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Siegesserie von historischer DimensionDas Eishockey-Nationalteam schreibt an der WM in Mannheim ein Frühlingsmärchen. Die Schweiz feierte mit 3:2 gegen Tschechien den vierten Sieg in Folge. Eine derartige Siegesserie gelang letztmals 1948 an den Olympischen Spielen in St. Moritz.Rolf Bichsel, Mannheim / Quelle: Si / Sonntag, 16. Mai 2010 / 11:26 h
Das 3:2 gegen Tschechien ist sportlich noch wertvoller als der Sieg über Kanada. Zum einen wurde der Effort vom Mittwoch bestätigt, zweitens bestreiten die Tschechen die WM (trotz 25 Absagen) mit einer routinierten Equipe und nicht wie Kanada mit einem verstärkten Nachwuchsteam.
Ausserdem nahmen die Tschechen, die sich schon von Norwegen hatten überraschen lassen, die Schweizer ganz bestimmt nicht auf die leichte Schulter.
Die Basis zum ersten Sieg an einer WM über Tschechien seit 1991 (4:3 in Turku gegen die Tschechoslowakei) legten die Schweizer mit einem fulminanten ersten Abschnitt. Nach 20 Minuten führten sie durch Tore von Martin Plüss und Andres Ambühl 2:0, «aber es hätte auch 3:0 oder 4:0 stehen können», so Coach Sean Simpson.
Ambühl ganz stark Die ersten beiden Tore entsprangen Kombinationen, wie sie der Schweizer Nationalmannschaft in den letzten Jahren gegen Topgegner nur selten gelungen sind. Beim 1:0 schloss Martin Plüss eine Traumkombination über Déruns, Bezina und Rüthemann mit einem Scharfschuss ab. Und beim 2:0 kombinierten sich Andres Ambühl, Damien Brunner und Thibaut Monnet «russisch» durch die tschechische Verteidigung. Der kleine Andres Ambühl überragte am Samstagabend alle - selbst den grossen Jaromir Jagr. Und nicht nur, weil dem Davoser im zweiten Abschnitt auch noch das wichtige 3:1 gelang. Auch beim Körpereinsatz gab Ambühl den Tarif an: Vor dem 2:0 nahm er in der tschechischen Zone mit einem Check Jiri Novotny den Puck ab; im Finish schüttelte er mit einem weiteren Bodycheck Jaromir Jagr durch. Unverständlich, dass Ambühl eine ganze Saison lang bei den NY Rangers nie eine Chance erhalten hat. Andres Ambühl erzielte (wie auch Plüss) in den ersten vier WM-Spielen schon vier Tore.In Unterzahl grandios Gegen Tschechien leisteten sich die Schweizer aber erstmals im Turnier auch weniger gute Minuten. Im zweiten Abschnitt, in dem die Tschechen auf 1:2 und 2:3 herankamen, gerieten die Schweizer kurz in Hektik. Daraus resultierte beim Skore von 2:3 eine 77-sekündige doppelte Unterzahl.Andres Ambühl gibt vollen Körpereinsatz. / Foto: EQ Images
Die Schweizer überstanden aber auch diese Strafen - in den letzten 27 Boxplay liessen sie kein Gegentor mehr zu. Simpson: «Aber wir waren froh, als das zweite Drittel endlich zu Ende war. In der Pause konnten wir uns neu organisieren. Und im Schlussabschnitt gewährten wir dem Gegner nicht mehr viele Möglichkeiten.» Bei WM-Halbzeit könnte die Schweizer Ausgangslage nicht besser sein. Erstmals seit der Steinzeit besiegte die SEHV-Auswahl an einer WM zwei Topgegner. «Schon jetzt ist das ein Supererfolg für diese Mannschaft», stellt Simpson fest. Aber auch der neue Headcoach darf stolz sein. Die Schweizer feierten nach einem langsamen Start (nur zwei Siege aus den ersten sechs Spielen) nun sieben Siege hintereinander unter Simpson. Sieben Länderspiele hintereinander gewann die Schweiz letztmals 1986 unter Simon Schenk - damals allerdings an einer B-WM (Eindhoven). Drei Spiele in vier Tagen Auf die Schweizer kommen nun anstrengende Tage zu: Bislang bestritten sie in acht Tagen vier Spiele; vor jeder Partie hatten sie mindestens einen Tag Pause, zuletzt sogar zwei. Nun folgen die Spiele gegen Norwegen (Montag), Schweden (Dienstag) und der Viertelfinal (Donnerstag) Schlag auf Schlag. Simpson: «Ein Problem ist das nicht. Die Spieler sind es sich aus der Meisterschaft gewöhnt, an aufeinanderfolgenden Tagen zu spielen.» Das Ziel für die nächsten Tage ist ebenfalls klar: «Wir wollen die Zwischenrunde auf dem bestmöglichen Rang beenden. Und dann schauen wir, was wir für einen Viertelfinalgegner erhalten.» Wenn die Schweizer am Montag auch Norwegen besiegen, haben sie einen Spitzenplatz in der Gruppe F auf sicher - und damit die Garantie, im Viertelfinal nicht auf Russland zu treffen. Gegen Norwegen waren die Schweizer vor zwei Wochen zum Abschluss der WM-Vorbereitung in La Chaux-de-Fonds und Kreuzlingen zu zwei Siegen gekommen (5:4 n.V. und 4:0).
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