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Birma: «Technik ist die wertvollste Waffe»

Oslo - Anders als bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung vor fast 20 Jahren erfährt die Welt derzeit ausführlich von den Protesten in Birma - vor allem dank privater Mobiltelefone und des Internets.

fest / Quelle: sda / Donnerstag, 27. September 2007 / 14:22 h

Auch wenn die Informationen manchmal nur schleppend langsam übermittelt werden, sind Aktivisten vielfach die einzige Quelle für die dramatischen Ereignisse in dem südostasiatischen Land. Die Militärjunta hat nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen daher schon mehrere Handy-Verbindungen kappen lassen. Von Birma gesehen auf der anderen Seite der Welt, in der norwegischen Hauptstadt Oslo, laufen die übermittelten Informationen bei einem kleinen Sender ein: Die 1992 von Exilbirmanern gegründete Demokratische Stimme Birmas gibt die Nachrichten über Satellitenfernsehen und Kurzwellenradio weiter. Bilder und Informationen über die Proteste könnten fast in Echtzeit weitergegeben werden, sagt Chefredakteur Aye Chan Naing. Dadurch könne die Welt, anders als 1988, die Proteste heute über Fernsehberichte und Standbilder verfolgen.

Bilder im Internet

Bei Exilbirmanern gingen E-Mails mit dramatischen Bildern ein, und Journalisten erhielten Handy-Anrufe, sagt Naing weiter. Hunderte Bilder würden ausserdem einfach ins Internet gestellt, und die Menschen in Birma über Kurzwellenradio informiert. Im Gegensatz zu 1988 gebe es heute jede Menge technischer Möglichkeiten, um Nachrichten aus Birma zu übermitteln, sagt Vincent Brossel von Reporter ohne Grenzen. Die Menschen könnten anhand von Fotos und Videos beweisen, was bei den Protesten vor sich gehe. «Technik ist die wertvollste Waffe, die man bei solchen pazifistischen Kämpfen einsetzen kann», erklärt Brossel. Aung Zaw vom unabhängigen Magazin «Irrawaddy» in Thailand erklärt, 1988 habe es «Tage, manchmal Wochen, sogar Monate» gedauert, um Bilder aus Birma zu übermitteln.

Es geht alles schneller

Heute gehe alles deutlich schneller: «Die Welt weiss nicht, wo Birma ist. Jetzt sehen sie Bilder von der Situation (dort) und wollen mehr wissen. Das ist ein grosser Unterschied zu 1988», sagt der Redakteur. Naing von der Demokratischen Stimme Birmas betont, dass die neuen technischen Möglichkeiten äusserst wichtig seien. Wie seine 30 bis 40 «geheimen Reporter» arbeiten, will er aber nicht genau sagen: Denn wer in Birma offen als Journalist arbeitet, könnte festgenommen werden.



Freunde, Bekannte und Journalisten in aller Welt werden über Handy auf dem Laufenden gehalten. / Foto: Comstock



Kurz nach den ersten Protesten flimmerten schon Bilder bei YouTube. / Foto: youtube.com

«Mobiltelefone sind entscheidend. Mobiltelefone sind der Weg, über den sie (unsere Leute) von vor Ort berichten können», erklärt der frühere Student der Zahnmedizin.

Handy-Verbindungen gekappt

Am Morgen hätten die Streitkräfte einige Mobiltelefone abschalten lassen, sagt Naing. Zuvor hatten Aktivisten von fünf Toten beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten am Mittwoch berichtet - die Regierung sprach von mindestens einem Toten und drei Verletzten. Brossel sagt, die Militärjunta bemühe sich, den Informationsfluss zu stoppen, indem Internetverbindungen verlangsamt und Handy-Verbindungen gekappt würden. Schon am Mittwoch hätten lahme Verbindungen das Verschicken von Fotos und Videos erschwert.

Internet-Cafés geschlossen

Viele Internetcafés - nur wenige Birmaner haben einen Online-Anschluss zuhause - seien geschlossen worden, berichtet der Mitarbeiter von Reporter ohne Grenzen. Die Opposition arbeite inzwischen aber mit Satellitentelefonen, mit denen Zensur, Firewalls und andere Restriktionen umgangen werden könnten. Aber nicht nur die Kommunikation ins Ausland, sondern auch die Informationsvermittlung innerhalb Birmas sei wichtig, sagt Aung Din von der Organisation U.S. Campaign for Birma in Washington. Studenten tauschten mit Hilfe von SMS Informationen aus, über Handy würden Demonstrationen organisiert und Mitstreiter über den Standort von Soldaten informiert.

Nie voll kontrollierbar

Die häufig beschlagnahmten Handys hätten sich als unschätzbarer Wert erwiesen, sagt auch Soe Aung vom National Council of the Union of Birma, einer in Thailand ansässigen Vereinigung von Oppositionsgruppen. Die Birma-Expertin Mary Callahan von der University of Washington erklärt, 1988 hätten die Streitkräfte einfach Bahnverbindungen stilllegen, Strassensperren errichten und Telefonverbindungen kappen und damit die Organisation der Proteste erheblich erschweren können. Heute könnten die Demonstranten mit Hilfe von Internet und Handys «intern und extern Unterstützung mobilisieren». Die Junta könne die technischen Möglichkeiten nicht völlig kontrollieren, ist auch Din überzeugt. «Und es macht einen grossen Unterschied, wenn man Information schnell übermitteln kann.»

Links zum Artikel:

YouTube Videos vom Protest in Birma.


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