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Fussball-Spektakel in Lyon - Remis hilft keinem weiter

Für die Trainer war es der Horror, für die Zuschauer im Stadion und vor dem TV das Vergnügen in Reinkultur: Das 5:5 im Spitzenspiel zwischen Olympique Lyon und Olympique Marseille war beste Werbung für die als (zu) defensiv bezeichnete Ligue 1.

pad / Quelle: Si / Montag, 9. November 2009 / 15:33 h

Eine interessantere Affiche hätte sich der französische Bezahlsender Canal+ für das offizielle 25-Jahre-Jubiläum nicht aussuchen können. Es spielte der Meister von 2002 bis 2008 gegen den beliebtesten Verein des Landes: OL vs. OM, das Duell der «Olympiques». Zu sehen bekamen die mehreren Millionen TV-Zuschauer das torreichste Spiel in der höchsten Liga Frankreichs seit einem 3:7 zwischen Nîmes und Metz Ende April 1984, Trainer, deren Gesichtsausdrücke die komplette Bandbreite an Gefühlen zeigten und Fans, die am Ende nicht wussten, ob sie jubeln oder weinen sollten. Für Canal+ war das Spektakel ein Glücksfall. In einer Abstimmung unter den Abonnenten erhielt die Partie 18,35 von 20 möglichen Punkten und damit ein so hohes Rating wie noch kein einziges Ligue-1-Spiel.

Schlussphase - besser geht's nicht

Auch andere französische Medien nahmen die «Goleada» dankend auf. «Sie verdienen sich einen Eintrag in den Geschichtsbüchern», titelte etwa die Sportzeitung «L´Equipe», in der Online-Ausgabe hiess es «Das war Weihnachten im November». Wann sonst gibt es in den letzten zehn Minuten einer Partie, die auf beide Seiten (vom 2:4 via 5:4 zum 5:5) kippen kann, fünf Tore zu bestaunen? Bei Luzern - Basel (4:5) vor gut zwei Wochen waren es «nur» vier Treffer gewesen... was sich natürlich auch mehr als sehen lässt.

Fussball, nichts als Fussball

Gewiss: Von Sochaux´ 12:1-Rekordsieg gegen Valenciennes aus dem Jahr 1935 (7 Tore des Schweizers Trello Abegglen) war der «choc de L1» zumindest resultatmässig relativ weit entfernt. Doch zehn Tore im Duell zweier Klubs mit dem Anspruch auf den Meistertitel bekommt der Fan in der Gegenwart selten bis nie zu sehen. Entsprechen euphorisch berichtete die Online-Ausgabe der «L´Equipe» von einem 5:5 «ohne Polemik wegen Schiedsrichter-Entscheiden, ohne Platzverweis. Das war Fussball, nichts als Fussball, mit einigen Fehlern, aber viel Talent und einem nicht zu stillenden Siegesdurst.»

Werbung für den Fussball

Mindestens so ambivalent wie die Fans haben sich die beiden Trainer Claude Puel (Lyon) und Didier Deschamps (Marseille) gefühlt. «Das war ein spektakuläres Spiel, das kann man nicht verneinen.



Tore am Fliessband in Lyon: Auch ohne Benzema, der Lyon in Richtung Madrid verlassen hat. / Foto: EQ Images

Ich glaube, die Zuschauer haben es geschätzt. Aber als Trainer... Ich zweifle, dass es Puel gefallen hat», urteilte Deschamps. Nach dem 6:1 gegen Zürich in der Champions League zeigte seine Equipe ihr ausserordentliches Offensivpotenzial auch gegen Dauerrivale Lyon auf. Allerdings mit einem Einwand des Coachs, der laut Spielerangaben in der Kabine getobt hat. «Wenn man sechs Tore erzielen muss, um auswärts zu gewinnen, ist es schwierig.» Puel bemühte nach der verpassten Übernahme der Leaderposition den Humor. «Jetzt können die Journalisten schreiben was sie wollen. Das war Werbung für den Fussball.» Leicht gequält lächelnd sagte er weiter: «Gut, ich habe unsere Tore schöner gefunden als jene von Marseille. Vielleicht werde ich später bei nüchterner Betrachung sagen, dass mir das Spiel gefallen hat.»

Trefferquote steigt

Statisisch betrachtet bestätigte das torreichste Spiel seit 26 Jahren einen Trend in der Ligue 1. Im Gegensatz zu anderen europäischen Spitzenligen wie der Serie A, der Bundesliga oder der Primera Division ist die durchschnittliche Anzahl Treffer pro Spiel in dieser Saison markant gestiegen. Bislang wurden 199 Tore erzielt, was einen Schnitt von 2,58 (2008/09: 2,26) ergibt. Der Fussball in Frankreich befindet sich vor allem dank der offensiveren Ausrichtung der Spitzenteams auf gutem Weg, den Ruf als langweilige Liga mit 0:0 «à discrétion» loszuwerden.

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