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Sean Simpson tritt sofort aus Kruegers SchattenMit wenig Kredit reiste das verjüngte Schweizer Nationalteam vor neun Tagen an die WM nach Deutschland. Mit dem ersten Sieg über Kanada an einer WM überhaupt trat Coach Sean Simpson sofort aus dem Schatten von Vorgänger Ralph Krueger.Rolf Bichsel, Mannheim / Quelle: Si / Donnerstag, 13. Mai 2010 / 17:28 h
Si: Sean Simpson, haben Sie der jungen Schweizer Mannschaft eine so gute Leistung überhaupt zugetraut?Sean Simpson: «Wir zeigten tatsächlich eine sehr solide Leistung. Wir wissen, dass wir mental stark sind. Für meinen Geschmack haben wir zu langsam und zu passiv begonnen. Aber wir reagierten schnell. Und dann sind wir am Gegner gewachsen.»Si: Sie spielten gegen Kanada genau gleich wie gegen Lettland und Italien.Simpson: «Absolut! Wir wollen gegen jeden Gegner unser System spielen. Nur in Kleinigkeiten wird es Anpassungen geben. Schliesslich war ja auch das Ziel gegen Kanada das gleiche wie gegen Lettland und Italien: Wir wollten gewinnen.»Si: Entschieden wurde die Partie durch drei Tore des Plüss-Blockes, in dem neu Thomas Déruns stürmte.Simpson: «Déruns hat ein bisschen mehr für Rüthemann und Plüss gearbeitet als Lemm in den Spielen vorher. Diese Linie spielte dadurch sehr gut. Auch die andere neue Linie mit Lemm, Romy und Savary harmonierte auf Anhieb. Die Änderungen zahlten sich also aus. Ich musste etwas ändern, nachdem in den ersten beiden Spielen nur eine Linie Tore erzielt hatte. In einem Turnier muss mehr als eine Linie Tore produzieren können.»Si: Für Sie als Kanadier war der Sieg über das Team Canada gewiss ganz speziell.Simpson: «In erster Linie ist das 4:1 ein grosser Sieg für das Schweizer Eishockey. Aber natürlich war die Partie für mich emotional. Ich bin Kanadier und trat erstmals gegen Kanada an. Vielleicht ziehen sie meinen Pass ein, wenn ich das nächste Mal in Kanada einreisen will. (lacht) Aber richtig ist, dass der kanadische Verband in meiner Karriere eine wichtige Rolle spielte. Dank ihm konnte ich viel internationale Erfahrung sammeln (Deutschland-Cup, Spengler Cup, Skodacup, Turnier Slowakei).Sean Simpson: «Wir haben Kanada verdient geschlagen.» / Foto: EQ Images
Ohne diese Erfahrung wäre ich jetzt wohl nicht Schweizer Coach.» Si: Die Schweizer Nationalmannschaft erinnert mit ihrem Auftreten an die ZSC Lions in der Champions League.Simspon: «Das ist gut möglich. Schliesslich hatten beide Teams den gleichen Trainer. Ich versuche auch mit dem Nationalteam, mein Spielsystem durchzuziehen. Bislang hat das ausgezeichnet funktioniert.»Si: Trotz 21 WM-Absagen steht die Schweiz nach drei Spielen mit dem Punktemaximum da. Haben Sie sich einen derartigen WM-Auftakt erträumt?Simspon: «Ich habe natürlich gehofft, dass es so kommt. Als Trainer hoffst du immer auf das Beste. Realistisch war diese Zuversicht vielleicht nicht. Aber jetzt darf ich sagen, dass wir alle Spiele verdient gewonnen haben.»Si: Vor der WM haben Sie den Viertelfinal zum Ziel gesetzt. Korrigieren Sie jetzt das Ziel nach oben?Simspon: «Seit meinem ersten Tag in der Schweiz und in Europa hasse ich Zielsetzungen. Immer wieder wird man nach Zielen gefragt und danach an der Antwort gemessen. Dabei ist das dumm. Schauen wir uns das aktuelle Beispiel an: Wir haben vom Viertelfinal gesprochen. Jetzt haben wir die Chance auf mehr. Sollen wir uns jetzt zurücklehnen, nur weil wir unser Ziel wohl schon erreicht haben?»Si: Vor zwei Jahren an der WM in Kanada war nach drei Siegen in der Vorrunde und einem 2:1 über Schweden die Luft draussen. Warum geht uns diesmal die Puste nicht aus?Simpson: «Weil wir am Anfang einer neuen Ära stehen. Wir spielen erst am Samstag wieder. Am Freitag gönnen wir den Spielern eine Pause. Bis zum nächsten Spiel müssen wir die Batterien wieder laden und darauf achten, dass die Jungs auf dem Boden bleiben. Bis jetzt verlief das Turnier turbulent, es gab viele Überraschungen. Wir haben uns eine Ausgangslage geschaffen, dass wir womöglich mehr als die Viertelfinals erreichen können. Diese gute Ausgangslage wollen wir nutzen.»
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