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Schweizer Duell um einen HalbfinalplatzZum ersten Mal an einem Grand-Slam-Turnier stehen sich zwei Schweizer in den Viertelfinals gegenüber. Und Stanislas Wawrinka steigt am Australian Open in Melbourne nicht als krasser Aussenseiter ins Duell gegen Roger Federer.fest / Quelle: Si / Sonntag, 23. Januar 2011 / 22:39 h
Denn Stanislas Wawrinka hinterliess in der ersten Turnierwoche sogar den stärkeren Eindruck als Federer. Derweil Federer im Achtelfinal gegen Tommy Robredo (6:3, 3:6, 6:3, 6:2) bereits den dritten Satz abgab, blieb Wawrinka auch gegen Andy Roddick (6:3, 6:4, 6:4) ohne Satzverlust. Neben dem 25-jährigen Romand überstanden nur Rafael Nadal (ATP 1), Robin Söderling (ATP 4) und Andy Murray (ATP 5) die erste Woche ohne einen verlorenen Satz. Im Gegensatz zu Wawrinka muss dieses Trio den Achtelfinal am Montag aber erst noch hinter sich bringen.
Berauschende Leistung
Stanislas Wawrinka zeigte gegen Andy Roddick (ATP 8) wie zuvor schon gegen Gael Monfils (ATP 12) eine berauschende Leistung, «sicher eines meiner allerbesten Spiele» (Wawrinka). Wie gegen Grigor Dimitrov und Monfils produzierte der Romand auch gegen Roddick eindeutig mehr Gewinnschläge (43) als unerzwungene Fehler (19) -- Aufschlagasse in dieser Statistik nicht mitgezählt. Wawrinka dominierte das Spiel in allen Belangen. Roddick kam zu sehr wenigen Chancen. Eine Breakmöglichkeit besass er bei 1:1 im ersten Satz. Die nächsten folgten erst wieder, als Wawrinka schon vorentscheidend führte (6:3, 6:4, 3:1). Wawrinka erwies sich nicht nur an der Grundlinie als klar stärker, er dominierte Roddick sogar beim Aufschlag, der grössten Stärke des Amerikaners. Roddick gelangen nur 9 Asse; der Schweizer servierte fast dreimal so viele (24).
Mit welchen Hoffnungen steigt Wawrinka ins Duell gegen Federer? Wawrinka: «Ich fühle mich sicher nicht als Favorit. Die Leute, die behaupten, dass ich im Moment womöglich besser spiele als Federer, die vergessen, dass Federer an Grand-Slam-Turnieren immer präsent ist. Er bestreitet seinen 27. Viertelfinal hintereinander. Und normalerweise spielt er in den letzten Runden an den Majors sein bestes Tennis. Ich mache mir keine Illusionen. Das wird ein äusserst schwieriges Spiel für mich.»
Bessere Chancen für Wawrinka
Andererseits ahnt auch Wawrinka, dass seine Chancen besser stehen als auch schon. Vor acht Monaten beim Achtelfinalduell auf Sand in Roland-Garros verschlief der Romand den ersten Satz und nützte im zweiten Durchgang seine Möglichkeiten nicht. Im Herbst in Stockholm dominierte Wawrinka seinen Freund und Landsmann während anderthalb Sätzen bis zum 6:2, 2:0, gab dann das Heft aber aus der Hand. Wawrinka: «Ich glaube, dass ich auf Hartplatz und unter freiem Himmel meine Qualitäten besser werde ausspielen können.»
Und Andy Roddick? Auf wen tippt der Amerikaner am Dienstag? Roddick: «Ich wäre dumm, nicht auf Federer zu tippen. Aber Wawrinka zeigte gegen mich eine grossartige Leistung. Er spielte sehr gut, spielte mich aus. Ich hätte etwas besser aufschlagen können, aber sonst..?» Und warum tippt er dann trotzdem auf Federer? Roddick: «Weil sich Federer in Wawrinkas Aufschlagspielen viel mehr Chancen erarbeiten wird als ich. Federer ist normalerweise besser als ich. Also wird er sich durchsetzen.»
Federer freut sich über Wawrinkas Erfolg
Roger Federer freute sich am Sonntag riesig über Stans Effort.
Stanislas Wawrinka. / Foto: Juergen Hasenkopf EQ Images
Wawrinkas Entwicklung der letzten Wochen und Monate überraschte ihn nicht. Federer: «Ich habe seit langem das Gefühl, Stan macht immer zwei Schritte vorwärts, dann einen zurück und wieder zwei vorwärts und einen zurück. Im Moment gelingt ihm ein nächster Schritt vorwärts. Mittlerweile bekundet er viel weniger Probleme gegen Aussenseiter. Er gewinnt diese Spiele schon fast locker. Und heute weiss er, dass er auch gegen die besten gewinnen kann. Er spielt sich im Moment in jene Liga vor, in der die Leute spielen, die fähig sind, Grand-Slam-Turniere zu gewinnen.» Federer egalisierte mit dem Achtelfinalsieg über Tommy Robredo einen weiteren Rekord: 27 Grand-Slam-Viertelfinals in Serie schafften neben ihm nur Jimmy Connors. Aber auch gegen den Spanier hatte Federer zu Beginn des dritten Satzes eine heikle Situation zu überstehen, als Robredo nach dem Gewinn des zweiten Durchgangs an einem weiteren Break schnupperte. Federer: «Gegen Wawrinka, der vor Selbstvertrauen strotzt, darf ich mir so dumme Fehler wie in der Schlussphase des zweiten Satzes gegen Robredo nicht leisten.» Federer mit vielen Fehlern Anders als bei Wawrinka blieb Federers Fehlerzahl seit dem Startspiel gegen Lukas Lacko stets höher als die Anzahl Gewinnschläge -- obwohl Federer gegen weniger gut klassierte Gegner spielte. Federer: «Das ist mir aber völlig egal, solange ich das Gefühl habe, die richtigen Sachen zu machen. Meine erste Woche im Turnier erwies sich als durchaus gefährlich -- mit unterklassierten und sehr routinierten Gegnern. Ich fühle mich vor der zweiten Woche ausgezeichnet.» Da es in der ersten Turnierwoche kaum Überraschungen gab, folgen sich nun die Schlagerspiele im Takt. Neben Federer - Wawrinka steht mit Djokovic (3) - Berdych (6) ein weiterer Viertelfinal fest. Nicht mehr vertreten in der zweiten Woche sind die einstmals grossen Tennisnationen USA und Australien. Als letzter Australier verlor der 19-jährige Bernard Tomic (ATP 199) mit 2:6, 5:7, 3:6 gegen Rafael Nadal, wobei Nadal im zweiten Satz einen 0:4-Rückstand aufholte. Nadal trifft in den Achtelfinals auf Marin Cilic (Kro/ATP 15), der den Krimi gegen John Isner (USA/ATP 20) mit 4:6, 6:2, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 9:7 gewann. Diese Partie dauerte vier Stunden und 33 Minuten -- war für Isner im Vergleich zum Spiel in Wimbledon gegen Nicolas Mahut (11:05 Stunden über drei Tage) aber bestenfalls ein Sprint. Schweizer Duelle an Grand-Slam-Turnieren 1986 Wimbledon (2. Runde): J.Hlasek s. C.Mezzadri 3:6, 6:4, 7:5, 6:1. 1994 Melbourne (2. Runde): M.Rosset s. J.Hlasek 6:4, 7:6 (7:4), 3:6, 6:2. 1996 Roland-Garros (3. Runde): M.Rosset s. J.Hlasek 6:4, 6:4, 6:1. 2000 Roland-Garros (3. Runde): R.Federer s. M.Kratochvil 7:6 (7:5), 6:4, 2:6, 6:7 (4:7), 8:6. 2010 Roland-Garros (Achtelfinal): R.Federer s. S.Wawrinka 6:3, 7:6 (7:5), 6:2.
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