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«Wimbledon der Alpen» weiter auf Sand

Am Finaltag des letztjährigen Crédit Agricole Suisse Open haben die Organisatoren mit der Absichtserklärung überrascht, das traditionelle Gstaader Tennisturnier ab 2015 auf Rasen austragen zu wollen. Zehn Monate später sind diese Pläne wieder begraben.

pad / Quelle: Si / Mittwoch, 22. Mai 2013 / 12:18 h

«Der kurzfristige Traum, im Berner Oberland ein Rasenturnier auszutragen, wird leider nicht in Erfüllung gehen», kommentierte Rene Stammbach, der Präsident des Tennisverbandes, der bis vor einer Woche auch als Turnierobmann wirkte. Der ambitionierte Plan scheiterte am Ende nicht an den Finanzen, sondern an den hohen Anforderungen der Association of Tennis Professionals (ATP) an die neuen Rasenturniere. Gstaad hätte fünf Rasen-Courts, davon drei Match-Courts mit Tribünen, zur Verfügung stellen müssen. Stammbach: «Für so viele Tennisplätze gibt es in Gstaad keinen geeigneten Platz.» Die Organisatoren des Suisse Open bedauern, dass sie im Gegensatz zum Stuttgarter Weissenhof-Turnier von der ATP den Handkuss nicht erhalten haben. Das «Wimbledon der Alpen», wie das Gstaader Turnier immer wieder bezeichnet wird, als Wimbledon-Hauptprobe auf Rasen auszutragen, wäre eine grosse Chance für das Turnier gewesen. «Der Termin im Juni hätte unseren Sponsoren besser gepasst. Es wären andere Spieler nach Gstaad gekommen. Das Turnier wäre auch für die Topspieler interessanter geworden», sagte Turnierdirektor Jeff Collet.

Passender Termin

Freuen dürfen sich nun aber die Traditionalisten, dass das 75 Jahre alte Turnier weiter auf Sand gespielt wird, der beliebtesten Tennisunterlage in der Schweiz. Freuen darf sich auch das Gstaader Stammpublikum, dem der Termin in den Sommerferien durchaus passt. Noch immer pilgern jedes Jahr rund 35'000 Zuschauer ans Tennisturnier im Saanenland, nur knapp 10'000 weniger als vor 15 Jahren, als Roger Federer erstmals spielte und Alex Corretja den Final gegen Boris Becker gewann, oder vor neun Jahren, als Federer in Gstaad triumphierte. Stammbach: «Der Entscheid, dass wir nicht auf Rasen wechseln können, bedroht das Turnier sicher nicht in seiner Existenz. Bedroht fühlten wir uns vor ein paar Jahren, als wir den attraktiven Termin nach Wimbledon verloren. Diese Ängste waren jedoch unbegründet. Das Turnier verkauft im Moment jedes Jahr mehr Logen an Firmen.



Die Sandspezialisten dürfen sich freuen. / Foto: EQ Images

Ausserdem fanden wir für dieses Jahr sechs neue Partner.» Die Herausforderungen für die Turniermacher bleiben aber so oder so gross. Auch als Sandturnier gerät das Crédit Agricole Suisse Open zunehmend unter Konkurrenzdruck. Die Verhandlungen mit der ATP wegen des Belagwechsels haben ergeben, dass in Gstaad durchaus Defizite vorhanden sind. So gebe es mittlerweile auf der ATP-Tour kein anderes Freiluftturnier mehr, welches wie Gstaad nur über zwei Match-Courts auf dem Turniergelände verfüge, erklärte Stammbach. Bei der ATP stehen Interessenten Schlange, die Turniere in Asien, Indien und Südamerika organisieren möchten. Diese Interessenten verfügen über finanziell grössere Möglichkeiten als das kleine Gstaad, welches jedes Jahr rund sieben Millionen Franken für das Turnier auftreiben muss.

Workshop geplant

In Indien ist im Dezember eine (Exhibition-)Serie geplant, für die Novak Djokovic und Andy Murray schon zugesagt haben. Beim Swedish Open in Bastad, der langjährigen direkten Konkurrenz des Gstaader Turniers, wurden in den letzten Jahren 50 Millionen in die Infrastruktur investiert. Die Gstaader Organisatoren planen in diesem Sommer einen Workshop, der den Weg skizzieren soll, den das Turnier in Zukunft begehen will, damit «das Gstaader Turnier weitere 100 Jahre stattfinden kann» (René Stammbach).

Mit Wawrinka, Tipsarevic und Monaco


Die unmittelbare Zukunft bringt in der letzten Juliwoche (20.-28. Juli) das nächste Turnier, das durchaus attraktiv besetzt sein wird. Stanislas Wawrinka wird den nächsten Anlauf nehmen, um sein Heim- und Lieblingsturnier endlich zu gewinnen. Wawrinka hat gute Chancen, als Top-10-Spieler in Gstaad starten zu können. Mit Janko Tipsarevic (ATP 10), Juan Monaco (ATP 19) und Michail Juschni (ATP 31) sind drei weitere Akteure gemeldet, die schon zum exklusiven Top-10-Zirkel gehörten. Der Brasilianer Thomaz Bellucci (ATP 40) wird versuchen, seinen Titel mit Erfolg zu verteidigen. Ausserdem wird eine starke französische Delegation mit Benoit Paire, der Nummer 17 der Jahreswertung, sowie Julien Benneteau und Paul-Henri Mathieu am Turnier teilnehmen. Neue Verwaltungsratspräsidentin des Gstaader Turnier ist Ruth Wipfli Steinegger, die Ehefrau von Franz Steinegger. Der bisherige Obmann René Stammbach will sich auf seine internationalen Mandate konzentrieren, stellt sein Beziehungsnetz dem Turnier aber weiterhin zur Verfügung.

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