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Der 70. Titel im 100. Final

Roger Federer beendete das Jahr auf bestmögliche Weise: In seinem 100. Final sicherte er sich den 70. Titel. Im Endspiel der World Tour Finals in London schlug er Jo-Wilfried Tsonga 6:3, 6:7 (6:8), 6:3.

dyn / Quelle: Si / Sonntag, 27. November 2011 / 22:29 h

Zum sechsten Mal triumphierte Federer beim Saisonfinale, wo sich die besten acht Spieler des Jahres zum Abschluss messen. Der Rekordsieg fiel ihm alles andere als leicht. 137 Minuten dauerte das Endspiel gegen den starken Tsonga. «Er hat heute alles von mir abverlangt, mir alle Energie ausgesogen», sagte Federer, nachdem er die Trophäe vor 17'500 Zuschauern in der O2-Arena überreicht bekommen hatte. «Aber ich könnte nicht glücklicher sein.» Der Schweizer kann nun entspannt in die Saisonpause gehen. Er wertete sein Jahr in den letzten Wochen massiv auf, indem er mit 17 Siegen in Folge die Turniere von Basel, Paris-Bercy und London gewann. Der Final war ein würdiger Abschluss des Tennisjahres, obwohl mit Novak Djokovic der grossen Saisondominator nicht dabei war. Federer und Tsonga lieferten einen spannenden und hochstehenden Match ab.

Auf Messers Schneide

Die beiden besten Spieler des Turniers zeigten abwechselnd wie wichtig mentale Stärke ist und das im Tennis nicht unbedingt jener den Satz gewinnt, der den besseren Eindruck macht oder die besseren Statistiken aufweist. Im ersten Umgang war nämlich Tsonga tonangebend. Mit 12 Gewinnschlägen und nur sechs Fehlern zeigte er eine beeindruckende Leistung. Trotzdem schaffte es Federer sich abzusetzen. Nachdem er in den ersten drei Aufschlagsspielen von Tsonga nur einen Punkt geholt hatte, zog er mit einem Break zu null auf 5:3 davon. Spätestens einige Minuten später, als der immer besser und überzeugender agierende Federer im zweiten Satz 4:2 führte, sprach alles für ein klares Verdikt zugunsten des Schweizers. Weit gefehlt: Er schlug zwar bei 5:4 zum Satz auf, zeigte aber ein schlechtes Game und liess die ersten Breakchancen des Wochenendes zu. Die dritte nutzte Tsonga. Im Tiebreak führte Federer wiederum nur scheinbar vorentscheidend mit 5:2. Er verlor die nächsten drei Punkte, kam aber dennoch zu einem Matchball, den der Franzose mit einem schönen Vorhand-Winner abwehrte.



Jo-Wilfried Tsonga zu Roger Federer: «Du bist der Beste!» / Foto: EQ Images

Der Weltranglisten-Sechste aus Le Mans verlor nie die Hoffnung und war mit seinem risikoreichen Spiel oft erfolgreich. Er machte dem Titelverteidiger beim dritten sonntäglichen Aufeinandertreffen in Folge nach dem Final von Paris-Bercy und dem Turnierauftakt in London vor sieben Tagen das Leben schwer. Die Partie stand auf Messers Schneide. Entscheiden war das achte Game des dritten Satzes, als Federer den dritten Breakball nutzte. Und diesmal konnte er die Führung über die Distanz bringen. Der Lohn für den Turniersieg: 1,63 Millionen Dollar und 1500 Weltranglisten-Punkte, die dazu führen, dass er Andy Murray als Dritter des Rankings ablöst.

Zahlen die Klartext sprechen

Geld und Punkte waren an diesem Wochenende aber nebensächlich: Federer erreichte statistische Werte, die viel deutlicher zeigen, in welchen Sphären der Schweizer Ausnahmekönner sich bewegt. Den 70. Turniersieg im 100. Final erreichte er mit seinem 807. Matchgewinn. Die Marke von 100 Finals auf der ATP Tour erreichten vor ihm seit Beginn der Open Era nur vier Spieler: Jimmy Connors (163), Ivan Lendl (146), John McEnroe (108) und Guilermo Vilas (104). Als unglaublich, bezeichnete Federer selbst das Erreichte. Er kann sich noch gut an seinen ersten Final erinnern. Am 13. Februar 2000 war er in Marseille Marc Rosset unterlegen: «Danach habe ich geweint und gedacht, dass ich nie mehr die Chance bekommen würde, ein Turnier zu gewinnen.» Rosset habe ihn mit den Worten getröstet: «Du wirst noch viele Pokale holen.» Fast ein Jahr später in Mailand begann Federer mit dem fleissigen Sammeln von Trophäen. 16 Grand-Slam-Turnier, 18 Masters 1000 und seit dem gestrigen Erfolg 6 World Tour Finals hat er unter anderem gewonnen. Und er ist noch lange nicht satt, wie die letzten Wochen eindrücklich bewiesen. Bester Zeuge ist Tsonga, der nach der dritten Niederlage innerhalb von 14 Tagen sagte: «Du bist der Beste!»

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