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Campino: «Pisst alle noch mal aufn Acker, bevor ihr geht»Die Toten Hosen rockten gestern vor gut 20'000 Fans in Jonschwil, holten eine Baslerin als Co-Sängerin auf die Bühne und sagten ganz klar, was sie von der SVP halten.Tino Richter / Quelle: news.ch / Sonntag, 23. August 2009 / 03:19 h
Während sich noch eine grosse Masse der rund 20'000 Besucher durch die Eingangsschleuse quälte, dröhnte bereits die Hamburger Band Ohrenfeindt mit ihren harten bluesbasierten Gitarrenriffs über den Platz.
Punkcoiffeure ritten noch letzte Sprayattacken gegen das Haar; Bierdosen landeten auf Sichtweite der schon zu Beginn überforderten Müllkübel und einige nahmen noch schnell ein paar Schlucke Schlaf oder dünsteten den Marihuana-Mief aus, bevor die Party in Jonschwil steigen konnte.
Redeem, Ramones und R.I.P. Als Nächstes startete das Indierock-Trio Redeem um den Sänger Stefano Paolucci, dessen bemerkenswerte Stimme stark an Eddie Vedder und Pearl Jam erinnert. Mit ihren teils schnellen, teils zerbrechlich-sanften Tönen, sind sie die Entdeckung des Open Airs. Mit ihrem 30-minütigen Auftritt heizten sie den Fans erstmals ordentlich ein. In der Zukunft dürfte von der Band aus Zug noch einiges zu erwarten sein. (Siehe Interview) CJ Ramone, das letzte Ramones-Gewächs der zweiten Generation ab 1989, sorgte mit den betont rotzigen Songs für die Reminiszenzen an die Punk-Vergangenheit der Toten Hosen und bei einigen älteren Semestern für schöne Erinnerungen an die Ikonen aus New York, von denen auch schon drei unter der Erde liegen. Hosen-Rufe Während die letzten Sonnenstrahlen über dem Thurtal versanken, sammelten sich immer mehr im Bühnenvorhof, um die Düsseldorfer Berufspunker gebührend zu empfangen. Zwar schlugen die Deftones aus Kalifornien als vierte Vorband noch harte Metal-Töne an, doch die Ungeduld des Publikums konnte das auch nicht mehr beeinflussen: «Wir wollen die Hosen sehen, wir wollen die Hosen sehen», skandierten einige ins Mikro von Deftones-Sänger Camillo «Chino» Wong Moreno. Schliesslich war es kurz nach 21 Uhr so weit. Die Toten Hosen betraten die Bühne und vom Mitfünfziger über die Jugend bis hin zu den Alleinerziehenden mit Kindern gab es nur Jubel für einen der erfolgreichsten deutschen Musikexporte. Campinos Kommentar zur SVP: «Das richtige Häkchen bei der nächsten Wahl machen.» (Archivbild) /
![]() Die Toten Hosen: Beliebt bei Alt und Jung. /
![]() Ausgelassene Stimmung am Open Air. /
![]() Und der legte auch gleich mit seinem aktuellen Kracher «Strom» vom 2008er-Album «In aller Stille» laut und explosiv los. Thalmann, wer? Doch gleich zu Beginn äusserte sich Sänger Campino zu den Querelen um die angebliche Absage wegen der SVP-Zugehörigkeit des Veranstalters. Alles Quatsch, befand Campino und meinte, die Band habe den Veranstalter Linus Thalmann gar nicht gekannt und auch eine Absage nie in Erwägung gezogen, selbst wenn sie ihn gekannt hätten. Denn es sei nicht ihre Art, einfach zu kneifen. Und wenn man dennoch etwas tun wolle, dann «könntet ihr ja alle noch mal auf den Acker hier pissen, bevor ihr geht» – und natürlich «euer Häkchen (sic!) an der richtigen Stelle machen» bei der nächsten Wahl, so der Sänger.Eine Bierdose als Geschenk Insgesamt spielten die Hosen eine ausgewogene Mischung ihrer grossen Hits wie «Opel-Gang» (aus aktuellem Anlass), «Zehn kleine Jägermeister» oder auch «Paradies», die alte und neue Fans zum Pogen brachten. Just bei «Paradies» holte Campino die Baslerin Alexandra aus der Menge auf die Bühne, die sich in schrägen Tönen und genauso text-unsicher wie Campino durch den Song leierte. Die Menge grölte. Alexandra bekam eine Bierdose - ungeöffnet. Nach fast zwei Stunden war dann Feierabend und der Boden war auch ausreichend zugemüllt. Es sollte das einzige Konzert in der Schweiz im Rahmen der Machmallauter-Tour der Toten Hosen sein.
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