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Schweizerische Copy-PasteteWie werden in der Schweiz eigentlich Kinder gemacht? Tja. Gute Frage. Das ist von Kanton zu Kanton verschieden. Wie wird in der Schweiz gewählt? Tja. Gute Frage. Das ist von Kanton zu Kanton verschieden. Wie präsentiert sich der Bund in der Schweiz? Tja. Schlechte Frage. Überall gleich.Regula Stämpfli / Quelle: news.ch / Mittwoch, 10. August 2011 / 08:42 h
Wir leben in einer absurden Welt. Einerseits weiss jede politisch versierte Zeitgenossin, dass die Schweiz ein föderalistischer Staat ist. Andererseits tut der Bund alles, um genau diesen Föderalismus zu unterwandern. Unter www.admin.ch und dem Portal von Bund, Kantonen und Gemeinden ch.ch sehen wir uniforme, identische Seiten mit einem einheitlichen Branding. «Mit ch.ch zur richtigen Wahl, 23.10.2011» - was die wohl mit «richtige Wahl» meinen?
Der Auftritt der unterschiedlichen sieben Bundesräte ist uniformiert, jede gleicht sich, unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit oder unabhängig des Departementes, das sie zu leiten hat. Schweizbranding gibt es aber auch in der Wissenschaft. a+ in adrettem Schweizlook, überall zu haben...reizend. Jetzt sind also auch die Akademien der Wissenschaften der Schweiz einheitlich. Wie war nur schon wieder die Definition totalitärer Ideologien? Ach ja! Unter anderem fiel darunter die Gleichschaltung der Universitäten. Jetzt macht man dies mit Branding und niemand schreit Aua.
Erst vor zwei Jahren gab der Bund für ch.ch Millionen aus, um ein Schweiz-Logo zu kreieren, das dem Logo von Bild.de bis auf den Farbtupfer gleicht. Absicht oder Zufall? Der Bund liefert mit seinem grafisch-gestalterischen Einheitsbrei demokratische Trivialisierung. Der Bund ist zudem Wahlhelfer der SVP. Denn die verkündet seit Monaten mit ähnlichem Logo, identischer Logik und klarem Bezug auf die Marke Schweiz: «Schweizer wählen SVP.»
Als versierte Kennerin des geistigen Eigentums stelle ich nun einige Fragen: Verletzt die SVP damit nicht die Marke Schweiz? Wem gehören nun Logo, Branding und Markennamen? Wie steht es mit den Urheberrechten «Schweiz»? Können auch Deutsche «Schweiz» wählen, beispielsweise in einem Tourismusspot? Ist mein Pass gleichviel wert wie einen Anteil an der Firma Schweiz? Kann ich die SVP verklagen, weil sie meine Marke verletzt? Denn die Marke, bei welcher ich einen Anteil besitze wählt nicht SVP.
Die Schweiz ist also schützenswerte Marke. Dann bin ich wohl als Schweizerin auch Schweiz-Aktionärin.
Markenbotschafter eine gebrandeten Schweiz? / Foto: sk8geek Creative Commons
Hmm. Wieviele Anteile kriege ich? Nach welchen Masstäben? Nach IQ (laach, dann wählen Schweizer sicher ganz anders, aber gemäss ch.ch vielleicht nicht «richtig»...), nach Blutgruppe, Jahrgang oder Kilos? Nach Wohnort? Sicher verdient doch ein Zürcher mehr Aktien als eine Bernerin? Wer darf das Logo der Marke Schweiz eigentlich verwenden? Was hindert mich, ch.ch als «mein» Logo zu verwenden? Sie sehen. Die Verwechslung von Staat und Unternehmen, die sich klar in den diversen Brandingstrategien zeigt, müsste eigentlich klare juristische und politische Konsequenzen haben. Doch Pustekuchen! Geschlagen werden nicht die Powerpoint-Farbkleckser, die im Auftrag irgendeines apolitischen und undemokratischen Bundesbeamten für Millionen ein Logo kreieren, sondern bestraft, fichiert und schärfstens isoliert werden all jene, die laut und deutlich zu sagen wagen: Hallo! Jemand zuhause? Schon mal was von Demokratie und öffentlich-rechtlich gehört? Die Universitäten, an welchen wir bisher zu Unrecht kluge Köpfe vermuteten, sind einer Brandingwut verfallen, dass sich die SVP schon bald den Slogan leisten wird: «Schweizer studieren an SVP- Universitäten». Was gewissermassen nicht an Ironie entbehrt, da wir ja wissen, dass viele SVPler die Murdoch-Doktrin: «Null-Toleranz gegenüber faktenbasierter Information» heilig ist. Wenn der Bund ein Unternehmen ist, dann will ich auch Privatrecht. Dann klage ich gegen alles, das der Marke Schweiz schadet. Wie eben der Slogan: «Schweizer wählen SVP». Diese Aussage ist rufschädigend für mein Unternehmen. Wenn die Unis Unternehmen sind, dann sollten sie aber auch massiv für copypasteurisierte, klar falsche Zertifikate bezahlen. Stellen Sie sich vor, ich würde mit der Verwendung der jeweiligen Logos folgende Plakate hängen: «Babykiller bevorzugen Nestlé», «Schäferhunde wählen Deutschland», «Vergewaltiger ziehen nach Frankreich», «Italien liebt dolce viagra», «Fette trinken Coca Cola», «Holländer wählen Kindermörder»? Selbstverständlich und zu Recht würde ich mindestens von Nestlé, CocaCola und sicher auch der holländischen Botschaft wegen übler Nachrede oder Markenverletzung verklagt. Selbstverständlich würden mindestens Nestlé und Coca Cola Recht erhalten und ich mit Millionen gebüsst. Sehen Sie, wie verflixt die Sache ist? Gibt sich ein Staat einen Brand, eine Marke, dann hat er schon verloren. Bundesrat Schneider-Amman zeigte während seines Wahlkampfes deutlich, wie weit fortgeschritten die völlige Umkehr von öffentlich versus privat geschritten ist. «Bisher habe ich ein Unternehmen geleitet. Jetzt bin ich froh, dass ich mithelfen kann, das Unternehmen Schweiz zu leiten.» Branding the State ...- denn sie wissen genau, was sie tun. Links zum Artikel:
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