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Eishockey: Der Meister startet als Topfavorit

Die Schweizer Eishockey-Meisterschaft startet am Freitag/Samstag mit einer Doppelrunde und Titelverteidiger Bern als haushohem Favoriten.

sl / Quelle: Si / Mittwoch, 8. September 2010 / 15:44 h

Wer soll den SCB stoppen? Diese Frage stellt sich die Konkurrenz, nachdem die Berner im Frühling endlich ihr langes Playoff-Trauma überwunden haben. Kann der SC Bern nun mit mehreren Titelgewinnen sogar eine neue Dynastie aufbauen? Kann der Genève-Servette HC die sensationelle letzte Saison wiederholen, in der ihm der Titelgewinn erst im siebenten Spiel des Playoff-Finals verwehrt wurde? Bleibt der HC Davos ein Spitzenteam? Können Ambri-Piotta, Langnau und Biel wirtschaftlich überleben? Diese Fragen stehen vor der Saison im Raum. Keine Heim-WM (wie 2009) und keine Olympischen Winterspiele (wie 2010) drängen diese Saison den Meisterschaftsbetrieb aus dem Scheinwerferlicht. Sorgen bereiten der Liga die Finanzen, die nicht nur Ambri, Biel und Langnau nicht immer im Griff haben. Kloten hat das Ausgabenbudget in den letzten Jahren um fast drei Millionen Franken überzogen. Regelmässig schwarze Zahlen schreibt nur der SC Bern. Die Klubs treiben die Spielergehälter gegenseitig in schwindelerregende Höhen -- und büssen jetzt dafür.

Prominente Rückkehrer

Das sportliche Gehalt der Meisterschaft litt bislang noch nicht unter dem manchmal fragwürdigen Verhalten der Manager. Aber die NLA entwickelt sich zu einer Mehrklassen-Gesellschaft. Zuoberst thront als Primus der Meister SC Bern. Der EV Zug mit neuem Stadion und neuer Vorwärtsstrategie führt das Feld der Verfolger an, zu denen auch die ZSC Lions, die Kloten Flyers, Genéve-Servette und Davos unbedingt gehören wollen. Die dritte Klasse bilden Lugano, Fribourg und die Rapperswil-Jona Lakers, die primär von der Playoff-Qualifikation sprechen. Die drei «Kleinen» (Ambri, Biel, Langnau) müssen mit Blick auf die Finanzen hoffen, möglichst lange in Tuchfühlung mit Platz 8 zu bleiben. Das sommerliche Treiben der Klubs stand unter dem Motto «berühmte Rückkehrer». 22 neue Ausländer wurden verpflichtet, zehn von ihnen waren schon früher mindestens einmal in der National League tätig. Der EV Zug holte von den Montreal Canadiens den Kanadier Glen Metropolit, der vor fünf Jahren als NLA-Topskorer den HC Lugano zum Meistertitel geführt hatte. Der HC Davos engagierte Petr Sykora, den Scharfschützen des Meisterteams von 2009. Und Cristobal Huet hütet neu das Tor von Fribourg-Gottéron. Auch Cory Murphy, Martin Kariya, Yanick Lehoux, Brandon Reid, Laurent Meunier, Ben Clymer, Ahren Spylo (früher Ahren Nittel) kehrten in die Schweiz zurück.

Bern: Schwieriger Weg zur Titelverteidigung

Der SC Bern startet zwar als erster Anwärter auf den Titel in den Meisterschafts-Marathon, wird sich aber mit den gleichen Problemen konfrontiert sehen wie die Meister vor ihm. Zehn Jahre ist es her, seit dem ZSC die erfolgreiche Titelverteidigung gelungen ist. Der Abgang von Roman Josi wird eine Lücke hinterlassen. Dennoch scheinen die Berner mit Ryan Gardner (vom ZSC) und Christian Dubé (war letzte Saison meist verletzt) eher noch stärker besetzt als letzte Saison.

Zug: Aufbruchstimmung

Verstärkt hat sich auch der EV Zug, der mit dem neuen Stadion neue Massstäbe für Schweizer Sportstadien setzt. Metropolit ersetzt Dale McTavish. In der Offensive verteilt sich die Verantwortung nach der Rückkehr von Corsin Casutt, Sven Lindemann und Fabian Sutter auf mehrere Schultern. Letzte Saison beendete Zug die Qualifikation auf Platz 3. In den Playoffs schafften es die Innerschweizer bis in die Halbfinals.

Davos: Wegweisende Saison

Vor einer wegweisenden Saison steht der HC Davos.



Die Berner sind ein eingeschworenes Team. / Foto: EQ Images

Im Frühling laufen die Verträge von Arno Del Curto (Trainer seit 1996) und 15 Spielern aus. Josef Marha verzichtete auf die Rückkehr in die Heimat und hängt noch eine Saison an. Davos vertraut jetzt wie in den Playoffs 2007 ausschliesslich auf Söldner aus Tschechien und der Slowakei (Sejna).

Genève-Servette HC: Ziel Titelgewinn

Auf nur wenigen Positionen wurde die erfolgreiche Equipe des Genève-Servette HC verändert. Mit der Verpflichtung des NHL-Verteidigers Brian Pothier (Carolina) dürfte die stärkste Verteidigung der letzten Saison noch solider geworden sein. Für Servettes Chef Chris McSorley zählt nach zwei verlorenen Finals in drei Jahren nur eines: der Titelgewinn. McSorley fand ausserdem mit Eric Walsky einen Amerikaner mit Schweizer Pass, der das Söldner-Kontingent nicht belastet.

ZSC Lions: Ambühls Rückkehr

Die ZSC Lions versprechen sich von der Rückkehr von Andres Ambühl einiges. Die Zürcher verstärkten mit ausländischen Backs (Westcott, Murphy) und zwei Defensivstürmern (Paterlini, Thomas Ziegler) die Defensive. Lukas Flüeler soll sich im Tor beweisen können. Ari Sulander soll bei den GCK Lions starten -- zumindest bis er den Schweizer Pass erhält.

Kloten Flyers: Ohne Wick

Die Kloten Flyers müssen Roman Wick ersetzen, der sich in der NHL versuchen will. Mit Romano Lemm, Eric Blum und Matthias Bieber holten die Klotener drei Spieler, die letzte Saison alle zu Nationalmannschafts-Einsätzen kamen. Schiesst Kimmo Rintanen auch in seiner zehnten Saison in Kloten noch die wichtigen Tore?

Fribourg: Huet ersetzt Caron

Nach der Transferoffensive von 2009 hielt sich Gottéron auf dem Markt im Sommer vornehm zurück. Gerade weil nicht allzu viele Wechsel vorgenommen wurden, dürfte Fribourg eher stärker abschneiden als letzte Saison (Platz 7). Und wenn Goalie Cristobal Huet dereinst den Schweizer Pass erhält, wird niemand im Freiburgerland dem abtrünnigen Sébastien Caron nachweinen.

Lugano: Auf dem Papier schwächer

Neue Werte sollen in Lugano gelten. Coach Philippe Bozon steht ein weniger namhaftes Kader als auch schon zur Verfügung. Mit harter Arbeit, Leidenschaft und Aufopferung wollen die Tessiner auf die Erfolgsstrasse zurückfinden.

Ambri: Hoffnung auf Kariya/Lehoux

Auf die Prinzipien «harte Arbeit», «Leidenschaft» und «Aufopferung» setzte in der Vergangenheit vor allem Kantonsrivale Ambri-Piotta. Die Hoffnungen der Leventiner ruhen auf dem neuen Sturmduo Yanick Lehoux/Martin Kariya, das in den Testspielen gewaltig gewirbelt hat. Dennoch bleibt Ambri, der Letzte der letzten Qualifikation, ein klarer Playout-Anwärter.

Rapperswil-Jona: Neustart am Obersee

Einen Neustart versuchen auch die Lakers. Trainer Christian Weber holte zehn neue Spieler. Im Gegensatz zum Vorjahr, als sich Rapperswil-Jona als Transfersieger wähnte, verpflichteten die St. Galler diesmal mehr Quantität als Qualität. Qualifizieren sich die Lakers für die Playoffs, wäre das ein Überraschungscoup.

Biel: Schläpfers Mission

Auch der EHC Biel dürfte sich Ende Februar in den Playouts wiederfinden. Sportchef Kevin Schläpfer führt nun die Equipe von Anfang an als Trainer, nachdem er in den letzten zwei Saisons als «Feuerwehrmann» eingesprungen ist und beide Male den Ligaerhalt erst im siebenten Spiel der Ligaqualifikation geschafft hat.

Langnau: Ziel Ligaerhalt

Das womöglich schwächste Kader der Liga stellen die SCL Tigers. John Fust wechselte aus der NLB von Visp als Trainer zu Langnau und kompensierte die Abgänge der Internationalen Bieber, Blum und Sutter mit NLB-Akteuren. Trotz der Last-Minute-Verpflichtung von Daniel Steiner, der in der letzten letzte Saison in Nordamerika gespielt hat, muss Langnau primär einen Weg finden, den Klassenerhalt zu schaffen.

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