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Vom Sturzfestival in die PyrenäenSelten hat in der Tour de France die erste Woche so viele Sturzopfer gefordert wie diesmal. Unter den Favoriten hingegen herrschte eine Art Waffenstillstand. In den Pyrenäen müssen sie endlich Farbe bekennen.joge / Quelle: Si / Montag, 11. Juli 2011 / 10:46 h
So präsentiert sich die Liste der Fahrer, die als Folge eines Sturzes zum Ausscheiden gezwungen waren: Jurgen van de Walle (Be/, 4. Etappe), Janze Brajkovic (Sln/5.), Ivan Velasco (Sp/5.), Tom Boonen (Be/7.), Bradley Wiggins (Gb/7.), Rémi Pauriol (Fr/7.), Chris Horner (USA/7.), Beñat Intxausti (Sp/8.), Amets Txurruka (Sp/9.), Pawel Brutt (Russ/9.), Jurgen van den Broeck (Be/9.), Alexander Winokurow (Kas/9.), David Zabriskie (USA/9.) und Fredrik Willems (Be/9.). Eine noch weit grössere Zahl an Fahrern lag ein- oder mehrmals am Boden, war aber glücklicherweise in der Lage, die Rundfahrt mit kleineren Blessuren fortzusetzen.
Das wirft die Frage nach den Gründen auf, weshalb es zu so vielen und so schwerwiegenden Zwischenfällen kommen konnte.
Da ist in erster Linie die Bedeutung der Tour de France zu nennen. Sie ist die wichtigste Rundfahrt der Welt. Das heisst, dass auch die Fahrer unter einem besonderen Druck stehen und ihre Arbeit um beinahe jeden Preis erfüllen müssen. Deshalb zwängen sie sich in Lücken, wo eigentlich gar keine sind. Möglicherweise ist auch der Respekt vor den Gegnern geringer geworden. Es fällt aber auch auf, dass es auch Fahrer gibt, die sich aus dem Getümmel herauszuhalten vermögen. So beispielsweise Cadel Evans, der sich von einer von Michael Schär und Marcus Burghardt angeführten Leibgarde schützen lasst.
Feld nicht zu gross Mit 22 Sportgruppen zu neun Fahrern ist das Feld der Tour de France nicht zu gross. Und dass die Organisatoren nicht nur die grossen Hauptverkehrsadern, sondern auch kleinere Strassen für die Streckenführung wählen, ist nachvollziehbar. Die Routes départementales mögen ein Feld von 198 Fahrern 'schlucken'. Aber ob sie über das Fassungsvermögen für den überdimensionierten Tross der Tour de France verfügen, das ist eine andere Frage. Die 'grosse Schleife' ist schon vor vielen Jahren zu einem Moloch geworden. Jeden Tag bewegen sich an die 6000 Personen von einem Ort zum nächsten. Selten hat in der Tour de France die erste Woche so viele Sturzopfer gefordert wie diesmal. / Foto: EQ Images
Dass sich bei einem solchen Wanderzirkus von drei Wochen Dauer nicht eine grössere Anzahl von Unfällen ereignet, ist mehr als verwunderlich. Die Reklamekolonne beispielsweise besteht aus über 200 Fahrzeugen und noch immer werden die Werbegeschenke den Zuschauern aus den fahrbaren Untersätzen zugeworfen - eine Gefahrenquelle sondergleichen. Contador lag ein par mal am Boden Unter den im Rennen verbliebenen Favoriten herrschte eine Woche lang der Status quo. Alberto Contador blieb auf seinen rund anderthalb Minuten Rückstand sitzen, den er sich am ersten Tag durch seine Verwicklung in einen Massensturz und im Mannschaftszeitfahren eingehandelt hatte. Bemerkenswert war, dass der dreifache Sieger der Tour de France zwei weitere Male am Boden lag, zuletzt am Sonntag in der 9. Etappe. Dem Selbstvertrauen des Madrilenen wird dies nicht unbedingt förderlich gewesen sein. Contador erachtet es indessen nicht als zwingend, schon in den Pyrenäen darauf auszugehen, seinen Rückstand zu reduzieren: «Es hängt von den Umständen ab, wie ich mich verhalten werde. Und in den Alpen kann es weit grössere Zeitdifferenzen geben als in den Pyrenäen.» Nach zwei Überführungsetappen gelangen die Fahrer in die Pyrenäen. Dort wird zwar noch nicht der Sieger dieser Tour de France eruiert. Aber es wird die Hierarchie unter den Favoriten Contador, Andy Schleck und Cadel Evans ermittelt. Von Interesse sind die beiden Bergankünfte. Im 13,3 km langen Aufstieg nach Luz-Ardiden fiel in der Jubiläums-Tour 2003 die Entscheidung. Der angeschlagene und in der Gesamtwertung nur 15 Sekunden Vorsprung aufweisende Lance Armstrong hängte im Aufstieg bei einem Zuschauer ein und kam zu Fall. Jan Ullrich erwies sich als Gentleman und wartete auf den Amerikaner. Nachdem Armstrong aufgeschlossen hatte, griff Iban Mayo (Sp) an. Armstrong vermochte dessen Tempo mitzugehen, nicht aber der aus dem Rhythmus geworfene Ullrich. Der etwas längere und steilere Aufstieg zum Plâteau de Beille krönte Etappensieger, die zugleich auch die Rundfahrt gewannen: 1998 Marco Pantani, 2002/2004 Lance Armstrong, 2007 Alberto Contador. Cadel Evans verlor damals in diesem Anstieg die Tour.
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