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In Bestbesetzung Richtung Aufstieg

Mit dem Heimspiel in der PostFinance-Arena in Bern gegen Portugal startet das Schweizer Davis-Cup-Team ab Freitag in Bestbesetzung die Mission «Wiederaufstieg». Die sportliche Affiche gerät aber wegen der Präsenz Roger Federers beinahe in den Hintergrund.

joge / Quelle: Si / Donnerstag, 7. Juli 2011 / 15:44 h

Der erfolgreichste Tennisspieler der Geschichte, der erstmals seit September 2009 wieder im Davis Cup antritt, mobilisiert die Massen: Nach Federers Zusage bewarben sich 16 Orte um die Austragung der Partie der 2. Runde der Europa-/Afrikazone - trotz des bescheidenen Gegners. Mehr als 1000 Fans strömten am Dienstag zum öffentlichen Training, um ihr Idol zu sehen. Und am Wochenende dürfte die PostFinance-Arena mit jeweils 8000 Zuschauern ausverkauft sein. Auch die Prominenz hat sich für den ersten Davis-Cup-Auftritt Federers in der Deutschschweiz seit 2001 in Scharen angekündigt: NHL-Star Mark Streit, Thabo Sefolosha, der bislang einzige Schweizer NBA-Spieler, und Abfahrts-Olympiasiger Didier Défago führen die Liste der prominenten Sportler an. Sportminister Ueli Maurer, verschiedene Nationalräte sowie weitere Grössen aus Wirtschaft und Unterhaltung werden ebenfalls am dreitägigen Event erwartet. Neben den Teamkollegen und den Fans freut die Anwesenheit Federer in erster Linie den Verband. Dieser rechnet beim ersten Heimspiel seit 2008 bei einem Budget von rund zwei Millionen Franken mit einem Reingewinn von knapp 250'000 Franken. Nach vier Auswärtsspielen in Folge, die jeweils einen sechsstelligen Betrag an Kosten verursachten, könnten bereits im September wieder die Kassen klingeln. Vor allem wenn die Schweiz in einem allfälligen Playoff um den Aufstieg in die Weltgruppe nicht gesetzt sein sollte, stehen die Chancen ausgezeichnet, dass sie wieder zuhause antreten darf. Damit der 'Rubel rollt', braucht der Verband aber Federer. Dieser bestätigte in Bern, dass er in Zukunft «wieder vermehrt Davis Cup spielen will». Eine definitive Zusage des Baselbieters für die Zukunft - auch für ein allfälliges Aufstiegs-Playoff - gibt es aber gegenüber dem Verband nicht. Klar ist aber: Will der 16-fache Major-Sieger zusammen mit seinen Kumpels Stanislas Wawrinka, Stéphane Bohli und Marco Chiudinelli die «hässlichste Salatschüssel der Welt» einmal gewinnen, drängt die Zeit. 2012 ist aufgrund von Olympia in Wimbledon die Agenda der Spitzenspieler noch gefüllter als sonst, 2013 wird Federer bereits 32 Jahre alt sein.

Lüthi: «Ich bin lieber Favorit.»

Momentan liegt der Fokus des Teams aber auf der Aufgabe der nächsten Tage. Auch wenn die Schweizer als haushoher Favorit antreten, auf die leichte Schulter nehmen sie die Partie nicht. «Die Spieler wissen von der Tour, dass kein Gegner unterschätzt werden darf. Dafür ist das Niveau zu gut», so Captain Severin Lüthi.



Roger Federer beflügelt den Davis Cup. / Foto: EQ Images

Für den 35-Jährigen sind es besondere Tage, wuchs er doch im Berner Vorort Stettlen auf und wohnt heute in Thun. Die Rolle des Gejagten behagt ihm: «Ich bin lieber Favorit, als nicht zu wissen, wie ich die Partie gewinnen sollte.» Alles andere als ein klarer Schweizer Sieg wäre eine Enttäuschung. Der Heimvorteil, die schnelle Unterlage (Rebound Ace), das Spielerpotenzial, ja sogar die Statistik - die Schweiz gewann das bisher einzige Duell gegen Portugal 1973 in Lissabon 5:0 - spricht für die Schweiz. Allein die Anwesenheit Federers garantiert schon beinahe den Erfolg. Seine letzte Einzelniederlage im Teamwettbewerb hatte der Superstar 2003 im Halbfinal gegen Lleyton Hewitt kassiert, als er eine 2:0-Satzführung noch preisgegeben hatte. Bereits letzte Woche war Federer an diese Partie erinnert worden, als ihm in den Viertelfinals von Wimbledon das selbe Malheur unterlaufen war. Von der Niederlage gegen Jo-Wilfried Tsonga hat sich der Baselbieter aber schnell erholt. «Schade ist nur, dass ich nun wieder ein Jahr warten muss, bis Wimbledon stattfindet», so Federer. Nun freut er sich auf seinen ersten Auftritt als Profi in der Bundeshauptstadt. «Die Stimmung wird super sein. Die Halle hat Potenzial, auch für spätere Begegnungen», so Federer.

Fehlende finanzielle Mittel

Dass Gegner Portugal zum Stimmungstöter werden könnte, damit rechnet niemand. Für die Portugiesen ist es die wichtigste Davis-Cup-Begegnung der Geschichte. Erst einmal, 1994 gegen Kroatien, haben sie sich für das Aufstiegs-Playoff für die Weltgruppe qualifiziert. Mit dem Heimsieg gegen die Slowakei im Frühjahr haben die Lusitaner das Ziel «Klassenerhalt» bereits erreicht. «Wir haben nichts zu verlieren», sagte Captain Pedro Cordeiro, der der Schweiz auch ohne Federer Weltgruppen-Niveau attestiert. Im schuldengeplagten Staat an der Westküste Europas fehlt es auch im Tennis am nötigen Kleingeld. Zwar gibt es in Lissabon eine Tennis-Akademie und mit dem ATP-Turnier in Estoril ein nationales Zugpferd, doch kaum ein Junior kann es sich leisten, Turniere im Ausland zu bestreiten. So kommt es nicht überraschend, dass Frederico Gil (ATP 90) und Rui Machado (ATP 93) aus gutem Hause kommen und während ihrer Ausbildung zum Profi nicht auf finanzielle Hilfe angewiesen waren. Auch für sie ist das Gastspiel in Bern ein Highlight. Der Davis Cup sei immer speziell - und in der Schweiz gegen Federer sowieso. «Daran werde ich mich auch später sicher noch erinnern», so Machado.

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