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Favoritin und Überraschungsgast im Final

Maria Scharapowa (WTA 2) und Sara Errani (WTA 24) bestreiten den Final beim French Open.

knob / Quelle: sda / Donnerstag, 7. Juni 2012 / 23:15 h

Mit dem 6:3 gegen Petra Kvitova übernahm Scharapowa auch die Führung in der Weltrangliste. Im anderen Halbfinal gewann Errani gegen Samantha Stosur 7:5, 1:6, 6:3.
Scharapowa wird am Montag erstmals seit vier Jahren wieder an der Spitze des WTA-Rankings stehen. Die 25-jährige Russin löst Viktoria Asarenka ab, die beim French Open bereits im Achtelfinal gescheitert ist. Es wird ihre 18. Woche als Nummer 1 sein. Es wird auch ihr erster Final beim French Open sein, auf dem Sandbelag, dem sie jahrelang nichts hatte abgewinnen können. Wie während fast des gesamten Turniers agierte Scharapowa im Halbfinal sicher. Auch der Wind brachte sie nicht aus dem Konzept. Nach 77 Minuten verwertete sie ihren ersten Matchball mit einem Ass beim zweiten Service. Im letzten Jahr hatte die 1,88 Meter grosse Wahlamerikanerin den Wimbledon-Final gegen Kvitova verloren. Nach der gelungenen Revanche kann Scharapowa am Samstag ihre Grand-Slam-Titelsammlung komplettieren. Gewinnt sie nach Wimbledon (2004), dem US Open (2006) und dem Australian Open (2008) auch das French Open, stösst sie in eine geschlossene Gesellschaft vor, der nur zehn Spielerinnen angehören. Dafür muss sie Errani schlagen, der sie noch nie gegenüber gestanden ist, obwohl die beiden seit zehn Jahren auf der Tour spielen.

Erranis gut investierte 30'000 Euro

Errani ist nach dem 7:5, 1:6, 6:3 gegen die Weltranglisten-Sechste Samantha Stosur der Überraschungsgast im Final. Die nur 1,64 Meter grosse Spielerin aus Bologna befindet sich in diesem Jahr auf einem beeindruckenden Höhenflug. Ende 2011 war sie nur die Nummer 45 in der Weltrangliste gewesen, nun wird sie am Montag als erst dritte italienische Spielerin nach Flavia Pennetta und Francesca Schiavone in die Top 10 vorstossen. Zuvor wird Errani allerdings noch zwei Finals bestreiten. Denn die 25-Jährige erreichte in Roland Garros nicht nur im Einzel, sondern auch im Doppel das Endspiel. Letztmals war dieser doppelte Finalvorstoss Kim Clijsters 2003 gelungen. «Es ist unglaublich. Ich finde keine Worte. Niemals hätte ich erwartet, hier um den Titel zu spielen zu können», meinte die in Freudentränen aufgelöste Errani. Stosur war zu diesem Zeitpunkt bereits in die Katakomben verschwunden. Die Weltranglisten-Sechste enttäuschte. Nur im zweiten Satz konnte sie ihre grössere Durchschlagskraft zur Geltung bringen. Vor allem im Entscheidungssatz produzierte zu viele Fehler, 21 der insgesamt 48. Errani agierte mit ihrem variantenreichen Spiel deutlich sicherer und liess sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als sie bei 5:3 zum Match aufschlug.



Ist nun Weltranglisten-Erste. (Archivbild) / Foto: EQ Images

Sie brachte ihren Service zu null durch. In diesem Jahr hat Errani Erstaunliches erreicht. Sie gewann auf Sand die Turniere in Acapulco, Barcelona und Budapest, nachdem sie beim Australian Open bis in die Viertelfinals vorgestossen war. In Paris eliminierte sie auf dem Weg in den Final die früheren Siegerinnen Ana Ivanovic und Swetlana Kusnezowa. Zudem beendete sie im Viertelfinal ihre Durststrecke gegen Top-Spielerinnen. Im 29. Versuch gelang ihr mit dem 6:3, 7:6 gegen Angelique Kerber (WTA 10) der erste Erfolg gegen eine Vertreterin aus den Top 10. Nun doppelte sie bei erster Gelegenheit gegen Stosur nach und könnte am Samstag als zweite Italienerin nach Schiavone (French Open 2010) einen Grand-Slam-Titel gewinnen. Für den steilen Aufstieg macht Errani in erster Linie einen Racketwechsel verantwortlich. Mit dem neuen Arbeitsutensil habe sie mehr Power, versicherte sie. Um den Ausrüster zu wechseln, musste sie für 30'000 Euro aus dem alten Vertrag aussteigen. «Das ist viel Geld. Ich musste mir das gut überlegen.» Gelohnt hat es sich. 625'000 Euro Preisgeld hat sie mit der Finalqualifikation schon auf sicher. Seit Anfang Jahr hat sie damit schon über 1,4 Millionen Euro verdient, nahezu gleich viel wie zuvor in zehn Jahren.

Für McEnroe ist Djokovic Favorit

Heute stehen wieder die Männer im Blickpunkt mit den Halbfinals zwischen Roger Federer und Novak Djokovic sowie Rafael Nadal und David Ferrer. Der Schweizer absolvierte gestern - 24 Stunden vor seinem 26. Duell mit dem Serben - ein leichtes Training auf der Anlage von Roland Garros. Für die ehemalige Tennisgrösse John McEnroe geht Federer heute (ab ca. 16.00 Uhr) als Aussenseiter in den Match. «Er muss sich steigern, um mit Djokovic mitzuhalten», meinte der Amerikaner. Wie im letzten Jahr lastet der Druck allerdings mehr auf Djokovic als auf Federer, räumte McEnroe ein. Beim letzten French Open hätte Djokovic mit einem Sieg gegen Federer nicht nur seine Siegserie (43 Erfolge) weitergeführt, sondern wäre auch schon in Paris die Weltnummer 1 geworden. Nun steht Djokovic vor seinem persönlichen Grand Slam. Als erster Spieler seit 1969 und als erst dritter überhaupt könnte er mit einem Erfolg am Bois de Boulogne alle vier Grand-Slam-Trophäen gleichzeitig in seinen Besitz bringen. «Das kann einem nicht kalt lassen», ist sich McEnroe sicher. «In den letzten beiden Runden spielte er weniger präzis als sonst. Aber ich denke, dass er sich im Halbfinal steigern kann.» Wer für ihn der grosse Turnierfavorit ist, verheimlicht McEnroe nicht: «Wer auch immer als Sieger zwischen Federer und Djokovic hervorgeht, er wird sich im Final nochmals steigern müssen. Nadal trat bisher hier am überzeugendsten auf.»

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