ihre Arbeit in Konsumentenfragen und ihren Einsatz für das Frauenstimmrecht - unter anderem mit dem «Marsch nach Bern». Wenn dieses nicht angenommen werde, würden Frauen keine Steuern mehr bezahlen, soll Lieberherr gemäss Weber einst gesagt haben. In ihrer fünfjährigen Arbeit im Ständerat sei Lieberherr in verschiedensten Kommissionen tätig gewesen. Bei den Verhandlungen über das neue Ehe- und Güterrecht 1981 soll sie gesagt haben: «Ich hoffe, dass die Männer auch ein Herz haben, und ich möchte den Männern wünschen, zuzugeben, dass auch die Frauen einen Kopf haben.» Dieses Zitat sorgte in der Trauergemeinde für verhaltenes Lachen. Und Weber betonte, dass auch Lieberherr «wunderbar lachen konnte». Sie habe Humor gehabt, auch wenn sie für ihre Sache hartnäckig gekämpft habe.



Elmar Ledergerber kommt zur Trauerfeier von Emilie Lieberherr. / Foto: EQ Images

Gekämpft habe Lieberherr stets für die Schwächeren in der Gesellschaft und sich für mehr Gerechtigkeit eingesetzt.

«Lange dankbar»

Wie Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch ausführte, hat Emilie Lieberherr «für die Menschen dieser Stadt viel getan und für sie viel erreicht.» Sie habe gewusst, was die Menschen wollten. «Und dafür sind ihr zahllose Menschen noch lange dankbar.» Mauch wies insbesondere auf Lieberherrs Verdienste in der Alimentenbevorschussung sowie in der Drogen- und Alterspolitik hin. So habe sie als Stadtpräsidentin bisher keinen Besuch in einem Altersheim oder an einer Altersveranstaltung erlebt, bei der nicht Lieberherrs Name gefallen wäre - «immer umwoben von einer Art freudiger, liebevoller Ehrfurcht», sagte Mauch.

Engagement für die Schwächeren

Lieberherr sei ein Vorbild gewesen und werde es auch nach ihres Todes bleiben, sagte Monika Weber. Als Lieberherrs Vermächtnis bezeichnete Weber die Einstellung, «dass eine eine Demokratie und eine Gesellschaft nur so gut ist, wie sie und ihre Einwohner zu den Schwächeren schauen». Die ehemalige Zürcher Stadträtin verstarb am 3. Januar im Alter von 86 Jahren an einem Nierenversagen. Lieberherr war schweizweit bekannt als Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht und eine Pionierin in verschiedenen politischen Ämtern. Lieberherr wurde am 14. Oktober 1924 in Erstfeld UR geboren.

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