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Joja Wendt: «Klavier spielen ist mein Leben»

Der deutsche Jazz-Pianist und Komponist Joja Wendt hat in Zürich im renommiertem Konzertsaal Kaufleuten sein erstes Konzert auf Schweizer Boden gegeben. Mit news.ch hat der Pianist über das Schweizer Publikum, die Leidenschaft am Klavier und die harte Arbeit dahinter gesprochen.

Seraina Lutz / Quelle: news.ch / Donnerstag, 29. April 2010 / 15:21 h

news.ch:

Herr Wendt, Sie hatten am vergangenen Wochenende zwei Konzerte in der Schweiz. Wie wars?

Joja Wendt:

Grossartig! Die Konzerte haben unglaublich viel Spass gemacht und die Resonanz war überwältigend.

news.ch:

Und wie hat Ihnen das Schweizer Publikum gefallen?

Joja Wendt:

Die Schweizer sind anscheinend äusserst begeisterungsfähig.

news.ch:

Dann kommen Sie gerne wieder in die Schweiz?

Joja Wendt:

Ja natürlich.

news.ch:

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Konzerte vor?

Joja Wendt:

Intensives Üben. Vor jeder Tour und an jedem Abend noch zwei Stunden einspielen. Es ist im Grunde nicht viel anders als bei einem Leistungssportler.

news.ch:

Das heisst, nichts geht ohne üben. Sie spielen alles auswendig. Talent oder harte Arbeit?

Joja Wendt:

Das Auswendiglernen ist mir persönlich immer recht leicht gefallen. Aber nichts kommt von alleine. Man muss die Dinge trotzdem lernen. Also «Arbeit» gehört dazu.

news.ch:

Sie spielen alle Konzerte auswendig. Ich habe gelesen, dass Sie Zwischenstück einstudiert haben, falls Sie mal ein Blackout haben. Wie funktioniert das genau und wie finden Sie wieder ins Programm zurück?

Joja Wendt:

Ich habe bei jedem Stück Stellen, an denen ich wieder einsteigen kann, wenn etwas schief geht. Das heisst, sollte ich mal rausfliegen und wirklich nicht mehr weiter wissen, benutze ich einfach den nächsten Einstiegspunkt.

news.ch:

Und haben Sie Lampenfieber vor einem Konzert?

Joja Wendt:

Glücklicherweise kenne ich kaum Lampenfieber das mich paralysiert. Allerdings gehört ein wenig Druck dazu, um sich gut konzentrieren zu können.

news.ch:

Also trinken Sie kein Glas Wein zur Beruhigung?

Joja Wendt:

Nein, Alkohol ist während einer Tournee tabu. Man wird davon zu müde.



Joja Wendt heisst mit bürgerlichem Namen Johan. /



Übt mehrere Stunden täglich: Joja Wendt. /



Joja Wendt spielt alle seine Konzerte auswendig. /



Erobert das Publikum mit seiner Freude am Spielen. /



«Klavier spielen ist mein Leben», so der Pianist. /



Der Pianist kommt gerne wieder in die Schweiz. /

Aber Sport zum Beispiel joggen ist ein guter Ausgleich.

news.ch:

Sehr diszipliniert. Und wie fühlen Sie sich nach einem Konzert?

Joja Wendt:

Für zwei Stunden bin ich noch putzmunter. Dann bekomme ich die nötige Bettschwere.

news.ch:

Kommen wir zu Klavierspielen im Allgemeinen. Macht es Ihnen immer Freude zu spielen?

Joja Wendt:

Natürlich! Klavier spielen ist mein Leben.

news.ch:

Aber es gibt sicher auch Tage an denen Sie keine Lust haben zu spielen?

Joja Wendt:

Sehr selten. Es ist im Gegenteil eher so, dass wenn ich nicht spiele, dann komme ich auf Entzug.

news.ch:

Wie viele Stunden üben Sie in der Woche?

Joja Wendt:

Das ist unterschiedlich. Vor einer Tournee circa sechs bis acht Stunden am Tag und während der Tournee möglichst zwei bis vier Stunden täglich?

news.ch:

Übung macht den Meister. Oder was braucht es Ihrer Meinung nach um ein guter Klavierspieler zu werden?

Joja Wendt:

Vor allem die Freude am Klavier spielen.Eine gewisses musikalisches Talent und eine gute Feinmotorik ist allerdings hilfreich.

news.ch:

Was würden Sie einem 10-jährigen Jungen raten, der den Wunsch hat Pianist zu werden?

Joja Wendt:

Er soll sich gut überlegen, ob der Enthusiasmus reicht um Profi zu werden. Die wirtschaftliche Zukunft ist sehr ungewiss. Es gibt kaum einen Beruf, in dem die Konkurrenz so gross ist und die Aussicht auf Erfolg so gering. In der Regel steht bei einem Pianisten der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag.

news.ch:

Tönt nach einem harten Kampf. Was sind denn Ihre Pläne für die Zukunft?

Joja Wendt:

Ich würde gern die Gattung «Klavierkonzert» aus seinem Schneewittchen-Schlaf wecken. Jeder soll wissen, wie abwechslungsreich und unterhaltsam und dabei trotzdem hochklassig ein Klavierabend sein kann. Es muss auch nicht immer Klassik sein. Der Jazz, Boogie Woogie oder auch die Popmusik sind ein weites Feld und alles kann man auf dem Klavier spielen.

news.ch:

Und wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Joja Wendt:

Ich hoffe bis dahin einem breiten Publikum, auch Leuten die ansonsten niemals damit in Berührung gekommen wären, von der Vielseitigkeit des Klavierkonzertes überzeugen zu können. Es ist ein absolutes Muss für jedermann.

 

 


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